Unerlaubte Sprayereien verursachen den SBB jährlich Kosten von mehreren Millionen Franken. Um die Täterinnen und Täter zu identifizieren, setzt die SBB-Transportpolizei seit Juli dieses Jahres auf Drohnen. Das berichtet die '
NZZ am Sonntag' (Paywall).
In bis zu 30 Metern Höhe fliegen Überwachungsdrohnen des Schweizer Anbieters Sunflower Labs über den Schweizer Bahnarealen und starten bei verdächtigen Bewegungen die Aufnahme. Sie seien stark automatisiert und würden vorgegebene Routen abfliegen – "bei Notfällen greift ein Mensch per Fernsteuerung ein", heisst es im Zeitungsbericht.
"Kein Anlass, den Edöb zu informieren"
Nichts vom Einsatz der Drohnen gewusst hat der Eidgenössische Datenschutzbeauftragte (Edöb) Adrian Lobsiger, wie er zur 'NZZaS' sagte. "Da die Durchführung automatisierter Drohnenflüge potenziell mit hohen Risiken für die Privatsphäre und Selbstbestimmung von Betroffenen verbunden sein kann, haben wir die SBB um nähere schriftliche Auskünfte und Beantwortung konkreter Fragen gebeten", zitiert das Blatt den Edöb.
Es habe keinen Anlass dazu gegeben, den Edöb zu informieren, schreibt uns SBB-Sprecher Martin Meier. "Die Datenbearbeitung in diesem Projekt unterliegt den gleichen Vorschriften und Prozessen wie die stationäre Videoüberwachung, wie sie bei der SBB seit Jahren im Einsatz ist", so Meier. Darüber hinaus sei man mittlerweile im Austausch mit dem Edöb und die SBB würden sich "selbstverständlich an sämtliche datenschutzrechtliche Vorgaben halten."
"Mitarbeitende werden informiert"
Indem "mit den Drohnen nur im Gleisbereich, wo der Zutritt für Unberechtigte verboten ist, gefilmt werde", sei sichergestellt, dass keine Aufnahmen von Unbeteiligten gemacht werde. Mitarbeitende würden entsprechend informiert, dass "sie dort gefilmt werden können".
Auf unsere Anfrage schreibt Martin Meier weiter, dass "aufgezeichnete Videodaten auf Servern der SBB in der Schweiz gesichert werden". Sie seien "nur spezialisierten Fachkräften zu Beweiszwecken zugänglich und werden nach 100 Tagen gelöscht, sofern keine untersuchungsbehördliche Anforderung vorliegt". Jede Löschung werde dokumentiert. "Eine manuelle Bearbeitung oder Löschung ist nicht möglich", so Martin Meier.
Roboter als "Wachmann"
Die SBB setzen schon seit über einem Jahr auf "Überwachungsroboter". Der Roboter des Schweizer Startups Ascento wurde zumindest von den SBB und Securitas im Frühjahr 2023 getestet. Wie
das Jungunternehmen damals mitteilte, wollen die Unternehmen damit ihre Sicherheit und ihre betriebliche Effizienz verbessern.
Ascento entstand im Rahmen eines Studentenprojektes an der ETH Zürich. Offiziell gegründet wurde das Unternehmen im Februar 2023. Jetzt will das Startup seine Produktionskapazitäten erhöhen, um bis Ende des Jahres interessierte Kunden beliefern zu können.