Angesichts globaler wirtschaftlicher Unsicherheiten müssen SAP-Anwenderfirmen im deutschsprachigen Raum mit weniger Geld auskommen. Auch die ERP-Budgets sinken.
Die SAP-Anwenderunternehmen im deutschsprachigen Raum müssen im laufenden Jahr mit weniger IT-Budget auskommen als im vergangenen Jahr. Die IT-Verantwortlichen stellen parallel auch weniger Geld für die geschäftskritischen Informatiksysteme bereit. In die SAP-Lösungen wird weniger investiert als auch schon, ist ein Ergebnis des Investitionsreports der Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe (DSAG)
In Zahlen ausgedrückt heisst das: Bei 38% der Unternehmen steigt das IT-Gesamtbudget im Jahr 2026, vor zwei Jahren war das noch bei 43% der Fall. Gleich bleibt es bei 35% (2024: 36%) und bei 24% sinkt es (2024: 18%).
Bei den Investitionen in SAP lässt sich festhalten, dass bei 43% das Budget steigt (2024: 46%), bei 26% unverändert bleibt (2024: 32%) und bei 28% sinkt (2024: 19%).
Steigende Budgets berichten in beiden Fällen weniger als 50% der Firmenverantwortlichen. Damit überwiegen Stagnation und Rückgang bei sowohl den Informatikmitteln insgesamt als auch den Investitionen in die Business-Software. "Die Entwicklung der Budgets spiegelt den anhaltenden wirtschaftlichen Druck wider, unter dem viele Unternehmen stehen. Steigende Energiepreise, ein angespanntes Marktumfeld und geopolitische Unsicherheiten führen dazu, dass Investitionen kritischer hinterfragt und teilweise verschoben werden – auch im SAP-Umfeld", kommentiert der DSAG-Vorstandsvorsitzende Jens Hungershausen. Aus Sicht der Anwendergruppe investieren Unternehmen gezielter, ohne SAP grundsätzlich infrage zu stellen.
Wachablösung bei ERP-Software
Die DSAG hat für den Report genau 198 Unternehmensverantwortliche befragt, davon 12% aus der Schweiz. Als Absender fungierte in diesem Jahr wieder die DSAG selbst, nachdem SAP die Fragebögen im vergangenen Jahr versendet hatte. Da sich die Adressaten der zwei Aussendungen signifikant unterscheiden, nennt die DSAG die Umfrageresultate aus dem Jahr 2024 als Referenz.
Seit dem Jahr 2024 hat sich bei den Anwenderunternehmen viel getan. Erstmals setzt eine knappe Mehrheit (56%) die Version S/4Hana On-Premises (2024: 44%) ein, gefolgt von SAP ECC beziehungsweise der alten SAP Business Suite mit 54% (2024: 68%). Auch die Nutzung von S/4Hana Private Cloud erfährt einen leichten Zuwachs: So setzen 17% (2024: 11%) auf S/4Hana Private Cloud. 5% (2024: 6%) wählen S/4Hana Public Cloud.
Parallel entwickeln sich die Investitionsziele in den Firmen im deutschsprachigen Raum: In diesem Jahr planen 42% Investitionen in S/4Hana On-Premises, während 22% in die Private-Cloud-Variante und 6% in die Public-Cloud-Variante investieren wollen. Nur noch 10% wollen weiteres Geld für SAP ECC ausgeben. "Die vergleichsweise geringe Investitionsbereitschaft in die Public Cloud zeigt, dass hier aus Kundensicht noch funktionale Tiefe, Integrationsfähigkeit und verlässliche Rahmenbedingungen entscheidend sind. Wichtig bleibt die echte Wahlfreiheit zwischen den Betriebsmodellen bei klarer Roadmap und Planungssicherheit", so Hungershausen in einer Mitteilung.
Extended Maintenance als Option
Gerade einmal 10% der Firmen mit Investitionsplänen für SAP ECC hat die DSAG noch gesondert befragt. Fast die Hälfte gab an, die Umstellung auf S/4Hana bis Ende 2030 zu planen. Sie müssen mit einem Aufpreis für die Extended Maintenance rechnen. 37% wollen bis Ende 2027 umstellen, während 4% die Umstellung bis Ende 2033 anvisieren und somit planen, die SAP ERP Private Edition Transition Optionen zu nutzen.
Die DSAG nimmt die Nachzügler explizit in Schutz: "Dass einige Unternehmen den Umstieg auf S/4Hana erst bis 2030 planen, heisst nicht, dass sie bis dahin mit der Umstellung warten. Viel eher benötigen sie aufgrund der Komplexität ihrer Systemlandschaften diese Zeit einfach", sagt Hungershausen. "Das sehe ich als Ausdruck der Realität in den IT-Abteilungen. Auch Fachkräftemangel, parallele Transformationsprojekte und begrenzte Budgets führen dazu, dass Zeitpläne nach hinten geschoben werden – selbst, wenn dies höhere Wartungskosten zur Folge hat."
Investitionen nur für Mehrwert
DSAG-Fachvorstand Schweiz Markus Bierl. Foto: zVg
Markus Bierl, DSAG-Fachvorstand Schweiz, sagt beim Blick auf die Resultate der Umfrage: "Angesichts der weiterhin angespannten Weltmarktlage ist es nachvollziehbar, dass Unternehmen ihre Investitionen auf den Prüfstand stellen. Auf die Frage, wie stark bestimmte Herausforderungen ihre SAP-Investitionsentscheidungen beeinflussen, nennen jeweils 79% sowohl die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen als auch die Wirtschaftlichkeit von Investitionen in SAP-Software."
Für den Spezialist sendet das eine klare Botschaft an den Software-Konzern: "Transformationsprojekte bedeuten einen hohen Kosten- und Ressourcenaufwand. Will SAP seine Kunden auf neue Lösungen und in die Cloud führen, muss der Konzern überzeugende Anreize schaffen und einen schnellen, spürbaren Mehrwert bieten", so Bierl.