"Unverantwortlicher Akteur": Tim Cook attackiert Mark Zuckerberg

29. Januar 2021, 15:18
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Der Streit zwischen Apple und Facebook eskaliert. "Datenmissbrauch" unterstellt Cook Zuckerberg. Der überlegt sich eine Kartellklage.

Stufe für Stufe erhitzten sich in dieser Woche die Gemüter von Apple-Chef Tim Cook und Facebook-Gründer Mark Zuckerberg. Zwar beharken sich die beiden Konzerne schon lange immer wieder, doch nun spitzt sich der Streit zu. Auslöser für die neusten Runden im verbalen Boxring ist die Ankündigung von Apple, ein "App Tracking Transparency"-Framework (ATT) einzusetzen.
Apple will Nutzern demnächst mit ATT neue Möglichkeiten geben, die Datensammlung auf iPhones einzuschränken. Sie würden damit leichter verhindern können, dass Apps und Werbedienste Informationen über ihr Verhalten über die Grenzen einzelner Anwendungen und Websites hinweg sammeln. Apples Plan ist, dass jede App die Nutzer für den Zugriff um Erlaubnis fragen muss.
Während Google ankündigte, künftig auf die Nutzung der Werbe-ID und diverser anderer Tracker bei all seinen iOS-Apps zu verzichten, muckt Facebook auf. Schliesslich ist gezielte Werbung ein Eckpfeiler in dessen Geschäft. Facebook hatte schon in den vergangenen Monaten kritisiert, schlechtere personalisierte Werbung würde vor allem kleinen und mittleren Unternehmen schaden.
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Mark Zuckerberg.

"Apple ist unser grösster Konkurrent"

Am Mittwoch legte Zuckerberg bei seiner Kritik noch eine Schippe drauf. "Apple mag behaupten, dass sie es (ATT) tun, um den Leuten zu helfen – aber ihre Schritte folgen klar ihren Wettbewerbsinteressen", sagte der Facebook-Chef in einer Telefonkonferenz mit Analysten. "Ich möchte betonen, dass wir Apple verstärkt als einen unserer grössten Konkurrenten sehen."
Speziell schoss sich Zuckerberg auf Apples Chatdienst iMessage ein, der mit Facebooks Angeboten Whatsapp und Messenger konkurriert. Der Apple-Service sei auf allen iPhones vorinstalliert und werde dort bevorzugt, kritisierte er. Zudem griff er Apples Haltung beim Datenschutz an. Apple speichere standardmässig iMessage-Backups ohne Ende-zu-Ende-Verschlüsselung auf seinen Servern, wenn man den iCloud-Dienst nicht ausschalte.
Dass Whatsapp seinerseits in den letzten Wochen wegen neu veröffentlichten Datenschutz-Regeln in die Kritik geraten ist und eine Abwanderungswelle von Nutzern zu Konkurrenten wie Signal, Telegram oder Threema eingesetzt hat – darauf ging Zuckerberg nicht ein. Telegram hat mittlerweile angekündigt, an einem Tool zu arbeiten, das Nutzern die Mitnahme ihrer Whatsapp-Chatverläufe ermöglichen soll.

"Irreführung von Nutzern, Ausbeutung von Daten"

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Tim Cook.
Tim Cook schlug am Donnerstag an einer Online-Konferenz zurück und griff Facebook – ohne das Unternehmen direkt zu nennen – als "unverantwortlichen Akteur" an. "Wenn ein Geschäft auf der Irreführung von Nutzern, auf der Ausbeutung von Daten, auf Wahlmöglichkeiten, die gar keine Wahlmöglichkeiten sind, aufgebaut ist, dann verdient es nicht unser Lob. Es verdient eine Reform", sagte Cook. Privatsphäre sei eines der wichtigsten Themen dieses Jahrhunderts.
Facebook hat bis jetzt nicht öffentlich auf Cooks Kommentare reagiert, bereitet aber offenbar schon die nächste Offensive vor. Laut 'The Information' plant Facebook eine Kartellklage gegen Apple, mit dem Argument, dass das Unternehmen gegen US-Gesetze verstösst, indem es von unabhängigen Entwicklern verlangt, Regeln zu befolgen, an die sich Apple selbst nicht halten muss.
Ob es zu dieser Kartellklage wirklich kommt, scheint derzeit aber noch offen zu sein. So soll vor allem Mark Zuckerberg diese Variante forcieren, während andere Facebook-Mitarbeiter davor warnen, dass man hier angesichts der Diskussionen um Datenschutz und Privatsphäre eigentlich nur verlieren könne. Die Runde 12 im Boxkampf der Giganten ist also noch längst nicht erreicht.

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