Muttenz hat Outsourcing an Talus abgeschlossen

29. November 2021, 13:45
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Nach jahrelanger Verzögerung hat die Gemeinde die gesamte IT an Talus Informatik ausgelagert und hofft nun, fit für die digitale Zukunft zu sein.

Die IT-Auslagerung der Gemeinde Muttenz ist nach über 2 Jahren Verzögerung abgeschlossen. Zunächst ging es bei der ersten Ausschreibung im September 2018 noch um den IT-Servicebezug, mit der Neuausschreibung im Dezember 2020 dann um ein Full-Outsourcing. Der Auftrag ging an Talus Informatik. Das Unternehmen sowie Muttenz selbst haben nun die Umsetzung des Projekts bekannt gegeben.
Insgesamt sind damit gut 3 Jahre bis zur Neuaufstellung der Gemeinde-IT ins Land gegangen. Dass diese Neuaufstellung notwendig war, wusste man in Muttenz nach eigenen Angaben schon seit 2017. Denn damals hatte die Gemeinde Birsfelden nach rund 16 Jahren die IT-Zusammenarbeit mit Muttenz beendet, um die eigene IT auszulagern.
Geschuldet ist die Verzögerung einem verlorenem Rechtstreit nach dem ersten Vergabeverfahren. Daran anschliessend wurden die Projektanforderungen angepasst und neu eben ein Full-Outsourcing ausgeschrieben und dann an Talus vergeben. In einem 3-tägigen Transitionsprojekt sei Ende Oktober die gesamte IT der Gemeinde von Talus übernommen worden. Damit sei "eine Hürde genommen, um auch weiterhin Effizienz, Zukunftsfähigkeit und Sicherheit gewährleisten zu können". Das teilt die Gemeinde Muttenz zu dem kürzlich abgeschlossenen Projekt mit.
Wir haben nachgefragt, wie es zu der Verzögerung kam und welche Folgen sie hatte. Gemeindepräsidentin Franziska Stadelmann-Meyer bestätigte uns, dass sich das Outsourcing um rund zwei Jahre verzögert hat. Was das gekostet hat, sei allerdings unklar: "Die Mehrkosten können nicht genau beziffert werden, denn es mussten temporäre Massnahmen auf der bestehenden IT-Infrastruktur ergriffen werden", so die Gemeindepräsidentin.

Verzögerung wegen Rechtstreit

Laut Stadelmann-Meyer, die erst im März 2020 das Dossier übernommen hat, gingen für die erste noch den IT-Servicebezug adressierende Ausschreibung 7 Offerten ein. Der Zuschlagsentscheid sei dann Anfang Dezember 2018 erfolgt. Dagegen habe jedoch einer "dieser 7 Anbieter beim Kantonsgericht am 24.01.2019 Beschwerde erhoben", so Stadelmann-Meyer.
Wer das war und weshalb rekurriert wurde, konkretisiert die Gemeindepräsidentin zwar nicht, führt aber aus, dass das Kantonsgericht "mit Urteil vom 25.9.2019 den Zuschlagsentscheid aufgehoben und die Angelegenheit zur neuen Beurteilung im Sinne der Erwägungen an die Gemeinde Muttenz zurückgewiesen" habe.
Das schriftliche Urteil habe der Gemeinderat dann Ende Februar 2020 erhalten. "Am 18.03.2020 hat der Gemeinderat abschliessend über das Gerichtsurteil beraten und beschlossen auf eine Beschwerde beim Bundesgericht zu verzichten. Ausserdem wurde der Verfahrensabbruch und das Anstreben eines umfassenden IT-Servicebezugs beschlossen. Dieser Verfahrensabbruch wurde juristisch geprüft und dann am 09.07.2020 publiziert", so Stadelmann-Meyer. Die erneute Ausschreibung diesmal des Full-Outsourcings sei dann im Dezember 2020 erfolgt.
Weiter teilt sie mit: "Mit dem Beschluss des Verfahrensabbruchs im März 2020 habe ich dann das Dossier übernommen und mit der von mir ins Leben gerufenen Arbeitsgruppe ICT, bestehend aus Verwaltungsmitgliedern, Fachpersonen und drei GemeinderätInnen die 2. Ausschreibung in Angriff genommen."

2 Jahre führen zu wesentlichen Änderungen

Dass man sich statt des IT-Servicebezugs neu für ein Full-Outsourcing entschied, begründet Stadelmann-Meyer so: "Aufgrund des zeitlichen und des damit einhergehenden technischen Fortschritts sowie aufgrund geänderter betrieblicher Anforderungen hat sich der Bedarf der Gemeinde Muttenz an den am 6. September 2018 ausgeschriebenen Leistungen wesentlich geändert". Die ursprünglich ausgeschriebenen Leistungen seien mit zusätzlichen ergänzt worden. "Namentlich strebte der Gemeinderat den Betrieb der Geschäfts-Fachapplikationen (NEST, Abacus, CMI Lösungsplattform und weitere Fachapplikationen) in einem externen Rechenzentrum sowie die Bereitstellung und Betrieb der Telefonie-Services, der Printing-, Scanning- und Kopierer-Services und die lokalen Netzwerk-Konnektivität (LAN & WLAN Services) an", so die Gemeindepräsidentin.
Interessant ist, dass diese Neuausschreibung an Talus ging. Hatte sich der auf öffentliche Verwaltungen spezialisierte IT-Dienstleister doch an der ersten Ausschreibung des IT-Servicebezugs für Muttenz nicht beteiligt, wie Stadelmann-Meyer bestätigt. Talus selbst teilte kürzlich mit, Muttenz habe nach "einer gründlichen Evaluierung in Begleitung eines externen Beratungsunternehmen den Umstieg auf die Cloud" realisiert. Genutzt würde eine "Gesamtlösung für Gemeinden, wozu neben Abacus auch CMI und Innosolvcity gehören".

Keine Kosteneinsparungen

In einer Mitteilung  gibt sich die Gemeindepräsidentin erleichtert. Viele Schwachstellen seien nun "auf einen Schlag vom Tisch". Jetzt könne man weitere Schritte unternehmen und werde schon bald eine Digitalisierungsexpertin oder einen Digitalisierungsexperten anstellen und "umfangreiche Projekte wie beispielsweise die digitale Archivierung und das verstärke E-Government umsetzen". Konkret habe die Gemeinde eine Stelle "Leitung Informatik und digitale Entwicklung" ausgeschrieben, "dieser Stellenbesetzungsprozess ist noch nicht abgeschlossen", betont Stadelmann-Meyer gegenüber inside-it.ch. Zudem bleibe in Muttenz eine Stelle für den Vorort-Support in reduziertem Umfang bestehen.
Nur wer auf Kostensenkungen durch das Outsourcing gehofft hatte, wird enttäuscht. "Wir hatten jahrelang einen Investitionsstau im Bereich IT und entsprechend Nachholbedarf", so Stadelmann in der Information an die Gemeinde. Deshalb könne man die bisherige Situation auch nicht mit der neuen vergleichen, fügt sie an und hält fest, dass für "die jetzigen und ständig wachsenden Bedürfnisse eine externe Lösung aber sicher am effizientesten sei".

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