EU-Vorschlag inspiriert Sunrise-Chef Christoph Brand.
Sunrise-Chef Christoph Brand möchte die Swisscom aufspalten. In der 'Handelszeitung' von heute fordert er eine Trennung von Netz und Diensten der Swisscom. Damit würden für alle Telekom-Anbieter in der Schweiz dieselben Konditionen gelten, so Brand. Die Swisscom würde damit gezwungen, ihre gesamte Festnetzinfrastruktur in eine separate Einheit oder eine Tochtergesellschaft auszulagern. Diese soll künftig den Unterhalt und den Ausbau des Netzes sicherstellen und allen Marktteilnehmern zu gleichen Kosten zur Verfügung stellen. "So müsste die Swisscom endlich transparent machen, zu welchen Preisen sie selbst auf die Infrastruktur zurückgreift", sagt Brand.
Funktionale Trennung
Brands Vorschlag kommt wenige Wochen nachdem EU-Kommissarin Viviane Reding in einem Gesetzesentwurf die Trennung von Netz und Services bei europäischen Telcos
gefordert hat. Man spricht dabei von einer "funktionalen Trennung". Es liegt auf der Hand, dass die ehemaligen Telekom-Monopolisten von dieser Idee nicht begeistert sind - sie haben jahrelang in ihre Netze investiert und sprechen nun von Enteignung.
Auch Swisscom ist dagegen. So sagte Swisscom-Chef Carsten Schloter in der 'Handelszeitung': "Weil Sunrise nicht investieren will, möchte sie unser Unternehmen enteignen." Dann gibt’s noch einen Seitenhieb: "Die Manager, die heute bei Sunrise für eine Trennung plädieren, haben noch vor wenigen Jahren bei der Regulierung die gegenteilige Meinung vertreten, als sie an der Spitze der Swisscom waren. Sie sind nicht glaubwürdig." Damit gemeint sind neben Christoph Brand als ehemaliger Swisscom-Chefstratege unter anderem auch Jens Alder, früherer Swisscom-CEO und heutiger Chef der Sunrise-Mutter TDC.
Sunrise lobbyiert heftig
Sunrise sucht indes die Unterstützung der Politik. Gemäss 'Handelszeitung' sind "mehrere Ratsmitglieder" an eine Spaltung der Swisscom interessiert. Brand möchte zudem die Bundesräte Doris Leuthard und Moritz Leuenberger sowie mehrere Bundeinstanzen wie etwa das Bundesamt für Kommunikation (Bakom) für seine Pläne gewinnen.
Bis Mitte 2008 muss Bundesrat Hans-Rudolf Merz einen Bericht zum künftigen Eignerverhältnis des Bundes an der Swisscom im Parlament vorstellen. Die 'Handelszeitung' mutmasst, dass in die anschliessenden Debatten "mit Sicherheit" auch weitere Begehrlichkeiten und Vorschläge eingemischt werden. Schloter weist hingegen darauf hin, dass die mögliche Privatisierung der Swisscom und "die langfristige Überlegung, wie man die richtigen Infrastrukturanreize für die Schweiz schafft" zwei separate Dinge sind. (Maurizio Minetti)