Toshiba fordert Schadens­ersatz von Western Digital

28. Juni 2017, 12:52
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Der japanische Konzern Toshiba kommt beim Verkauf seiner Chipsparte noch weiter ins stocken.

Der japanische Konzern Toshiba kommt beim Verkauf seiner Chipsparte noch weiter ins stocken. Statt den Aktionären an der Hauptversammlung am Mittwoch wie zugesagt einen besiegelten Deal zu präsentieren, kann sich die Toshiba-Führungsriege nur für eine weitere Verzögerung entschuldigen. Wann die dringend benötigten Milliarden aus der Veräusserung des weltweit zweitgrössten Herstellers von Speicherchips nun fliessen werden, scheint offen.
Zwar will Toshiba den Verkauf seiner boomenden Chip-Einheit mit einer Milliarden-Klage gegen den US-Partner Western Digital doch noch durchboxen. Für Verzögerungen sorgen aber auch Differenzen innerhalb der ausgewählten Bietergruppe. Zu dieser gehören die beiden staatlich unterstützten Investmentfonds Innovation Network Corp of Japan und Development Bank of Japan, der US-Finanzinvestor Bain Capital und der südkoreanische Halbleiter-Spezialist SK Hynix.
"Es braucht Zeit, um die Meinungsverschiedenheiten unter den Mitgliedern des Konsortiums zu beheben", sagte Toshiba-Chef Satoshi Tsunakawa. Eine Einigung mit dem Konsortium solle aber "so schnell wie möglich" erfolgen. Ziel sei, den Verkauf bis zum Ende des Geschäftsjahres im kommenden März unter Dach und Fach zu haben.
Western Digital stellt sich in die Quere
Gegen eine schnelle Einigung spricht der eskalierte Streit zwischen Toshiba und seinem US-Partner Western Digital, mit dem die Japaner das wichtigste Chip-Werk gemeinsam betreiben. Die Amerikaner sind der Ansicht, dass ein Verkauf ihre Zustimmung voraussetzt. Der US-Konzern versucht, mit einer in den USA eingereichten einstweiligen Verfügung eine Veräusserung zu blockieren.
Toshiba holt nun zum Gegenschlag aus und kündigt eine Klage gegen den US-Partner an, weil dieser den Verkaufsprozess störe. Toshiba fordert deshalb Schadenersatz von umgerechnet rund einer Milliarde Franken. Ausserdem soll das Tokyo District Court die von Western Digital eingereichte Verfügung suspendieren.
Die ins Schaufenster gestellte Chipsparte hat Interessenten aus aller Welt auf den Plan gerufen. In letzter Minute legte Western Digital zudem am Dienstag erneut ein Gebot für die Chip-Einheit vor. Toshiba will mit dem Verkauf umgerechnet mindestens 17 Milliarden Franken einnehmen. (kjo/sda)

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