Schweizer Industrie ist noch nicht fit für den digitalen Wandel

19. März 2021, 13:43
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Eine Studie von AWK zeigt: Viele Unternehmen haben noch keine ausformulierte Digitalstrategie. Doch die Industriebetriebe wollen aufholen.

Man wolle mit einer guten Nachricht beginnen, heisst es in der Mitteilung von AWK zur Studie "Digitalstrategie", die bei Schweizer Unternehmen im Industriebereich von KMU bis Grossfirmen durchgeführt wurde. Ein Grossteil der produzierenden Unternehmen in der Schweiz habe bereits zahlreiche Digitalisierungsprojekte umgesetzt. Entsprechend würden 44% der Teilnehmer der Umfrage den digitalen Reifegrad ihres Unternehmens als "mittel" einstufen.
Dann kommen mehrere "aber": Nur 13% würden Digitalisierung als integralen Bestandteil ihrer Unternehmenskultur leben. Lediglich ein Drittel der produzierenden Unternehmen halte den eigenen digitalen Reifegrad für genügend hoch. Und nur jede fünfte Firma würde gross in Sicherheitstechnologien investieren.
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Diese Digitalprojekte stehen bei der Industrie im Vordergrund. Grafik: AWK
Weiter würden fast zwei Drittel noch keine ausformulierte Digitalstrategie haben. "Zwar ist Digitalisierung für mehr als die Hälfte der Unternehmen eines der Top 3 strategischen Themen und für 12% sogar strategisches Thema Nr. 1, doch dem gegenüber hat jedes fünfte Unternehmen noch keine ausformulierte Unternehmensstrategie, oder Digitalisierung ist kein strategisches Thema darin", schreiben die Studienautoren.
Philip Hauri, Geschäftsleiter Industrie 2025 und Co-Autor, erklärt: "Unsere Schweizer Industrie hat Nachholbedarf. Die Corona-Krise ist zudem ein Katalysator, der Gewinner und Verlierer anhand ihrer Fähigkeit zu digitalisieren ausliest. Wir empfehlen bei knappen Ressourcen, das Portfolio strategisch neu zu priorisieren. Digitalisierung ist ein Top-Management-Thema, das auf Ebene Geschäftsleitung und Verwaltungsrat vorangetrieben werden muss." Die Umfrage zeige aber auch, dass diese Botschaft mehrheitlich bereits angekommen sei: "Die Geschäftsführung von Unternehmen ist für 58% diejenige Anspruchsgruppe, welche die Digitalisierung am stärksten vorantreibt."
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Technologieinvestionen der befragten Unternehmen. Grafik: AWK
Aus technologischer Sicht investieren die befragten Unternehmen mit Abstand am meisten in Informationstechnologien (ERP, CRM, MES, PLM). 61% gaben an, hier "hohe" oder sogar "sehr hohe" Investitionen aufzuwenden. Weitere wichtige Technologien sind das Internet of Things und Data Analytics. Demgegenüber investieren Industriefirmen wenig in Blockchain Technologie, Smart Contracts und Kommunikationstechnologien.
Erstaunt zeigen sich die Autoren darüber, dass trotz der zahlreichen Cyberattacken auf Industriefirmen nur 20% aller Befragten angaben, sie würden "hohe" oder "sehr hohe" Investitionen in Sicherheitstechnologien tätigen. Bei den Empfehlungen an die Industrie heisst es deshalb: "Aufgrund der zahlreichen Angriffe auf die Schweizer Industrie sollten Unternehmen hinterfragen, ob sie genug in ihre Cybersecurity-Fähigkeiten investieren." Für die erfolgreiche Umsetzung von Digitalstrategien müssten Industriefirmen auch in ihre Umsetzungskompetenzen investieren, insbesondere IT-Fähigkeiten, Projektmanagement-Fähigkeiten und Data Analytics.
An der Umfrage, die im zweiten Halbjahr 2020 durch die Arbeitsgruppe "Digitalstrategie" der Initiative "Industrie 2025" und unter Co-Leitung von AWK durchgeführt wurde, nahmen 113 Schweizer Unternehmen des produzierenden Gewerbes teil. Die Hälfte der Unternehmen sind im Maschinen- und Anlagebau (inkl. Zulieferer) tätig und 17% bei Herstellern von elektronischen, optischen und elektrischen Erzeugnissen.

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