Wie Helsana seine Daten sichert

27. September 2011, 14:21
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Helsana hat es "gewagt", Fujitsu als Lieferant seiner neuen virtuellen Tape Libraries zu wählen. Der Versicherungskonzern kann nun Mainframe- und Nicht-Mainframe-Applikationen auf einer VTL sichern. Für die Endsicherung bleibt Helsana beim Tape.

Helsana hat es "gewagt", Fujitsu als Lieferant seiner neuen virtuellen Tape Libraries zu wählen. Der Versicherungskonzern kann nun Mainframe- und Nicht-Mainframe-Applikationen auf einer VTL sichern. Für die Endsicherung bleibt Helsana beim Tape.
Helsana hat in diesem Jahr seine Backup- und Archivierungshardware in einem sechsmonatigen Projekt komplett erneuert. Drei Monate dauerte das Engineering und der Aufbau der neuen Umgebung, und weitere drei Monate die Datenmigration. Für den grössten Schweizer Kranken- und Unfallversicherer, der Daten von rund 1,9 Millionen Versicherten verwaltet, ein nicht gerade unwichtiges Projekt. Das Storageteam musste rund 900 Systeme, 400 Millionen Objekte und insgesamt 900 Terabyte an Daten migrieren. Zusammen mit Vertretern des neuen Lieferanten Fujitsu stellten Urs Häringer, Leiter Technology Management, und Storage-Ingenieur Stefan Schneider das neue System letzte Woche der Presse vor.
Die Gründe für die Migration waren einleuchtend: Die Datenmenge steigt auch bei Helsana kontinuierlich an, die Leistung der Komponenten reichte nicht mehr aus, Datensicherungen und –wiederherstellungen dauerten sehr lange, und die Infrastruktur hatte schlicht das Ende ihres Lebenszyklus erreicht. Vom neuen System erwartete man neben der wieder adäquaten Leistung unter anderem tiefere Kosten durch eine Reduktion der operativen Aufwände und Wartungskosten, eine hohe Skalierbarkeit und verbesserte Disaster-Recovery-Werte. Die Vorgabe, die laut den Helsana-Leuten mit dem Projekt erfüllt werden konnte, war vier Stunden maximale Recovery-Zeit bei Null Datenverlust, und ein vermehrter "aktiv-aktiv"- statt "aktiv-passiv"-Betrieb der beiden Rechenzentren.
Tapes bleiben
Wie schon bisher sichert Helsana auch neu gleichzeitig in zwei getrennten Rechenzentren, zuerst auf Disks und danach weiterhin auf Tapes. Bei letzteren hat sich nicht so viel geändert. Die Taperoboter stammen wie bisher von IBM, die beiden neuen Scalar i6000 mit je 6 LTO-5-Laufwerken brauchen aber wesentlich weniger Stellfläche in den RZs als die alten Taperoboter, laut Schneider ein wichtiges Kriterium für Helsana.
Bisher wurden nur die Daten aus den Mainframe-Applikationen zuerst auf diskbasierten Virtuellen Tape Libraries (VTLs) gesichert, die Daten von Systemen aus der "offenen Welt" dagegen laut Schneider im Prinzip nur "auf ein paar Disks", bevor sie auf den Tapes landeten. Letzteres bewirkte, dass aus Platz- und Leistungsgründen ein extrem starrer, unflexibler Backup-Fahrplan eingehalten werden musste.
"Wagnis" Fujitsu
Als Lieferant von zwei neuen VTLs (Eternus CS2000), die jetzt beide Welten vereinen, kam nun Fujitsu zum Zug – trotz des eigentlich gestandenen Namens für den Schweizer Versicherer ein zumindest gefühltes "Wagnis", wie Häringer und Scheider einige Male antönten. Fujitsu ist im Storage-Bereich zwar in Deutschland ein grosser Name, in der Schweiz bei Grossunternehmen aber noch kaum verbreitet. Deshalb fragte man sich in der Helsana-IT, so Häringer, beispielsweise ob der neue Partner auch genug Experten zur Verfügung stellen und ob man selbst die Projektziele ohne eigene Produktkenntnisse erreichen könnte. Zudem beinhaltete die von Fujitsu vorgeschlagene Lösung einige Komponenten, die noch nie zusammen genutzt worden sind, zum Beispiel Tivoli Storage Manager 6.2 auf Linux.
Helsana ist in Sachen IT, so Häringer, eigentlich lieber "Follower" als Pionier. Nach dem Projekt sind Schneider und Häringer nun aber voll des Lobes für den neuen Partner (sonst hätte Fujitsu den Presseanlass wohl auch kaum organisiert): Experten aus der Schweiz und Deutschland seien immer verfügbar gewesen, diese hätten zudem einen direkten Draht ins Produkteengineering gehabt und das Fujitsu-Projektportal habe die Effizienz und Zusammenarbeit vereinfacht. Über den Mangel an eigenen Produktkenntnissen half der Beizug des Zücher Storage-Spezialisten In&work als Consulter hinweg.
Investitionsschutz für Mainframe-Absprung
Durch die Sicherung von Mainframe-Daten (über den Mainframe-Storage-Manager) und Daten aus offenen Systemen (über Tivoli Storage Manager) auf den gleichen VTLs hofft Helsana auf Investitionsschutz, wenn man sich wie angestrebt immer mehr von Mainframe-Applikationen verabschiedet. (Wenn die Menge der verbliebenen Mainframe-Applikationen eine bestimmte Schwelle unterschreitet, denkt Helsana übrigens auch an eine Auslagerung des Mainframe-Betriebs.) Die neuen VTLs können dann einfach "umgenutzt" werden.
Die neuen VTLs bieten je 256 virtuelle Tape-Laufwerke, wobei 64 über FICON angebunden für die Mainframewelt reserviert sind, 128 über Fibre Channel für offene Systeme und 64 von beiden genützt werden. Daten werden jeweils in nur eines der beiden RZs bzw. eine der beiden VTLs gesichert. Für die Synchronisierung der beiden CS2000 in den beiden RZs sorgt ein Fujitsu-eigenes System namens "Kaskade", ohne dass die eigentliche Backup-Software involviert ist.
Generelle Erkenntnisse
Eine wohl allgemeingültige Lehre, die man aus dem absolvierten Projekt gewonnen habe, so erklärten die beiden IT-Experten der Helsana, sei, dass erste Designvorschläge kritisch hinterfragt und dass Disaster-Recovery-Anforderungen eine Lösungsarchitektur stark prägen können. So lautete der Designvorschlag zuerst, nur 32 virtuelle Tapelaufverke und je einen Controller in den VTLs einzusetzen. Nun sind es 512 virtuelle Laufwerke und je drei Controller geworden, damit die angestrebte Leistung erreicht werden konnte. Die Kaskade habe dabei die Anzahl der gleichzeitig nutzbaren virtuellen Laufwerke verdoppelt, gleichzeitig aber auch die Komplexität verfielfacht.
Die Steuerung der VTLs erfolgt neu über IP-Netz, womit dieses nun auch zu einem wichtigen Faktor bei der Stabilität der Datensicherung geworden ist, so eine weitere Erkenntnis. Und nicht zuletzt sei es für die Umsetzung eines solchen Projekts unabdingbar, Experten zur Verfügung zu haben, die bereits Implementationen durchgeführt sowie Betriebserfahrung haben. (Hans Jörg Maron)
(Illustration: Helsana)

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