Mobilfunkanbieter: Werben oder Sterben?

20. März 2006, 14:34
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Werden Orange, Sunrise und Co. in Zukunft ihr Geld hauptsächlich als Werbeplattformen verdienen, ähnlich wie Fernsehsender und andere Medien?

Werden Orange, Sunrise und Co. in Zukunft ihr Geld hauptsächlich als Werbeplattformen verdienen, ähnlich wie Fernsehsender und andere Medien?
Die Einnahmen von Mobilfunk Anbietern werden in Zukunft wohl unter Druck geraten, durch verschärfte Konkurrenz in einem gesättigten Markt und Entwicklungen wie mobile IP-Telefonie. Die Suche nach Zusatzeinnahmen um auch weiterhin Wachstum generieren zu können, ist daher dringend.
Eine der grossen Hoffnungen der letzten Jahre in dieser Richtung waren Zusatzeinnahmen durch Datenübertragung. Zusatzservices wie Internetsurfen, Musik- oder Spieledownloads, Online-Spiele oder mobiles Video, dachte man, würden die Umsätze pro Kunde in die Höhe schiessen lassen. Der Haken an der Geschichte ist allerdings, dass sich die Endanwender bisher kaum dazu verlocken liessen, für solche Zusatzangebote viel Geld auszugeben.
Auch das Beratungsunternehmen KPMG hat in einer weltweiten Umfrage unter Konsumenten diese Tatsache gerade wieder einmal untermauert. Nur etwa 40 Prozent der der Mobilfunkkunden weltweit, so das Ergebnis, wären bereit, für die genannten Zusatzservices überhaupt tiefer in die Tasche zu greifen. In Europa liegt dieser Wert gemäss dieser Studie zwar bei knapp unter 50 Prozent, aber weniger als 10 Prozent aller User wären bereit, ihr Handybudget um mehr als ein Viertel zu steigern. Die Studie, die noch viele weitere Zahlen zu Handynutzungsgewohnheiten in Europa und zu unterschieden zu anderen Regionen liefert, findet man hier.
Trotzdem rät KPMG den Mobilfunkanbietern dazu, genau solche Dienstleistungen wie Videodownloads oder Live-TV aufzubauen. Das Ziel, so KPMG, sollten aber dabei nicht unbedingt direkte Einnahmen sein. Anbieter sollten diese Dienstleistungen vor allem dazu nutzen, so die Berater, um ihre Kundenbasis zu stabilisieren. Momentan seien die Anbieter vor allem damit beschäftigt, sich mit ständig neuen Sonderangeboten immer wieder gegenseitig die Kunden abspenstig zu machen. "Permanent subventionierte Handys auf den Markt zu werfen, bringt langfristig keinen Geschäftserfolg. Sinnvoller ist es, sich mit Hilfe attraktiver konvergenter Dienstleistungen wie Videodownloads oder Live-TV eine stabile und loyale Kundenbasis aufzubauen", meint dazu John Curtis, Leiter des Bereichs Information, Communications & Entertainment bei KPMG Deutschland.
Mit einem solchen loyalen Kundenstamm, so Curtis, hätten die Mobiklfunkanbieter dann eine attraktive Plattform für Werbetreibende oder auch Online-Händler. Mobilfunkunternehmen, so die Idee, könnten dann zum Beispiel ihren Handykunden Werbung "zielgruppengerecht" per SMS oder auch als Videoclip zukommen lassen.
Wie hoch die Akzeptanz solcher Werbeformen auf dem Handy allerdings bei den Handykunden wäre, liess KPMG für seine Studie allerdings leider nicht erfragen. (Hans Jörg Maron)

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