Schweizer Gemeinden fehlen Ressourcen für die Digitalisierung

13. Juni 2024 um 13:10
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Die Gemeinde Thun im Kanton Bern. Foto: Daniel Vogel / Unsplash

Der Wille zur Digitalisierung ist bei Schweizer Gemeinden zwar vorhanden, einer Studie zufolge mangelt es aber an Geld, Zeit und fähigem Personal.

Ein Grossteil der Schweizer Ge­mein­den sieht in der Di­gi­ta­li­sierung von internen Arbeitsabläufen und digitalen Services für die Be­völ­ke­rung eine Chance, effizienter zu werden. Fast die Hälfte aller Gemeinden hat deshalb eine eigene Digitali­sie­rungs­stelle ins Leben gerufen. Die grössten Hürden bleiben aber die knappen personellen und finanziellen Ressourcen, wie eine Umfrage zum Stand der Digitalisierung in den Schweizer Gemeinden zeigt.
Der Verein Myni Gmeind hat Schweizer Gemeinden in Zusammenarbeit mit dem Schweizerischen Gemeindeverband und der Fachhochschule Nord­west­schweiz (FHNW) zum Fortschritt ihrer digitalen Transformation befragt. Demnach gehören Digitalisierung und Cybersicherheit – zusammen mit Infrastrukturprojekten und Finanzen – zu den drei wichtigsten Themen, die die Schweizer Gemeinden derzeit beschäftigen.
Vier von fünf Gemeinden sehen die digitale Transformation als Mittel, um ihre Effizienz zu steigern. "Die digitale Transformation ist endgültig in den Gemeinderäten und Verwaltungen angekommen", schreibt Vereinspräsident Alex Sollberger in einer Mitteilung zur Studie. Demnach sehen sich 41% aller Gemeinden als Vorreiter im Bereich der Digitalisierung. Dieser Wert ist deutlich höher als noch im Vorjahr, als nur ein Drittel der Gemeinden diese Frage bejaht hatte.
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Beweggründe für die Digitalisierung in Schweizer Gemeinden. Screenshot: Myni Gmeind

Nötiges Personal fehlt

Die Ergebnisse der Gemeindeumfrage zeigen auch, dass nicht unbedingt die digitalen Kompetenzen oder das Know-how entscheidend für den Erfolg der digitalen Transformation sind, sondern vielmehr die Offenheit gegenüber dem Thema. Als wichtigsten Erfolgsfaktor identifizierten die Gemeinden denn auch einen klaren politischen Willen zur digitalen Transformation. Dabei gaben 61% der Befragten an, dass sie diesen Willen in ihrer Gemeinde spüren.
Als gleich wichtig wie die Offenheit zur Digitalisierung bezeichnen die Gemeinden die zur Verfügung stehenden personellen und finanziellen Ressourcen. Allerdings liegen hier Wunsch und Realität weit auseinander. Nur 42% der Gemeinden geben an, dass bei ihnen die finanziellen Voraussetzungen zur digitalen Transformation gegeben sind. Die Frage nach personellen Ressourcen wird sogar nur von einem Drittel der teilnehmenden Gemeinden positiv bewertet.

Mehr Jobs und externe Dienstleister

Insgesamt bewertet eine deutliche Mehrheit der befragten Gemeinden ihre personellen Ressourcen zur digitalen Transformation als ungenügend oder eher ungenügend. Auf die Frage, wie man diesem Mangel begegnen könnte, gaben rund 40% der Gemeinden eine vorübergehende Erhöhung der Ressourcen, beispielsweise durch die Schaffung zusätzlicher Stellenprozente, an.
Ein weiteres Viertel sieht die vorübergehende Auslagerung anderer Aufgaben an externe Dienstleister als Lösungsansatz. "Beide Wege würden zusätzliche personelle Ressourcen für die digitale Transformation generieren, gleichzeitig aber auch die Herausforderungen bei den finanziellen Ressourcen vergrössern", sagte Sollberger.
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Chancen und Risiken

Dennoch sei klar, dass an der digitalen Transformation heute keine Schweizer Gemeinde mehr vorbeikommt, erklärte Sollberger weiter. Neben der Erwartung der Bevölkerung für eine zeitgemässe Verwaltung sei es gerade in der Hochpreisinsel Schweiz sinnvoll, Prozesse möglichst zu automatisieren. Durch die Digitalisierung soll somit auch der Fachkräftemangel längerfristig gelindert werden können.
Mittlerweile hat denn auch fast die Hälfte aller Gemeinden eine Stelle oder Person definiert, die die digitale Transformation bereichsübergreifend koordiniert. "Wir ermutigen die Gemeinden, an der digitalen Transformation dranzubleiben. Im Wissen um die Herausforderungen, aber vor allem um die Chancen, die sich aus ihr ergeben", sagte Christoph Niederberger, Direktor des Schweizerischen Gemeindeverbands.

Zur Studie

Die Gemeindeumfrage 2024 wurde von Myni Gmeind, dem Schwei­ze­ri­schen Gemeindeverband und der Fachhochschule Nordwestschweiz durchgeführt. Von insgesamt 2131 Schweizer Gemeinden haben 560 Gemeinden (26%) den Fragebogen vollständig und weitere 1121 Ge­mein­den (53%) teilweise ausgefüllt. Die detaillierten Ergebnisse können als PDF heruntergeladen werden.


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