Die Schweizerischen Bundesbahnen wollen ihr Bahnfunksystem auf den neuesten Stand bringen. Sie setzen dafür auf einen europäischen 5G-Standard, der als sicherer und leistungsfähiger als das bisherige Netz gilt. Im Rahmen der Modernisierung "5GRail" realisieren die SBB zusammen mit den Schweizer Mobilfunkbetreibern ein Pilotprojekt auf der Strecke zwischen Thun und Bern.
Das neue Netz wird für die Kommunikation sowie die Systeme zur Zugbeeinflussung, etwa für Abfahrtbefehle an Züge, eingesetzt. Wie der
Ausschreibung zur Planung zu entnehmen ist, ist dieses Funksystem zum grössten Teil bereits aufgebaut. Parallel dazu soll aber auch ein Mobilfunknetz der Nachfolgegeneration entstehen, ein Future Railway Mobile Communication System (FRMCS).
Derzeit arbeiten die Bundesbahnen noch mit der 2G-Technologie, wie Jean-Philippe Schmidt, Mediensprecher der SBB, gegenüber 'Keystone-SDA' sagte. Diese Technologie läuft Mitte der 2030-er Jahre aus. Schmidt bestätigte damit eine Meldung der 'NZZ am Sonntag'
(Paywall). Der Bund hat den SBB den Auftrag gegeben, den neuen europäischen Funkstandard einzusetzen.
Auf ihrer Internetseite schreiben die SBB, es brauche ein leistungsfähiges Bahnfunknetz, um einen pünktlichen, sicheren und durchgehenden Betrieb zu gewährleisten. Das Pilotprojekt zwischen Bern und Thun soll nicht nur diesen Zielen dienen, sondern auch den Passagieren einen besseren Mobilfunkempfang bringen.
Mehrere hundert Millionen Franken
2G verschwinde nach und nach, um Platz für die nächsten Generationen von 3G bis 5G zu machen. Daher werde es immer schwieriger, die benötigten Ersatzteile und Dienstleistungen zu erhalten, so die SBB. Die vom Bund definierten Grenzwerte würden innerhalb und ausserhalb der Züge eingehalten, versichert die Bahn.
Rund 1800 5G-Antennen sind geplant, die Kosten werden auf "mehrere hundert Millionen Franken" geschätzt, wie SBB-Sprecherin Sabrina Schellenberg im Medienbericht zitiert wird. Die SBB und das Bundesamt für Verkehr werden den Bahnfunk finanzieren, die Kosten für den Mobilfunk werden von den Betreibern getragen.
Bessere Mobilfunkabdeckung
Beim Pilotprojekt zwischen Bern und Thun arbeiten die SBB mit den Mobilfunkbetreibern zusammen, um bestehende Synergien zu nutzen und gemeinsam die besten Standorte für den Bau neuer Antennen auszuwählen. Das Projekt soll so auch zu einer besseren Mobilfunkabdeckung für die Passagiere in den Zügen führen.
Auf der Strecke Bern-Thun wird ein Teil der bestehenden Standorte umgebaut. Entlang des Bahnkorridors werden weitere Standorte entstehen: Es werden mehr Antennen benötigt, da die Reichweite des neuen Standards aufgrund der höheren Frequenz geringer ist. Das Bewilligungsverfahren wird voraussichtlich 2023 eingeleitet.
Europäische Aufrüstung
"Die Wahl der Technologie liegt nicht bei der SBB", schreibt die Bahn auf ihrer Website. Mit der Aufrüstung ihres Systems folge sie den europäischen Eisenbahnen, deren Funknetz mit 2G ebenfalls bis 2030 ausläuft. Ein Abkommen aus dem Jahr 1999 verpflichtet die Schweiz, die Interoperabilität ihres Eisenbahnnetzes mit dem der EU-Länder zu entwickeln, so die SBB.