SAP will das "R" in ERP neu erfinden

25. Mai 2023 um 12:13
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Foto: Arno Senoner / Unsplash

Anwender sollen künftig nicht nur Finanzen und Inventar mit ihrem ERP überblicken können, sondern auch ihre CO₂-Bilanz – und zwar für jedes einzelne Produkt.

Seit Jahrzehnten bietet SAP mit seinen ERP-Systemen Lösungen für Unternehmen, um ihre Finanzen zu planen, auszuweisen und zu analysieren. Nun wollen die Walldorfer das "R" in "Enterprise Resource Planning" neu erfinden. Ziel sei es, dass Unternehmen nicht mehr nur ihre Finanz- und Warenströme überblicken, sondern auch ihre Kohlenstoffbilanz genau berechnen können.
"Bis 2030 müssen wir alle unsere Emissionen halbieren", sagte SAPs Strategie-Chef Sebastian Steinhäuser auf der Bühne der Kundenkonferenz Sapphire in Barcelona. Allerdings ist die Berechnung von CO2-Emissionen komplex. Für einen umfassenden Bericht sind die sogenannten Scope-3-Emissionen relevant. Diese Kategorie umfasst alle indirekten Emissionen, die ein Unternehmen nicht direkt kontrolliert, sprich jene, die in der Lieferkette entstehen. Etwa 80% der Emissionen eines Produkts seien Scope-3, erklärte Steinhäuser auf der Bühne.
Lösen will SAP die Herausforderung mit dem "Green Ledger". Dabei handelt es sich im Wesentlichen um eine Weiterentwicklung von "SAP Sustainability Footprint Management", mit dem sich Emissionsdaten über die Wertschöpfungskette hinweg verwalten lassen. Hinzu kommt der neue "Sustainability Data Exchange", der es Firmen erlaubt, Daten mit Lieferanten und Partnern auszutauschen. Es gehe darum, tatsächliche Daten verwenden zu können, statt der branchenüblichen Schätz- und Durchschnittswerte, führte der SAP-Manager aus.
Verfügbar werden sollen die Lösungen voraussichtlich noch dieses Jahr in der S/4-Hana-Cloud sowie in den Cloud-Initiativen "Rise" und "Grow with SAP".

Regulierung und Wettbewerbsvorteil

Es handle sich bei der Initiative um einen "echten Moonshot", so SAP-Strategiechef Steinhäuser im Gespräch mit Journalisten. Es gebe somit noch viel zu tun, schon allein was die Standardisierung von Reportings anbelange – über verschiedene Branchen und Länder hinweg. Aber das Ziel müsse sein, dass der CO2-Ausstoss eines Produkts genauso verlässlich berechnet werden könne, wie dessen Produktions- oder Lieferkosten.
"Es ist ein Prozess", merkte Steinhäuser an, "und auch nicht alle Kunden werden ihn mitgehen." Potenzial sieht er trotzdem. Nachfrage werde einerseits durch neue Regulierungen entstehen, Stichwort: ESG-Reporting. Ausserdem werde Nachhaltigkeit für Kunden auch immer mehr zu einem Wettbewerbsvorteil, insbesondere in energieintensiven Branchen.
Interessenbindung: Das Gespräch mit Sebastian Steinhäuser fand im Rahmen der SAP-Konferenz Sapphire in Barcelona statt, zu der die Autorin vom Hersteller eingeladen wurde (Flug, Unterkunft).

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