Der Schweizer Markt für Rechenzentren wächst weiter dynamisch, stösst laut einer aktuellen Analyse von CBRE jedoch zunehmend an infrastrukturelle Grenzen. Der Analyse nach beträgt die installierte Kapazität derzeit rund 340 Megawatt (MW) über 121 Standorte mit einer Geschossfläche von rund 428'000 Quadratmetern. Die installierte Leistung soll bis 2030 auf rund 626 MW steigen, so der Immobiliendienstleister CBRE (Coldwell Banker Richard Ellis).
Ein Grossteil der aktuellen Kapazität konzentriere sich auf die Region Zürich, die mit rund 61% der nationalen Leistung den mit Abstand grössten Markt darstelle. Auch künftig werde diese Position weiter ausgebaut: Bis 2030 erwartet CBRE einen Anstieg auf rund 483 MW, was einem Wachstum von rund 131% entspricht. Treiber dieser Entwicklung seien insbesondere Hyperscale-Cloud-Anbieter sowie KI-gestützte Anwendungen, die hohe Anforderungen an Latenz, Redundanz und Netzwerkinfrastruktur stellen.
Parallel dazu verstärke sich die räumliche Konzentration. Internationale Anbieter haben gemäss CBRE in der Region Zürich bereits mehrere redundante Verfügbarkeitszonen aufgebaut, wodurch sich die Funktion als nationaler und teilweise auch internationaler Knotenpunkt weiter festigt. Auch angrenzende Kantone wie Aargau und Schaffhausen würden zunehmend in die Standortentwicklung einbezogen.
Neben Zürich bleibt das Genferseebecken der wichtigste sekundäre Standort mit rund 18% der nationalen Kapazität. Dort dominieren der Analyse zufolge kleinere Colocation- und Unternehmensstandorte, während grössere Hyperscale-Entwicklungen weiterhin auf die Region Zürich konzentriert bleiben. Andere Regionen wachsen insgesamt langsamer. Insbesondere kleinere Standorte mit weniger als rund 15 bis 20 Megavoltampere (MVA) Leistung gelten für Hyperscaler zunehmend als kaum mehr wirtschaftlich skalierbar, wie es in der Analyse heisst.
Infrastruktur wird zum Engpassfaktor
Mit dem Wachstum verschiebt sich der Fokus laut CBRE zunehmend von reiner Standortverfügbarkeit hin zu Infrastrukturfragen. Entscheidend für zukünftige Entwicklungen seien insbesondere der Zugang zu Strom, die Verfügbarkeit von Wasser für Kühlzwecke sowie die technische Eignung für KI-Workloads. Gleichzeitig würden regulatorische Anforderungen und die zulässige Bebauungsdichte an Bedeutung gewinnen.
Laut Analyse dürften zudem sehr grosse KI-Trainingsworkloads aufgrund hoher Strom- und Baukosten kaum in der Schweiz angesiedelt werden. Stattdessen konzentriere sich die Nutzung zunehmend auf Anwendungen mit klaren Datenresidenz-Anforderungen sowie auf hybride Modelle zwischen lokaler und europäischer Cloud-Infrastruktur. Parallel dazu entstehen laut CBRE vermehrt Sovereign-Cloud-Angebote, die vollständig unter Schweizer Recht betrieben werden und auf die wachsende Bedeutung digitaler Souveränität reagieren.