Mobile-Payment wird wichtiger, bleibt aber eine Nische

17. November 2017 um 11:12
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Deloitte-Studie ergibt: Twint hat die Nase vorn. IFZ-Erhebung zeigt: Das Glas ist halbvoll.

Deloitte-Studie ergibt: Twint hat die Nase vorn. IFZ-Erhebung zeigt: Das Glas ist halbvoll.
Der Trend beim stationären Verkauf geht vom Bargeld weg, hin zu Karten und neuen digitalen Zahlungsmitteln. Dies hat das Beratungsunternehmen Deloitte hat in einer am Donnerstag publizierten Befragung von 1000 Schweizern ermittelt. Im Jahr 2000 gingen rund drei Viertel des Umsatzes an stationären Verkaufspunkten auf Bargeld zurück. 2016 lag dieser Wert noch bei knapp der Hälfte.
17 Prozent der Schweizer Kundschaft zahlt bereits gelegentlich mit dem Smartphone. Daneben gaben bei der Umfrage 14 Prozent der Befragten an, den Einsatz von mobile Payment in nächster Zeit zu planen. Allerdings bezahlen weniger als ein Prozent immer mit dem Smartphone.
Twint stärker verbreitet als Apple und Samsung Pay
Knapp drei Viertel der Smartphone-Zahler benutzen Apps von Drittanbietern wie Twint, Apple oder Samsung. Twint ist dabei mit 40 Prozent etwas stärker verbreitet als Apple Pay, das von 33 Prozent der Mobile-Payment-Anwender genutzt wird. Erst kürzlich hat Twint 500'000 User vermeldet und behauptet, dass mit der App im Detailhandel drei Mal mehr bezahlt würde, als mit allen anderen Mobile-Payment-Lösungen zusammen.
Die Studienautoren bezeichnen es als ein eindeutiges Plus von Twint, dass dafür keine Kreditkarte, sondern nur ein Bankkonto notwendig ist. Apple Pay und Samsung Pay seien hingegen auch international anwendbar und hätten den Vorteil der NFC-Technik auf ihrer Seite.
Immer mehr Läden haben inzwischen in ihre eigenen Apps eine Bezahlfunktion eingebaut und kombinieren diese mit Bonusprogrammen und Spezialangeboten. Laut der Studie verwenden fast die Hälfte der Konsumenten solche Bezahl-Apps von spezifischen Marken.
"Die Nutzungsquote erscheint sehr hoch, vor allem wenn man bedenkt, dass der Anteil von Mobile Payment am Transaktionsvolumen in der Schweiz noch bei unter einem Prozent liegt. Ein beachtlicher Teil der Schweizer Konsumenten scheint Mobile-Payment-Applikationen installiert zu haben – rege benutzt werden sie aber erst von einem sehr viel kleineren Teil", erklärt Konstantin von Radowitz, Leiter Consumer & Industrial Products bei Deloitte Schweiz.
Zahlungen per Smartphone-App erst bei rund 0,2 Prozent
Konkreter wird die ebenfalls gestern publizierte FZ Retail Banking-Studie 2017 des Institut für Finanzdienstleistungen Zug IFZ: Insgesamt werden heute etwas mehr als 0,2 Prozent der Zahlungen in der Schweiz über eine Smartphone-App getätigt. Das Institut sieht das Glas für Mobile Payment und Twint im Speziellen aber als halbvoll an.
Dass die Marktentwicklung von Mobile Payment in der Schweiz teilweise belächelt worden sei, hänge primär mit überhöhten Erwartungen zusammen, schreiben die Bankexperten in der Studie.
Dass Kunden nur zögerlich auf die neuen Dienste umsteigen, ist ihnen zufolge normal: Die Adoptionsgeschwindigkeit von Innovationen im Bereich des Bezahlens verlaufe vor allem in der Anfangsphase immer sehr langsam.
Sollte sich Mobile Payment ähnlich entwickeln wie die Kontaktlos-Funktion, könnten bis im Jahr 2020 monatlich in etwa 2,5 bis drei Millionen Transaktionen über das Smartphone getätigt werden. Das entspräche einem Marktanteil von 1,5 bis zwei Prozent.
Das IFZ stellt zudem grundsätzlich ein grosses Interesse an Mobile Payment fest. Laut einer nicht repräsentativen Umfrage unter 309 Personen in der Deutschschweiz hat fast jeder Fünfte schon einmal via Smartphone bezahlt. 62 Prozent könnten sich das künftig vorstellen. (sda/ts)

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