Eine sich transformierende Business-Welt im «next normal» findet nicht auf einer Diskette und schon gar nicht auf einem Server statt. War früher alles einfacher – hier On-, dort Off-Premise – muss sich die IT-Infrastruktur entlang der Business- und Kundenbedürfnisse entwickeln, fast wie ein Organismus, der eine symbiotische Beziehung mit einem anderen eingeht. Noch nie waren sich IT und Business so nah wie heute – mit einschneidenden Konsequenzen für die klassischen Infrastrukturen wie Rechenzentren. Laut einer Gartner-Studie von 2019 werden bis 2025 80 Prozent der Unternehmen ihre eigenen Rechenzentren signifikant reduzieren. 10 Prozent haben dieses Unterfangen bereits in Angriff genommen. Es ist aber Zeit, mit einem Schritt zurück das Gesamtbild zu betrachten und kurz innezuhalten.
Komplexe IT-Welt
Ob die Schliessung von Rechenzentren der richtige Schritt ist, hängt von vielen Details ab. In der neuen IT-Infrastrukturwelt der Pandemiewellen-Ära müssen Organisationen maximal flexibel und agil sein, mit aufgelösten Firmengrenzen, unterschiedlichsten Anforderungen an die Infrastruktur: Sie muss schnell umschaltbar in den Krisenmodus und anpassbar an die Kundenbedürfnisse sein. Ein starkes Beispiel sind die Webex Meetings, die sich 2020 verdreifacht haben. Cisco hat in kurzer Zeit die eigenen Kapazitäten dafür massiv ausgebaut. Die Komplexität steigt und steigt, mit zunehmenden Endgeräten und IoT-Strukturen, mit wechselnden Anforderungen im Rhythmus der Kunden und Business-Needs. Die Art und Weise, wie ein Unternehmen seine IT betreibt, hat sich schon immer verändert. Gehen deshalb im Datacenter die Lichter und Ventilatoren aus? Mitnichten. Neue Entwicklungen in Wirtschaft und Gesellschaft führen zur Transformation der gesamten Infrastruktur, in der Datacenter nach wie vor eine wichtige Rolle wahrnehmen.
Public Cloud als Motor der Wirtschaft
Die Umschaltung der Geschäftsprozesse in der Corona-Krise vom Office zum Home Office war in kurzer Zeit möglich – unter anderem dank des zunehmenden Einsatzes von Public Cloud Services. Die jüngst erfolgte Ablehnung des Privacy Shields durch den Europäischen Gerichtshof zeigt aber eine wichtige Problematik auf: Hohe Anforderungen an den Datenschutz sind ein wichtiger Grund für den Verbleib von Geschäftsdaten in der Private Cloud. Ein zweiter Grund ist die zunehmende Zahl von Mission Critical Applications im Zuge der Digitalisierung von immer mehr Geschäftsprozessen. Motor ist der einfache, schnelle Zugriff auf Daten, Dienste und Applikationen, überall wo sie gerade gebraucht werden. Ein dritter Grund ist die stetig steigende Datenmenge; neue Technologien wie 5G und datenproduzierende Geräte wie Sensoren oder Kameras nehmen einen immer wichtigeren Stellenwert in Unternehmen ein, während deren Geschäftsmodelle immer stärker von der Qualität der Daten abhängen. Umso wichtiger ist es, Lock-in-Situationen der Public Cloud zu vermeiden. Zum einen geschieht dies, indem Unternehmen ihre Daten im eigenen Rechenzentrum vorhalten und diese von unterschiedlichen Public Cloud Providern zur Verarbeitung herangezogen werden können. Zum anderen versuchen Unternehmen die «Mobilität» von Applikationen durch Containertechnologien zu fördern, um ihre Datenverarbeitung schneller und dynamischer zwischen verschiedenen Public Cloud Providern zu verschieben.
Einsatz eines globalen Ressourcenpools
Neue Technologien im Datacenter wie optische Chips, 400-Gigabit Ethernet und eine offene Plattform für Serviceprovider fördern einen anderen Einsatz von Rechenzentren im Infrastrukturmix: Datenverarbeitung findet dort statt, wo die Daten entstehen. Dezentral, «on the EDGE», das ist etwa in der Industrie 4.0 von zentraler Bedeutung, wenn Roboter unter ständigem Datenfluss komplexe Güter bauen. Low Latency oder verzögerungsfreie Datenverarbeitung ist das Stichwort für diesen «Edge» in einer smarten IT-Infrastruktur.
Künstliche Intelligenz in den Netzwerk-Strukturen reduziert die Komplexität, erkennt Gefahren, bevor sie sich auswirken und dirigiert ein Ensemble aus kleinen und grossen Strukturen, genau so, wie es das verlangte Kundenerlebnis erfordert. Das Rechenzentrum wird somit Teil eines vollständig integrierten verteilten Ressourcenpools – monolithische Infrastrukturen lösen sich zugunsten eines stetig sich anpassenden «Infrastruktur-Organismus» auf. Hyperkonvergenten Strukturen und hybriden Cloudmodellen gehören die nahe Zukunft, in der die IT unsichtbar wie Sauerstoff an jedem Punkt von Wirtschaft und Gesellschaft liefert, was zum «Atmen» im Business und im Leben gebraucht wird.
Kosteneffizienz von Private Clouds
Das Kostenargument relativiert sich, wenn man den Nutzen einer hybriden Infrastruktur und neue technische Entwicklungen mit einbezieht: Hyperkonvergente Infrastrukturen wie beispielsweise mit
Cisco Hyperflex Anywhere vereinen Computing, Storage und Networking sowie erweiterte Managementfunktionen in einem System. Die Steuerung erfolgt über Software, also hardwareunabhängig. Die Komplexität im Rechenzentrum reduziert sich, die Skalierbarkeit erhöht sich. Automatisierung und Self-Service Funktionalitäten können die Betriebskosten der Private Cloud noch weiter senken. Besonders bemerkbar macht sich dieser Effekt bei Compute Infrastruktur zum Verarbeiten von Machine Learning Algorithmen (AI). Die Nutzung von GPUs ist in der Privat Cloud oft kosteneffizienter.