Der Entwurf zur GPLv3 sei viel schlechter als die aktuelle GPLv2, findet nicht nur Linus Torvalds sondern auch eine grosse Mehrheit der aktivsten Linux-Kernel-Programmierer.
Linus Torvalds hat sich in den letzten Monaten bereits äusserst kritisch gegenüber dem
aktuellen Entwurf für eine neue Version der "General Public License" (GPL) für Open Source Software geäussert. Torvalds ist aber offensichtlich nicht der einzige Linux-Vorreiter, der gegen die vorgeschlagene neue Lizenz ist.
Am letzten Freitag wurden auf der Mailing-Diskussionsseite der Linux Kernel-Programmierer die Resultate einer Blitzumfrage zum Thema unter den 30 aktivsten Mitarbeitern am Linux-Kernel
veröffentlicht. Das Resultat könnte kaum eindeutiger sein. Die Befragten konnten den Entwurf zur GPLv3 im Vergleich zur v2 auf einer Skala von -3 bis +3 bewerten. 23 der 29, die eine Antwort gaben, benoteten den Entwurf mit -2 ("Ich glaube, v3 ist viel schlechter als v2") oder noch tiefer. Die beste Note war gerade mal eine Null ("Ist mit eigentlich egal").
Torvalds hatte die Umfrage angeregt, um sich zu vergewissern, dass er mit seiner Meinung unter den Linux-Programmierern nicht alleine steht. Dass die Ablehnung der GPLv3 unter den Linux-Kernel-Programmierern so generell ist, scheint diese selbst nicht zu überraschen, dürfte aber Aussenstehende, wie Torvalds anmerkt, durchaus beeindrucken.
In vielem zu radikal
Die GPL ist die am weitesten verbreitete Lizenz für Open Source Software. Mit einer neuen Version der GPL möchte die Free Software Foundation die bereits seit 1991 gebräuchliche zweite Version (v2) der Lizenz modernisieren und aktuellen Entwicklungen wie "Digital Rights Management" oder der zunehmenden Patentierung von Software anzupassen. Vielen Kritikern des Entwurfes, obwohl selbst Gegner von DRM und Softwarepatenten, gehen die vorgeschlagenen Bestimmungen zu diesen Bereichen aber zu weit: Sie befürchten, dass einerseits unter der GPLv3 auch nützliche Anwendungen von DRM- und Verschlüsselungstechnologien unmöglich wären, und dass es andererseits die Bestimmungen gegen Patente vielen Unternehmen verunmöglichen würden, die neue Lizenz zu akzeptieren.
Ein weiterer wichtiger Kritikpunkt ist die im Entwurf zur GPLv3 vorgesehene Möglichkeit, dass Programmierer die GPL individuell mit weiteren Einschränkungen ergänzen können. Dies, so die Kritiker, würde die sowieso schon unübersichtliche Landschaft der Open Source-Lizenzen für Unternehmen und ihre Anwälte endgültig zu einem "Albtraum" machen. (Hans Jörg Maron)