Bechtle Schweiz setzt auf digitale Souveränität

19. Juni 2026 um 09:02
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Foto: Christopher Politano / Unsplah

Der IT-Dienstleister sieht in digitaler Souveränität einen entscheidenden Faktor. Schweiz-Chef Martin Kull gab Einblicke in die Strategie.

Bechtle will in der Schweiz verstärkt auf das Thema digitale Souveränität fokussieren. "Für mich bedeutet digitale Souveränität keine Abschottung und auch kein Verzicht auf globale Innovation", sagte Martin Kull an einem Medienanlass in Zürich. "Im Gegenteil: Digitale Souveränität bedeutet, Kontrolle über die eigenen Daten und Systeme zu behalten und technologische Entscheidungen selbst zu bestimmen", so Kull, der seit Oktober die Gesamtleitung von Bechtle in der Schweiz innehat.
Wer seine Abhängigkeiten nicht kenne, könne sie auch nicht steuern. Wer keine Alternativen habe, sei nicht handlungsfähig. "Digitale Souveränität ist deshalb eine wichtige Voraussetzung für Resilienz, Innovationsfähigkeit und langfristige Wettbewerbsfähigkeit", betonte Kull.

Index für digitale Souveränität

In einem Standpunkte-Papier plädiert der IT-Dienstleister für mehr Transparenz über Daten, Technologien und digitale Risiken und eine aktive Souveränitäts-Strategie bei Entscheidern in der Schweiz. Geopolitische Spannungen, regulatorische Anforderungen, Cyberrisiken und die rasante Entwicklung von KI würden den Druck auf Organisationen erhöhen, ihre digitale Handlungsfähigkeit langfristig sicherzustellen.
Bechtle beschäftige sich seit mehreren Jahren intensiv mit der Frage, wie digitale Souveränität konkret bewertet und weiterentwickelt werden könne. Ein Ergebnis sei der 2025 vorgestellte "Bechtle Index of Sovereignty (BIoS)". Das softwaregestützte Assessment soll Datenhoheit, technologische Unabhängigkeit und Kompetenzen entlang der zentralen Geschäfts- und Verwaltungsprozesse analysieren. Organisationen würden dadurch Transparenz über bestehende Risiken und Abhängigkeiten sowie konkrete Ansatzpunkte für die Weiterentwicklung ihrer IT-Architektur erhalten.

Sichere Netzwerke

Ein weiterer Schritt soll die neue Partnerschaft mit der Schweizer Inalp Group sein. Ziel ist es laut Bechtle, "die hochsicheren Netzwerk-und Datenspeicherlösungen von Inalp in das Lösungsportfolio von Bechtle zu integrieren". Dadurch könne der Aufbau digital souveräner, sicherer und resilienter IT- und OT-Infrastrukturen für Unternehmen und öffentliche Auftraggeber gezielt vorangetrieben werden.
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Andreas Danuser.
Gründer von Inalp ist Andreas Danuser, Professor für Informatik an der Berner Fachhochschule. Er erklärte im Mediengespräch: "Wenn ich sage, ich möchte die Hoheit über meine Daten haben, dann heisst das auch, dass wir technische Massnahmen ergreifen müssen. Wir müssen Rechenzentren haben. Wir müssen sie auch in einer Qualität haben, dass wenn eine Bombe oder sonst etwas passiert, die Daten nicht weg sind, sondern gespiegelt sind."
Neben der Datenhoheit brauche es aber auch eine Netzwerkhoheit. "Sind die Netze immer verfügbar? Sind sie leistungsfähig genug?", fragte Danuser. "Und vor allem, können wir über die Netzübertragung genau sicherstellen, dass die Information, mit der wir beispielsweise einen Handlungsentscheid fällen, von der richtigen Quelle herkommt?" Hier sollen die Inalp-Lösungen für sichere Overlay-Netzwerke helfen.

"Echte souveräne Plattform"

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Martin Kull.
Bechtle arbeite aktuell auch an einer "echten souveränen Plattform", führte Martin Kull weiter aus. Dafür arbeite man beispielsweise mit dem Open-Source-Entwickler Vnclagoon in Zug zusammen oder mit der Berner Firma Swarmguard. Mit deren Produkt könne man ganze Netzwerke verschlüsseln und zwar so, dass keine ausländische Regierung mehr darauf zugreifen könne.
"Für Bechtle bilden Wahlfreiheit, Robustheit und Resilienz die zentralen Prinzipien einer souveränen IT-Architektur", heisst es im Standpunkte-Papier. Dazu würden Fragen der Datenhaltung ebenso gehören wie die Wahl von Plattformen, Sicherheitsarchitekturen, Betriebsmodellen oder Exit-Strategien. In diesem Themenfeld könne sich auch die Schweiz als vertrauenswürdiger Digitalstandort positionieren.
"Wir Europäer und damit auch die Schweiz müssen uns bewegen", sagte Kull. "Wir müssen unseren Teil beitragen. Wenn wir das nicht machen, dann müssen wir mit den Konsequenzen leben. Und die Konsequenz heisst, abhängig zu sein".
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