Sunrise verkauft Grossteil der Funkmasten

24. Mai 2017, 09:13
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Für 500 Millionen Franken kauft ein Konsortium die Sunrise-Tochter Swiss Towers und damit gut 2000 Antennenmasten.

Für 500 Millionen Franken kauft ein Konsortium die Sunrise-Tochter Swiss Towers. Das Unternehmen ist im Besitz von gut 2000 Antennenmasten des Schweizer Telcos. In Folge des Verkaufs strebt der Telco eine höhere Dividende an.
Sunrise verkauft einen grossen Teil seiner Handyantennenmasten. 2239 Mobilfunkmasten gehen für eine halbe Milliarde Franken an ein Konsortium unter Führung der spanischen Cellnex, an dem auch Swiss Life und die Deutsche Telekom beteiligt sind. Im Vorfeld dieser Transaktion wurden im März schweizweit 2239 Antennenmasten sowie die dazugehörigen Verträge an eine separate rechtliche Einheit, Swiss Towers AG, ausgegliedert.
450 Millionen Franken will Sunrise dazu verwenden, Schulden abzubauen, so die Mitteilung von heute. Damit soll auch die finanzielle Position gestärkt werden, um in naher Zukunft ein Investment-Grade-Rating zu erreichen. Mit dem Schuldenabbau reduziert sich das Verhältnis von Nettoverschuldung zu bereinigtem EBITDA per Ende 2016 vom Faktor 2,7 auf 2,1. Das restliche Geld fliesse in den Netzausbau und in Glasfaser-Partnerschaften.
Die Sendemasten werden von Sunrise zurück gemietet. Man sei mit dem Konsortium einen Servicevertrag über 20 Jahre abgeschlossen, der um bis zu weitere 20 Jahre verlängert werden könne. Damit werde die Erbringung von Infrastruktur-Dienstleistungen für die Antennenmasten geregelt, hiess es. Finanzielle Angaben dazu wurden nicht gemacht. Wie Sunrise schon Anfang Jahr betonte, betrifft die Transaktion ausschliesslich die passive Infrastruktur, sprich Stahl und Beton. Die gesamte aktive Mobilnetzinfrastruktur verbleibt bei Sunrise. Man wolle sich darauf konzentrieren, die Qualität der Mobilfunkdienste für die Kunden noch weiter zu steigern. Insgesamt hat Sunrise 3600 Handyantennen.
Sunrise passt Prognose an
Von dem Deal profitieren auch die Aktionäre: Sunrise strebt nun eine Dividende von 3,90 bis 4,10 Franken pro Aktie an. Das sei eine Steigerung um 17 bis 23 Prozent gegenüber dem vergangenen Jahr.
Im Gegenzug senkt Sunrise die Ziele für den bereinigten Betriebsgewinn vor Abschreibungen und Amortisationen (EBITDA). Neu dürfte das operative Ergebnis zwischen 577 und 592 Millionen Franken für das Geschäftsjahr 2017 erreichen. Bisher hatte Sunrise 595 bis 610 Millionen Franken angepeilt. 2016 hatte das Unternehmen einen bereinigten Gewinn auf Stufe EBITDA von 611 Millionen Franken erzielt.
Einzigartig in der Schweiz
Mit der Transaktion betritt Sunrise Neuland in der Schweiz: Alle drei grossen Mobilfunkanbieter Swisscom, Sunrise und Salt besitzen ihre Antennenmasten bislang selber. Bei Swisscom und Salt ist ein solcher Verkauf gemäss früheren Angaben kein Thema.
In anderen Ländern gibt es den Trend zum Verkauf und Zurückleasen schon seit einigen Jahren. So hat etwa der französische Mobilfunkanbieter Bouygues im vergangenen Sommer mehrere hundert Masten in ländlichen Gebieten ebenfalls an die spanische Mobilfunknetzfirma Cellnex Telecom veräussert. Auch Telecom Italia, die spanische Telefonica, die niederländische KPN oder die in Moskau gegründete Vimpelcom haben einen Mastenverkauf evaluiert oder durchgeführt. (kjo/sda)

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