Nein, die USA erlitten keinen riesigen DDoS-Angriff

16. Juni 2020 um 14:25
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Smartphones, Twitter und Bank of America zwischen NYC und LA gestört, weil die Chinesen angreifen? Anonymous sagte ja. Bis der Schuldige sich outete.

Wurde die gesamte USA am frühen Nachmittag des 15. Juni von einem gross angelegten DDoS-Angriff getroffen? Dies jedenfalls spekulierten einige Medien und das Internetphänomen "Anonymous" twitterte den 6,5 Millionen Followern eine eindrücklich wirkende "Angriffskarte" dazu, welche viele fleissig retweeteten. China stecke dahinter, hiess es in der Folge vielenorts und ernsthafte Medien nahmen sich des Themas an. 
Nun, einen Tag danach, klärt sich der Twitter-Verschwörungstheorien-böses-China-Nebel nach und nach. Als Auslöser der Meldungen gelten Störungsmeldungen beim Aggregator downdetector.com. Laut diesem waren 7 Mobile-Anbieter, 4 Internet Provider, aber auch Facebook, Instagram, Twitter und Snapchat gleichzeitig gestört, zudem populäre Games und Services wie das Playstation Network. Meldungen trafen ein über Störungen bei Netflix, den Grossbanken Chase Bank und Bank of America sowie bei Google und Zoom.
Die DDoS-Angriffstheorien allerdings wurden von Telcos relativ rasch bestritten, es seien Verbindungen zu T-Systems gestört, das eigene Netzwerk laufe normal, hiess es beispielsweise seitens Verizon bei 'Forbes'. AT&T sagte, man habe aktuell interne Probleme zu lösen, aber keine DDoS-Attacken abzuwehren.
Der CEO von Cloudflare, Matthew Prince, hielt ebenfalls nichts vom chinesischen Grossangriff auf die USA. "Es beginnt mit T-Mobile. Sie haben heute einige Änderungen an ihren Netzwerkkonfigurationen vorgenommen. Leider ist es schlecht gelaufen", twitterte der Spezialist für die Abwehr von DDoS-Attacken.
Die Fachleute sollten offenbar Recht behalten. T-Mobile war tatsächlich schuld am Chaos, dies bestätigte auch ein Tweet des Telcos.
Mike Sievert, der CEO von T-Mobile, gab eine Erklärung ab, in der er bestätigte, dass "bei T-Mobile ein Sprach- und Textproblem aufgetreten ist, das sich zeitweise auf die Kunden in den Märkten in den gesamten USA ausgewirkt hat". Es habe kurz nach Mittag Eastern Daylight Time in den USA begonnen. "Dies ist ein Problem im Zusammenhang mit dem IP-Traffic, das im Laufe des Tages zu erheblichen Kapazitätsproblemen im Netzwerk-Core geführt hat", schrieb er. Das Problem konnte aber erst einige Stunden später – in den frühen Morgenstunden des 16. Juni – gelöst werden.

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