Viel Interesse an digitalem Euro

12. Januar 2021, 09:25
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Mitte 2021 will die EZB entscheiden, ob sie das Projekt eines digitalen Euros weiterverfolgt. Noch läuft eine öffentliche Befragung.

Eine öffentliche Befragung der Europäischen Zentralbank (EZB) zu einem digitalen Euro stösst nach Angaben der Notenbank auf grosses Interesse. Bis inklusive heute, 12. Januar 2021 konnten sich Bürgerinnen und Bürger, Fachleute aus Wissenschaft und Finanzsektor sowie Behördenvertreter zum Für und Wider einer digitalen Gemeinschaftswährung äussern.
Die Befragung läuft seit dem 12. Oktober. Auf Basis der Konsultationsergebnisse und weiterer interner Arbeiten will die Notenbank dann gegen Mitte 2021 eine Grundsatzentscheidung dazu treffen, ob das Projekt eines digitalen Euros weiterverfolgt wird.
Ausdrücklich nicht das Ziel ist es, Schein und Münze abzuschaffen, wie die Währungshüter bei der Vorstellung des Vorhabens im Oktober versicherten: "In jedem Fall wird das Eurosystem auch weiterhin Bargeld ausgeben." Ein digitaler Euro würde die Auswahl an Zahlungsmitteln vergrössern.
Zugleich wäre ein digitaler Euro eine Antwort auf privatwirtschaftliche Initiativen wie Bitcoin oder das massgeblich von Facebook getragene Projekt Diem (zuvor: Libra). Der grosse Unterschied: Im Gegensatz zu anderen Kryptowährungen stünde ein digitaler Euro unter Aufsicht einer Zentralbank, die die Stabilität der Währung sichert. 
Auch andere Notenbanken rund um den Globus beschäftigen sich mit digitalem Zentralbankgeld – und sind zum Teil schon deutlich weiter als das Eurosystem. Vergleichsweise weit vorangeschritten ist in Europa das Projekt E-Krona der schwedischen Zentralbank. China arbeitet schon länger an der digitalen Variante seiner Währung Renminbi.
"Europa darf bei digitalen Währungen nicht abgehängt werden. Wir müssen das Tempo erhöhen, wenn wir den Vorsprung aufholen wollen, den andere bereits haben", sagt Patrick Hansen, Bereichsleiter Blockchain beim Branchenverband Bitkom. Dieser spricht sich in einer Mitteilung für einen digitalen Euro aus, der den bestehenden Finanzsektor ergänzen könnte.

"Der digitale Euro ist riskant"

Ein digitaler Euro könnte es Privatleuten erlauben, Geld direkt bei der Zentralbank zu hinterlegen. Diese Möglichkeit steht normalerweise nur gewerblichen Kreditgebern wie Banken, Regierungen und anderen Zentralbanken offen. Einige Experten sehen jedoch die Gefahr, dass dann in Krisenzeiten Bankkunden ihre Ersparnisse fluchtartig von kommerziellen Banken abziehen und Notlagen so verstärken würden.
"Der digitale Euro ist riskant", schreibt Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer in einer vor wenigen Tagen veröffentlichten Analyse. Nach seiner Einschätzung könnte die EZB zum Beispiel digitales Zentralbankgeld anders als Bargeld mit einem Strafzins versehen "und so auf den Finanzmärkten noch tiefere Negativzinsen durchsetzen". Auch der Datenschutz sei ein kritisches Thema, weil sich Bewegungen des digitalen Euros anders als die von Bargeld aufzeichnen liessen.
Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat  Versuche mit einem eigenen Digitalgeld nach eigenen Angaben erfolgreich abgeschlossen. Getestet wurde der Einsatz von digitalem Zentralbankgeld auf der Handelsplattform der geplanten Digitalbörse SDX. Dabei ging es allerdings um eine auf Finanzinstitute beschränkte "Wholesale"-Währung, nicht aber um eine allgemein benutzbare "Retail"-Digitalwährung. 

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