Spitalverwaltungen, Pflegepersonal und die Ärzteschaft arbeiten täglich mit ihrem jeweiligen Klinikinformationssystem (KIS). Der Verband Schweizerischer Assistenz- und Oberärztinnen und -ärzte (VSAO) hat zu KIS und Praxisinformationssystemen (PIS) eine Umfrage unter seinen Mitgliedern durchgeführt. 1933 Ärztinnen und Ärzte äusserten sich zur Benutzungsfreundlichkeit. Drei Viertel von ihnen arbeiten in einem Spital.
"Insgesamt war das Level an Unzufriedenheit in allen Sektoren und Disziplinen und über alle KIS/PIS hinweg hoch", konstatiert der Verband zum zentralen Ergebnis. 56% der Ärztinnen und Ärzte gaben an, dass ihr System die Patientensicherheit nicht verbessert. 50% empfanden ihr System als ineffizient. Nur die Hälfte der Befragten sind zufrieden mit ihrem KIS oder PIS. Spitalärztinnen und -ärzte hätten dabei "systematisch und signifikant schlechtere Bewertungen" abgegeben als Ärztinnen und Ärzte in Praxen.
Die Studie macht keine Angaben zu den jeweils genutzten Produkten. Aber die KIS-Systeme erzielten im Durchschnitt bloss 49% der maximal erreichbaren Punkte in der detaillierten Usability-Bewertung, schreibt der VSAO.
Selbes System, unterschiedliche Implementierung
60% der Befragten haben der Aussage "Ich kann mir leicht merken, wie man mein System benutzt" zugestimmt. Als negativer Punkt wurde unter anderem die Aussage "Die Schwachstellen von meinem System kosten mich täglich unnötig viel Zeit" von 64% bejaht.
"Eine wichtige Frage, die sich aus den substanziellen Unterschieden zwischen den Systemen ergibt, ist, ob diese primär auf das bewertete System oder die jeweilige lokale Implementierung im Spital zurückzuführen sind", konstatieren die Studienautoren. Bei jenen KIS, für die ausreichende Daten aus mehreren Spitälern vorlagen, konnte dies in einer Mehrebenenanalyse untersucht werden. "Diese zeigte, dass 38% der Varianz in den Usability-Bewertungen auf Unterschiede zwischen KIS, 51% auf spitalinterne Variationen innerhalb derselben KIS und nur 11% auf individuelle Arztunterschiede zurückzuführen sind."
Dies unterstreiche die Bedeutung der lokalen Implementierung, wozu unter anderem Konfiguration, Funktionen, Schulung gehören würden, so der VSAO. Das gleiche KIS werde an verschiedenen Standorten substanziell unterschiedlich bewertet. Unterschiede innerhalb der Ärzteschaft wie Alter, Geschlecht oder Fachgebiet würden hingegen nur eine untergeordnete Rolle spielen.
Keine Meldungen an die IT-Abteilung
Die Ärztinnen und Ärzte wurden auch gefragt, ob sie zum Umfragezeitpunkt in den vergangenen vier Wochen ein sicherheitsrelevantes Ereignis beim Arbeiten mit dem KIS oder PIS erlebt hatten. Knapp 400 Teilnehmende und damit rund ein Viertel bejahten dies. Besorgniserregend ist, dass offenbar laut Umfrage die Hälfte dieser Vorfälle nicht formell gemeldet wurde, beispielsweise in einem Critical Incident Reporting System oder durch eine Meldung an die IT-Abteilung.
"Unsere Studie konnte als erste nationale Baseline für die Schweiz zeigen, dass Ärztinnen und Ärzte die Benutzungsfreundlichkeit der derzeit eingesetzten KIS/PIS hinsichtlich Schwerpunkt Patientensicherheit insgesamt nicht sehr gut bewerten", hält der VSAO fest. Allerdings würden sich auch erhebliche Unterschiede zwischen den Systemen und den lokalen Implementierungen in den Spitälern ergeben. Dies betone die Wichtigkeit der IT-Abteilungen bei der Anpassung von KIS an die Bedürfnisse der Kliniken und der Integration in den jeweiligen Workflow.