Telekom-Mitarbeiter beschliessen Streik

10. Mai 2007, 12:14
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Gewerkschaftsmitglieder fast geschlossen für Arbeitskampf: Bei der Deutschen Telekom stehen die Zeichen auf Sturm.

Gewerkschaftsmitglieder fast geschlossen für Arbeitskampf: Bei der Deutschen Telekom stehen die Zeichen auf Sturm.
Die Gewerkschaft Ver.di hatte seine Mitglieder unter den Angestellten der Deutschen Telekom Anfang dieser Woche zu einer Urabstimmung aufgerufen. Nun wurde das Ergebnis bekannt gegeben: 96,5 Prozent der rund 18'000 Telekom-Mitarbeitenden, die an der Abstimmung teilnahmen, sind für den Streik. Wie Lothar Schröder, der für Ver.di im Vorfeld die Verhandlungen mit der Geschäftsleitung führte, erklärte, sollen die Streiks schon morgen beginnen. Erwartet wird, dass anfänglich etwa 10'000 Mitarbeitende, vor allem in westdeutschland, die Arbeit niederlegen werden.
Der Hintergrund des Konflikts ist die von der Telekom-Führung geplante Auslagerung von rund 50'000 Telekom-Mitarbeitern in eigenständige "T-Service"-Gesellschaften. Diese Auslagerung wäre für die Betroffenen mit Lohnkürzungen und längeren Arbeitszeiten verbunden. Die Unternehmensleitung stellt sich auf den Standpunkt, dass dies die einzige Möglichkeit sei, um konkurrenzfähig zu bleiben, ohne noch mehr Stellen abbauen zu müssen.
Leidet das Internet?
Der Streik dürfte also vor allem den Service-Bereich betreffen: Neben Call-Centern und Kundendienst betrifft dies zum Beispiel auch den Netzwerkunterhalt. Dies hat bei einigen Beobachtern zu Befürchtungen geführt, ein Streik könnte das Funktionieren des Internets in Deutschland und als Folge davon eventuell auch international beinträchtigen.
Kraftprobe für Obermann
Die Gewerkschaft hatte die Tarifverhandlungen am letzten Samstag nach fünf Verhandlungsrunden für gescheitert erklärt. Die Telekom, so Ver.di, habe alle Vorschläge der Gewerkschaften, um die Folgen der Auslagerung für die Beschäftigten abzufedern, "mit ihren maßlosen Forderungen und inakzeptablem Verhalten vom Tisch gewischt". Die Belegschaft, so ein Gewerkschaftsvertreter heute, sei nun "stinksauer, wütend, empört".
Telekom-Chef René Obermann hatte dagegen die Gewerkschaften noch vor kurzem dazu aufgefordert, die Verhandlungen wieder aufzunehmen. Ein streik, so Obermann, nütze letztlich niemandem. Obermann hat sein Amt erst im letzten November angetreten - der Streik wird für ihn die erste grosse Kraftprobe in seiner Amtszeit sein und mit darüber entscheiden, ob er seine Strategie durchdrücken kann. Falls nicht, spekulieren einige deutsche Industriebeobachter, könnte die Ära Obermann auch schnell wieder vorbei sein. (Hans Jörg Maron)

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