Anfang Juli 2025 erlitt Ingram Micro einen Cyberangriff. Unter anderem wurden die Website und die Bestellsysteme lahmgelegt. Der IT-Distributor war zwar kurze Zeit später wieder funktionsfähig, doch vorerst blieb unklar, wie gross ein möglicher Datenabfluss sein könnte.
Zum Angriff bekannte sich die Ransomware-Bande Safepay. Sie behauptete, 3,5 Terabyte an Daten gestohlen zu haben, und stellte dem Unternehmen mehrere Ultimaten für eine Lösegeldzahlung. Im vergangenen August publizierten die Cyberkriminellen dann im Darkweb einen Verzeichnisbaum als Beweis ihrer Beute.
Kundendokumente aus der Schweiz
Wie ein Blick von inside-it.ch zeigte,
enthielt dieser Verzeichnisbaum auch zahlreiche Hinweise auf die Ländergesellschaft Ingram Micro Schweiz und deren hiesige Kunden. So befand sich dort ein Ordner "Supplier Finance Programs Switzerland". Ein weiterer, mit "CH" betitelter, enthielt Vereinbarungen mit mehreren Dutzend in der Schweiz tätigen PC-, Server- und weiteren IT-Herstellern, mit Distributoren, Consultants, Detailhändlern und IT-Dienstleistern. Anfragen dazu liess das Unternehmen damals unbeantwortet.
Doch von der Attacke und dem Datendiebstahl waren nicht nur Kunden mit ihren Geschäftsdokumenten betroffen. Wie Ingram Micro jetzt offiziell bestätigte, wurden Daten von über 42'000 Einzelpersonen offen gelegt. Dies geht aus einer "Data Breach Notification" bei der Generalstaatsanwaltschaft im US-Bundesstaat Maine hervor, über die zuerst
'Bleeping Computer' berichtete.
Amtliche Identifikationsnummern geleakt
Der Eingabe ist auch ein Schreiben beigefügt, welches Ingram Micro an Betroffene verschickt hat. Nach der Entdeckung des Vorfalls am 3. Juli 2025 habe man "umgehend eine Untersuchung zur Art und zum Umfang des Problems" eingeleitet, heisst es darin. Dabei wurde festgestellt, dass "bestimmte Dateien aus einigen internen Datei-Repositorys" entwendet wurden.
Diese Dateien seien sorgfältig geprüft worden. "Zu den betroffenen Dateien gehören Beschäftigungs- und Bewerberunterlagen, die personenbezogene Daten wie Name, Kontaktdaten, Geburtsdatum, amtliche Identifikationsnummern (z. B. Sozialversicherungsnummer, Führerscheinnummer und Passnummer) sowie bestimmte beschäftigungsbezogene Informationen (z. B. arbeitsbezogene Bewertungen) enthalten", schreibt Ingram Micro. Die Art der Daten könnten von Person zu Person variieren.
Diese Angaben deuten darauf hin, dass es sich bei der jetzt bekannt gegebenen Zahl von Betroffenen entweder um Mitarbeitende des Unternehmens handelt oder um Personen, die sich bei Ingram Micro um eine Stelle beworben haben. Weltweit beschäftigt der Distributor rund 24'000 Angestellte.