Luzerner Gewerbe geht neue Wege zur Lehrstellenfindung

19. April 2021, 14:24
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Mit einer Cloud-Lösung hat der KMU- und Gewerbeverband des Kantons Luzern die Lehrstellenparcours nun auch virtuell möglich gemacht.

Es mangelt an allen Enden an Fachkräften, auch im Kanton Luzern. Laut Urs Amrein, Pressesprecher und Marketing-Mann bei Opacc, scheint der Markt ausgetrocknet und gute Leute seien wohl auch wegen der aktuellen Situation nicht zum Wechseln zu bewegen. Zwar sei die Anzahl an Bewerbungen weiterhin hoch, doch die Quantität entspreche nicht der nötigen Qualität, so Amrein auf unsere Anfrage. Deshalb habe auch Opacc seine Nachwuchsförderung ausgebaut, das Lehrstellenangebot erweitert und beschäftige inzwischen 8 Lernende pro Jahrgang.
Zwar führe man auch selber Schnuppertage für potentiellen Nachwuchs durch, nächste Woche stehe wieder ein solcher an, der diesmal virtuell durchgeführt werde. Doch begrüsse Opacc auch alle zusätzlichen Aktivitäten. Hierzu rechnet Amrein die sogenannten Lehrstellenparcours die bereits von einigen lokalen Gewerbevereinen zusammen mit den Gemeinden des Kantons durchgeführt werden.
So unterstützen die Software-Spezialisten aus Rothenburg auch den digitalen Ausbau der Lehrlingsparcours, den nun der KMU- und Gewerbeverband des Kantons Luzern (KGL) vorgelegt hat. Die Notwendigkeit dieser Cloud-basierten Plattform erklärte KGL-Direktor Gaudenz Zemp gegenüber der 'Luzerner Zeitung' so: Ob Lehrstellenbetriebe in einer Mehrzweckhalle Stände aufstellten oder ob die Schulen die Jugendlichen in die Betriebe schickten, es gab und gibt oft dasselbe Problem: "Das Zusammenbringen von interessierten Jugendlichen und passenden Lehrbetrieben ist sehr komplex. Bei der Organisation und Abwicklung stösst man mit herkömmlichen Mitteln schnell an die Grenzen", so Gaudenz.
Um hier Abhilfe zu schaffen (es geht keineswegs nur um ICT-Lehrstellen), habe der KGL 2019 ein bestehendes Konzept aus Malters übernommen, es überarbeitet und eine Software-Lösung in Auftrag gegeben, heisst es in dem Bericht weiter. Es handle sich um die nun fertiggestellte Cloud-basierte Internetplattform, die in den nächsten Jahren möglichst flächendeckend im ganzen Kanton eingesetzt werden soll.
Konkret übernimmt die Plattform die Zuteilung und Verwaltung der Wünsche von Schülerinnen und Schülern sowie der Angebote der Betriebe, so der Bericht weiter: "Die Lehrpersonen erfassen, wie viele Schüler sich für welchen Beruf interessieren, die Lehrbetriebe geben ein, welche Berufe sie anbieten und wie gross eine Besuchergruppe sein darf. Am Parcours-Tag können die Schüler dann vier Betriebe ihrer Wahl besichtigen und an zwei allgemeinen Ateliers teilnehmen. Dort erklärt ein Lehrmeister, was von den künftigen Lehrlingen erwartet wird. Und ein Lehrling gibt auf Augenhöhe Auskunft über das Vorstellungsverfahren, den Betriebsalltag oder die Berufsschule."
Nach ersten Tests in 2 Gemeinden im letzten September werden die derart ausgebauten Lehrlingsparcours nun sukzessive in weiteren Gemeinden offiziell eingesetzt. Im nächsten Jahr soll die Plattform bei bis zu 10 Gemeinden eingesetzt werden, bevor man sie dann im ganzen Kanton nutzen will, so die 'Luzerner Zeitung' weiter. Und da man beim KGL glaubt, dass es eine solche Lösung noch nicht gibt, könne sich Zemp "gut vorstellen, dass der Lehrstellenparcours dereinst in der ganzen Deutschschweiz eingesetzt wird".
Dass die Bemühungen des KGL zu begrüssen sind, wird niemand bestreiten. Auch dann nicht, wenn es wie in diesem Jahr wieder recht gut aussieht mit der Besetzung der Lehrstellen. Denn bis Ende Februar 2021 waren gesamtschweizerisch rund 28'000 Lehrverträge für den Lehrbeginn im Sommer 2021 unterzeichnet. Die Lehrstellenvergabe verlaufe damit ähnlich wie in den Vorjahren, schrieb dazu das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI). Trotz Corona bedingter Einschränkungen sei es wichtig, dass Jugendliche den Berufswahlprozess und die Lehrstellensuche fortsetzen können, betonte das SBFI aber ebenfalls und verwies darauf, dass virtuelle Veranstaltungen als Alternative dienen können. Die Probleme der ICT-Branche liegen hingegen bei der nur harzig verlaufenden Schaffung von mehr ICT-Lehrstellen, was seit langen beklagt wird.

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