Prantl behauptet: KI ist schon sehr nah, und doch noch so fern

19. Dezember 2022, 13:49
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Was ChatGPT schon kann und was noch fehlt: Unser Kolumnist Urs Prantl schreibt, warum sich die KI hervorragend für politische Reden eignet, nicht aber für seine Kolumne.

Für einmal lasse ich meine Kolumne (zur Hauptsache) von jemand anderem – dem KI-Chatbot ChatGPT – für mich schreiben. Da es sich bei ChatGPT um einen Schreibroboter auf der Basis von künstlicher Intelligenz handelt, mache ich auch gleich das zum Thema. Gleichzeitig knüpfe ich an meine Kolumne vom Januar 2017 "Uns werden mit der Digitalisierung die Jobs ausgehen" an und nutze die einmalige Gelegenheit, nach einer "intelligenten" Antwort auf meine damals aufgeworfene These zu forschen.
Dabei entstand zwischen mir und ChatGPT folgender Dialog:
Was halten Sie von der These: Künstliche Intelligenz hat das Potenzial 80 bis 100% aller Jobs zu ersetzen?
Es ist schwierig, genau vorherzusagen, wie Künstliche Intelligenz (KI) die Arbeitswelt in Zukunft beeinflussen wird und ob sie das Potenzial hat, 80 bis 100% aller Jobs zu ersetzen. KI hat das Potenzial, bestimmte Arbeitsprozesse zu automatisieren und Effizienz zu steigern, was dazu beitragen kann, dass manche Arbeitsplätze obsolet werden. Allerdings ist es unwahrscheinlich, dass KI in der Lage sein wird, alle Arbeitsplätze zu ersetzen, da es viele Aufgaben gibt, die nicht vollständig automatisiert werden können und die menschliche Kreativität, Empathie und soziale Interaktion erfordern.
Es ist wichtig, dass die Auswirkungen von KI fair und sozial verantwortungsvoll gestaltet werden und dass alle Menschen die Möglichkeit haben, sich weiterzubilden und an der Arbeitswelt teilzuhaben. Auch die Entwicklung von neuen Arbeitsplätzen und die Unterstützung bei der Suche nach neuen Jobs können dazu beitragen, dass Menschen von den Veränderungen in der Arbeitswelt nicht negativ betroffen sind.
Wie erklären Sie das einem Buchhalter, der durch die in Kürze zu erwartende Automatisierung der Buchhaltung seinen Job verlieren wird, andererseits aber weder die Fähigkeiten, noch die Motivation besitzt, einen neuen Job mit Empathie und sozialer Interaktion zu suchen.
Es ist sicherlich nicht einfach, wenn man plötzlich damit konfrontiert wird, dass man seinen Job verlieren wird, insbesondere wenn man weder die Fähigkeiten noch die Motivation hat, sich um einen neuen Job zu bemühen. In einer solchen Situation ist es wichtig, Unterstützung und Beratung zu erhalten, um die nächsten Schritte zu planen und sich auf die Veränderungen einzustellen.
Es könnte sinnvoll sein, sich mit einem Berufsberater oder einem Karrierecoach zu treffen, um zu besprechen, welche Möglichkeiten es gibt und welche Schritte erfolgversprechend sein könnten. Es könnte auch sinnvoll sein, sich über Weiterbildungsmöglichkeiten zu informieren, um die Fähigkeiten auf den aktuellen Stand zu bringen und sich für neue Jobperspektiven zu qualifizieren.
Es ist wichtig, dass der Buchhalter sich in einer solchen Situation nicht entmutigen lässt und dass er sich bewusst macht, dass es immer Möglichkeiten gibt, sich weiterzuentwickeln und neue Ziele zu setzen. Auch wenn der neue Job vielleicht nicht genau das ist, was man sich vorgestellt hat, kann es durchaus sein, dass man durch die Veränderung neue Perspektiven und Chancen entdeckt.
Ihre Antwort ist so generisch, allgemein und unverbindlich, dass der Buchhalter damit nichts wird anfangen können.
Es tut mir leid, wenn meine Antwort nicht spezifisch genug für Ihre Frage war. Jede Situation ist natürlich individuell und es gibt keine pauschale Antwort, die für jeden gültig ist.
Es ist sicherlich schwierig, wenn man plötzlich damit konfrontiert wird, dass man seinen Job verlieren wird, insbesondere wenn man weder die Fähigkeiten noch die Motivation hat, sich um einen neuen Job zu bemühen. In einer solchen Situation kann es hilfreich sein, sich mit einem Berufsberater oder einem Karrierecoach zu treffen, um die individuellen Möglichkeiten und Herausforderungen zu besprechen und gemeinsam einen Plan zu entwickeln. Es könnte auch sinnvoll sein, sich über Weiterbildungsmöglichkeiten zu informieren, um die Fähigkeiten auf den aktuellen Stand zu bringen und sich für neue Jobperspektiven zu qualifizieren.
Es ist wichtig, dass der Buchhalter in dieser Situation nicht entmutigt wird und dass er sich bewusst macht, dass es immer Möglichkeiten gibt, sich weiterzuentwickeln und neue Ziele zu setzen. Auch wenn der neue Job vielleicht nicht genau das ist, was man sich vorgestellt hat, kann es durchaus sein, dass man durch die Veränderung neue Perspektiven und Chancen entdeckt. Ich hoffe, dass diese Antwort etwas hilfreicher ist.
