Leider Nein (ästhetisch umstrittene Folge)

16. Oktober 2009, 15:52
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Und hier noch unsere Freitagabend-Nachricht.

Falls Sie in den letzten Tagen den Zürcher Kreis 4, Home of the Hurons, besucht haben, so mögen Ihnen die langen Kolonnen der 40-Tönner, die von der Kanzleistrasse aus in alle Richtungen schlichen und da und dort in der 30-km/h-Zone Staus verursachten, da sie schwer beladen kaum um die Ecke kamen, aufgefallen sein. Für einmal müssen wir uns unökologisches Verhalten vorwerfen lassen, aber wie sonst hätten wir all die Geschenke, die wir zum 5-jährigen Firmenjubiläum erhalten haben, abtransportieren können? Herzlichen Dank für die Weine, noch mehr Weine, italienischen Köstlichkeiten, Plexiglas-Plakette und die von Hand gebrauten jurassischen Bierchen. Auch die sechs 16-GB-USB-Sticks von der Firma B. aus M. sind ausgesprochen nützlich, denn sie setzen eine Marke. Ab sofort nehmen wir Pressemitteilungen, Präsent- und Dokumentationen, Fotos und Factsheets nur noch auf USB-Sticks mit einer minimalen Kapazität von 16 GB entgegen. Sie wollen ja nicht knausriger als die nicht mal börsenkotierte KMU B. aus M. sein, oder?
Ein Gschänkli, und zwar von einer Firma, die nur vier mal so alt, dafür 103'318 mal reicher ist als wir, kam erst heute. Dafür aber jööö! Ein Jubiliäums-Logo nur für uns ganz alleine samt Claim und Tagline für unsere Geburtstagskampagne. Über die Ästhetik des Werkes wollen wir uns an dieser Stelle nicht auslassen und wir verklemmen uns auch jede Bemerkung über den Zusammenhang, den es allenfalls zwischen dem Titel dieser Kolumne und unserer generellen Einschätzung des visuellen Geschmacks der Erschöpfer der immer so schön bunten Werbe-Welt eben dieser stinkreichen Firma gibt. (Die Werbung nehmen wir aber schon.)
"Leider Nein" müssen wir auch immer wieder zu Marlene sagen, die uns hartnäckig im Auftrag von Erfolgsautorin Michelle LaBrosse (echt wahr!) schreibt und uns "eine Serie" von "Free Articles on Greener Living and Greener Business" anbietet. Dabei hat Frau LaBrosse schon viele Bücher geschrieben, sie hat wöchentlich zwei Radio-Sendungen namens "Cheetah Power" und "Your World Your Way", und wurde vom Projektmanagement-Institut zu einer der 25 einflussreichsten Frauen im Projektmanagement erkoren.
Ebenfalls unserem unbezwingbaren, ja geradezu manischen Drang zur Delete-Taste fiel die Nachricht zum Opfer, dass an der "2. Grächner Aussenpolitischen Herbsttagung ... die Volksrepublik China und ihre Beziehungen zur Schweiz im Zentrum..." stehen werden. Dabei wäre neben Vertretern des Walliser Volkswirtschaftsdepartements und dem chinesischen Generalkonsul doch tatsächlich Altbundesrätin Kopp persönlich vor Ort gewesen, wie uns CEO Berno Stoffel von "Unternehmung Grächen" schrieb. Wir gehen zwar nicht hin, denn das Wallis ist uns zur Jagdzeit zu gefährlich, fragen uns aber nun, ob das Wallis jetzt schon seine Gemeinden privatisiert und verkauft hat. An die kommunistische Partei Chinas?
Freudig Ja!" sagten wir hingegen heute, als wir beim Stöbern in simap.ch unverhofft auf den Grund dafür stiessen, dass die Schweiz kein Geld für neue Kampfjets mehr hat, sondern wir diese mit Österreich (unser Vorschlag: an geraden Tagen dürfen die Ösis Krieg führen, an ungeraden wir) teilen werden müssen. Wir fanden nämlich heraus, dass das "Projekt Leckerli, Viktoriastrasse 85, 3003 Bern" einen Rahmenvertrag für das Projekt "CPV: 15820000 - Zwieback und Kekse; haltbares Gebäck und Kuchen" für 700'000 Portionen Läckerli für 2010 (optional mit Folgeaufträgen im gleichen Umfang bis 2014) ans Basler "Läckerli Huus" vergeben hat. Ebenfalls abgeschlossen ist das "Projekt Erdnüsse". Da geht es immerhin um 600'000 Portionen gesalzene Erdnüsse.
Kein Wunder, dass die Armee sich keine neuen Flugis leisten kann, wenn die SoldatInnen statt den Feind zu töten immer nur apérölen und armasuisse ihnen die Snacks dazu vor die Nase stellt. (Christoph Hugenschmidt)

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