Verfehlter Optimismus bei Mobilfunkern?

24. November 2005, 15:28
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Das britische Marktforschungsinstitut Informa Telecoms & Media führt jährlich eine Studie zur Befindlichkeit der europäischen Mobiltelefonieanbieter durch, für die jeweils über 1000 leitende Angestellte aus der Branche befragt werden.

Das britische Marktforschungsinstitut Informa Telecoms & Media führt jährlich eine Studie zur Befindlichkeit der europäischen Mobiltelefonieanbieter durch, für die jeweils über 1000 leitende Angestellte aus der Branche befragt werden. Die diesjährige Ausgabe scheint dabei seltsam zwiespältig: Die Branche ist insgesamt optimistisch, die Marktforscher aber warnen vor grossen und potentiell gefährlichen Veränderungen im Markt, welche auf die Branche zukommen.
68 Prozent der in der Studie befragten Mobilfunkprofis erklärten, sie seien nun zuversichtlicher über die Aussichten der Industrie 2006 als vor einem Jahr. Gleichzeitig sehen aber auch sie negative Tendenzen. 84 Prozent glauben zum Beispiel, dass die Preise für die reine Handy-Telefonie um bis zu einem Viertel fallen werden und 49 Prozent erwarten, dass sich die Wechselrate unter den Kunden erhöhen wird.
Die Experten von Informa identifizieren noch einige weitere Veränderungen, welche die Anbieter ihrer Meinung nach an einen "Scheideweg" bringen werden. So erwarten sie zum Beispiel von Unternehmen, die auch Festnetze betreiben, wie France Telecom, Telecom Italia, BT oder NTT "verzweifelte" Massnahmen, um ihr Festnetzbusiness zu retten. Darunter "Quadruple-Play"-Pakete (Festtnetz- und Mobiltelefonie sowie Internet und TV) welche mobiles Telefonieren von vielen Orten aus zum Festnetztarif beinhalten würden.
Auch VoIP, so Informa, werde nächstes Jahr zum ersten Mal nach den Festnetzbetreibern auch den Mobiltelefonieanbietern ein grösseres Stück von Geschäft wegnehmen. Von den Studienteilnehmern sahen allerdings nur 30 Prozent VoIP als Gefahr für ihr Business.
Dazu kommen weitere nicht unbedingt negative Veränderungen, auf welche die Anbieter aber zumindest werden reagieren müssen. So glaubt Informa, dass sich ab dem nächsten Jahr die Zahl der "virtuellen" Anbieter, die kein eigenes Netz betreiben, erhöhen wird (Aktuelle Schweizer Beispiele sind unter anderem Migros und Coop). Traditionelle Netzbetreiber sollten daher eine Partnerstrategie aufbauen.
Ausserdem, so Informa, haben sich die bisherigen Versuche, direkt aus Inhalten zusätzliche Einkünfte zu erzielen, weitgehend als Fehlschlag erwiesen. Die Mobilfunker sollten daher nicht mehr versuchen, sich direkt an den Einkünften der Inhaltsanbieter zu beteiligen. Vielversprechender wäre es gemäss Informa, sich auf Zusatzeinkünfte durch den vermehrten Datenverkehr sowie Services für die Inhaltsanbieter bei der Verrechnung zu konzentrieren. (hjm)

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