Leider Nein! Auch diese Antwort ist nur leeres Geschwafel und hilft dem Buchhalter nicht. Für die Jobs, die die KI übriglassen wird, wie Krankenpfleger, Schreinerinnen, Softwareentwickler oder Unternehmensberaterinnen ist er leider weder dazu geeignet, noch hat er Spass daran.
Es tut mir leid, wenn meine vorherigen Antworten Ihnen nicht weitergeholfen haben. Ich verstehe, dass es schwierig sein kann, wenn man plötzlich damit konfrontiert wird, dass man seinen Job verlieren wird und weder die Fähigkeiten noch die Motivation hat, sich um einen neuen Job zu bemühen.
In einer solchen Situation kann es hilfreich sein, sich an professionelle Berater oder Coachs zu wenden, die individuell auf die Bedürfnisse und die Perspektiven des Buchhalters eingehen können. Sie können ihm dabei helfen, seine Stärken und Fähigkeiten zu erkennen und sich über Weiterbildungsmöglichkeiten und Jobperspektiven zu informieren, die für ihn in Frage kommen könnten.
Es ist wichtig, dass der Buchhalter in dieser Situation nicht entmutigt wird und dass er sich bewusst macht, dass es immer Möglichkeiten gibt, sich weiterzuentwickeln und neue Ziele zu setzen. Auch wenn der neue Job vielleicht nicht genau das ist, was man sich vorgestellt hat, kann es durchaus sein, dass man durch die Veränderung neue Perspektiven und Chancen entdeckt. Ich hoffe, dass diese Antwort etwas hilfreicher ist.
Ich präzisiere: Der Buchhalter WILL arbeiten und WILL sich auch um einen neuen Job bemühen. Die KI hat aber leider keine Jobs übriggelassen, die seinen Fähigkeiten entsprechen. Und die Jobs, die es noch gibt, verlangen ein Profil, für das ihm die (emotionale) Intelligenz fehlt.
Es tut mir leid, dass der Buchhalter in dieser schwierigen Situation ist und dass es schwierig für ihn ist, einen neuen Job zu finden, der seinen Fähigkeiten entspricht.
In einer solchen Situation kann es sinnvoll sein, sich an professionelle Berater oder Coachs zu wenden, die individuell auf die Bedürfnisse und die Perspektiven des Buchhalters eingehen können. Sie können ihm dabei helfen, seine Stärken und Fähigkeiten zu erkennen und sich über Weiterbildungsmöglichkeiten und Jobperspektiven zu informieren, die für ihn in Frage kommen könnten. Es könnte auch hilfreich sein, sich über finanzielle Unterstützungsmöglichkeiten wie etwa Bildungsgutscheine oder berufsbezogene Förderungen zu informieren, die ihm bei der Weiterbildung helfen können.
An dieser Stelle brach ich den Dialog mit ChatGPT ab.
Mir schien, die KI begann sich ab meinen penetranten Fragen zu nerven, zumal ihre Antworten nichts wirklich Neues mehr brachten und sich inhaltlich nur noch wiederholten.
Was habe ich aus diesem (wahrscheinlich sehr typischen) Dialog gelernt?
  • Die KI schreibt stilistisch und grammatikalisch einwandfreie Sätze.
  • Die KI schreibt keinen offensichtlichen Nonsens.
  • Die KI ist so "clever", dass sie ihre Erklärungen von verschiedenen Seiten her versucht zu argumentieren und eine gewisse Varianz beherrscht.
  • Die KI hat jedoch eine vorgefertigte "Meinung" über ihre eigenen Auswirkungen auf den künftigen Arbeitsmarkt und wiederholt diese gebetsmühlenartig. Mit der wirklich kritischen Frage, "was soll der arbeitslose Buchhalter machen, wenn es für ihn keine Jobs mehr gibt, die er kann und will?" setzt sie sich nicht auseinander. Da verfängt sie sich in Ausflüchte und redet um den heissen Brei herum.
Daraus ziehe ich zwei Schlussfolgerungen:
  1. Eine "intelligente" Antwort auf meine These von Januar 2017 habe ich keine bekommen. Die Antwort ist aber auch nicht völlig unbrauchbar und könnte problemlos aus dem Mund vieler Politiker stammen. Diese argumentieren allerdings nicht mangels eigener Intelligenz wie die KI, sondern primär vor dem Hintergrund, dass sie ihre Wählerinnen und Wähler nicht erschrecken wollen. Daraus schliesse ich, ChatGPT eignet sich bereits heute hervorragend für das Verfassen von politischen Reden.
  2. Zweitens habe ich gelernt, dass die KI (noch) nicht dazu in der Lage ist, meine Kolumne zu schreiben. Da werde ich wohl noch einige Zeit selbst in die Tasten greifen müssen.
Und weiter habe ich aus dem hervorragenden Leitartikel der NZZ vom letzten Samstag "Was bleibt dem Menschen?" bestätigt bekommen, was ich 2017 bereits schrieb. Dass nun definitiv die Zeit gekommen ist, sich mit KI zu beschäftigen und dieses Werkzeug auszuprobieren. Was ich hiermit getan habe.
Ich wünsche euch allen frohe Festtage und einen guten Rutsch ins neue Jahr 2023!
Urs Prantl war über 20 Jahre als Softwareunternehmer tätig. Seit 2012 begleitet er IT- und Software-Unternehmen auf ihrem Weg zu nachhaltig gesundem Wachstum und ist als M&A-Transaktionsberater in Nachfolgesituationen tätig. Er äussert als Kolumnist für inside-it.ch seine persönliche Meinung.

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