Lehrende: IT an der Kanti Zug "in desolatem Zustand"

27. Oktober 2020, 15:17
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Nach Sparmassnahmen verlassen Informatik-Fachleute die Kantonsschule Zug, die IT-Infrastruktur wird demontiert. Wir haben recherchiert.

Die Informatik der Kantonsschule Zug (KSZ) ist offenbar in einem desolaten Zustand. Dies sei einer ehemals von der Akademie für Naturwissenschaften Schweiz ausgezeichneten MINT-Schule unwürdig, monieren Lehrende der KSZ in einem Leserbrief in der 'Zuger Zeitung'.
Die Lage geht auf Sparmassnahmen des Regierungsrates zurück. Dieser hatte vor drei Jahren entschieden in der Informatikstrategie bis 2022 viel Geld einzusparen. In diesem Rahmen sollte das Budegt der Informatik der kantonalen Schulen um über eine Million Franken gekürzt werden. Der Löwenanteil entfiel dabei auf die Kantonsschule Zug.
Auf Anfrage von inside-it.ch unterstreicht Lukas Fürer, der Leiter des Lenkungsausschusses IT kantonale Schulen, dass der Entscheid damals nicht aus heiterem Himmel gefallen sei. Er sei nach längerem Unbehagen wegen des IT-Budgets der Kantonsschule Zug gefällt worden. In einer vertieften Analyse mit externer Unterstützung habe sich dieses Unbehagen schliesslich als berechtigt bestätigt. Die KSZ verfüge nun über ein IT-Budget von rund einer Millionen Franken. "Mit diesem Budget ist eine gute und verlässliche Schul-IT möglich", so Fürer.
Anders sehen dies die Unterzeichnenden des Leserbriefs, die von einem "äusserst fragwürdigen Benchmark" schreiben, nach dessen Massstab die Hälfte des IT-Budgets der KSZ eingespart worden sei. Die Lehrenden geizen nicht mit markigen Worten: Die wertvolle IT-Infrastruktur sei buchstäblich zerschlagen worden. Man habe Arbeitsgeräte in den Unterrichts- und Vorbereitungszimmern entfernt, schuleigene Server zurückgebaut und die bestehende virtuelle Desktop-Infrastruktur entsorgt. Dies bestätigen auch mit den Vorgängen vertraute Personen gegenüber inside-it.ch. Stattdessen setze man in Zug nun vollumfänglich auf Microsoft 365 und Geräte, welche die Lehrpersonen in Eigenregie beschafft hätten.

"Vorsintflutliche IT-Infrastruktur"

In einem Konzept von 2018 versprach die Schulleitung der KSZ, dass sie sich bei den vorgesetzten Stellen für die Bereitstellung von ausreichend finanziellen und personellen Ressourcen einsetze. Nun sagt Peter Hörler, der Direktor der Kantonsschule, zu inside-it.ch, dass für den technischen Betrieb der IT-Infrastruktur genügend Fachleute vorhanden seien.
Die heutige Infrastruktur mute vorsintflutlich an, heisst es allerdings im Leserbrief. In der neuen Strategie wird vorgesehen, dass die Lehrpersonen ihre eigenen Arbeitsgeräte in die Schule mitbringen und dafür einen finanziellen Beitrag erhalten. Technischer Support ist nicht mehr vorgesehen. Damit sind Change-Probleme vorprogrammiert.
KSZ-Direktor Hörler sagt: "Was nach der Umstellung fehlt, ist ein angemessener, technischer Support für die Lehrpersonen". Betroffen sind rund 180 Lehrer und Lehrerinnen, die ihre Geräte nicht nur selber beschaffen sondern auch installieren und warten müssen. Auch Fürer von der Bildungsdirektion räumt ein, dass der Wandel "eine grosse Herausforderung" sei.

IT-Fachleute springen ab

Zwei IT-Mitarbeitern sei im Zuge der Sparmassnahmen gekündigt worden. Danach hätten angesichts der perspektivenlosen Situation zwei weitere langjährige Mitarbeitende "das sinkende Boot" verlassen, so die Lehrenden in der 'Zuger Zeitung'. Die beiden IT-Fachleute haben beim Amt für Informatik des Kantons angeheuert.
Offenbar hat man an der KSZ nun aber doch zu wenig Personal: "Aufgrund des Personalmangels, kann die IT keine regelmässigen Supportfenster mehr bieten. Bei geöffneter Tür darf das Büro aber betreten werden. Ist die Türe geschlossen, bitte nicht anklopfen", ist einem Wiki der KSZ zu entnehmen. Man könne sich derweil per Mail melden und einen Termin ausmachen. Ziel sei eine erste Rückmeldung nach spätestens 3 Arbeitstagen, heisst es weiter.
Direktor Hörler sagt, dass die Schule derzeit einen Windows-Administrator und M365-Spezialisten suche. "Wir sind weiterhin intern wie auch zusammen mit den vorgesetzten Stellen daran, möglichst gute und nachhaltige Lösungen zu suchen", so Hörler. Man überprüfe nun die Vorwürfe, die im Leserbrief erhoben worden seien, gemeinsam mit der Schulleitung, bestätigt Fürer von der Bildungsdirektion.
Ein IT-Helpdesk wird derweil von Schülern der Kantonsschule betrieben. Für jene sei "das alles neu, sie müssen sich auch an die Situation gewöhnen und es wird vielleicht nicht alles gleich klappen. Aber sie geben ihr Bestes", wurde bereits im März 2020 im Wiki festgehalten. Die Schülerinnen und Schüler werden intern für den Helpdesk ausgebildet, wie KSZ-Direktor Hörler erklärt.

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