Städtische Informatik bietet neben Lohn viele Vorteile

8. April 2026 um 13:59
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Sven Ihl. Foto: zVg

Der Leiter der städtischen Informatikdienste St. Gallen versorgt mit seinem Team rund 40 Dienststellen mit IT. Für Sven Ihl ist die Heterogenität der Stadtverwaltung reizvoll.

Seit nunmehr fast zehn Jahren ist Sven Ihl in leitenden Positionen bei den Informatikdiensten der Stadt St. Gallen beschäftigt. Vor knapp drei Jahren hat er die Gesamtleitung übernommen und führt mittlerweile rund 60 Personen. Sie versorgen 40 Dienststellen mit IT. Wie Ihl im Interview sagt, haben seine Kolleginnen und Kollegen viel Gestaltungsspielraum in ihren Jobs und werden gleichzeitig auch marktgerecht entlohnt. Letzteres ist ihm ein grosses Anliegen.

Inside IT: Wie viel Stadt funktioniert, wenn die Informatik stillsteht?

Sven Ihl: Eine moderne Stadtverwaltung mit der Komplexität und Heterogenität wie jene von St. Gallen ist heute in hohem Masse von einer funktionierenden Informatik abhängig. Das zeigt sich bereits in der Breite unserer Aufgaben, von der klassischen Verwaltung über Dienststellen wie den Stadtwerken, den Verkehrsbetrieben, dem Gesundheitsbereich mit der Kinder- und Jugendzahnklink bis hin zu Schulen sowie den Blaulichtorganisationen mit Feuerwehr, Zivilschutz und Stadtpolizei.
Entsprechend gravierend wären die Auswirkungen eines IT-Ausfalls auf die Aufrechterhaltung der zentralen Leistungen. Viele Prozesse sind digital gestützt oder vollständig digitalisiert. Ein Stillstand der Informatik würde daher nicht nur Effizienzverluste bedeuten, sondern in Teilbereichen auch die Handlungsfähigkeit einschränken.
Umso grösser ist die Bedeutung der Resilienz. Als Leiter der städtischen Informatikdienste steht es in meiner Verantwortung, kontinuierlich unsere Betriebs- wie auch die Notfallprozesse weiterzuentwickeln. Diese dienen dazu, mögliche Beeinträchtigungen frühzeitig zu erkennen und ihre Auswirkungen auf unsere 40 Dienststellen zu minimieren. Gleichzeitig wird sichergestellt, dass belastbare Alternativen, gewissermassen "Pläne-B", verfügbar sind, um auch bei einem Ausfall der Informatik handlungsfähig zu bleiben und die Grundversorgung der Bevölkerung weiterhin sicherzustellen.

Die Stadt zählt rund 3300 Mitarbeitende, Ihre Dienststelle gut 50 Angestellte. Damit ist die städtische Informatik schon fast ein Grossunternehmen. Welche Unterschiede sehen Sie?

Seit Anfang 2026 zählen wir sogar knapp 60 Fachspezialistinnen und Fachspezialisten. Im Zuge personeller Veränderungen haben wir unsere städtische Gesamtorganisation bewusst weiterentwickelt und Synergien genutzt. Die zuvor eigenständige Dienststelle Organisationsentwicklung haben wir in die Informatikdienste integriert. Damit geht unser Leistungsangebot heute über klassische IT-Services hinaus. Wir unterstützen unsere internen und externen Anspruchsgruppen auch in den Bereichen Automatisierung, Innovation, Prozessmanagement und Transformation.
In dieser Aufstellung agieren wir in vielerlei Hinsicht wie ein modernes mittelständisches Unternehmen mit entsprechender fachlicher Breite, Eigenständigkeit und Verantwortung für geschäftskritische Leistungen. Der wesentliche Unterschied zu den grössten Informatikorganisationen wie denen der Banken oder Pharmaindustrie liegt weniger in der Professionalität als vielmehr in den Rahmenbedingungen. Sie verfügen über deutlich grössere Budgets und andere Skaleneffekte. Entsprechend setzen wir stärker auf Effizienz, Priorisierung und die gezielte Nutzung von Synergien innerhalb der Stadtverwaltung.

KI ist auch in der Stadtverwaltung St. Gallen ein Thema. Bitte skizzieren Sie Ihre Sicht auf Chancen und Herausforderungen der Technologie.

Künstliche Intelligenz ist für uns seit mehreren Monaten ein zentrales Thema. Dabei betrachte ich KI jedoch nicht isoliert als IT-Angelegenheit, sondern als interdisziplinäres Projekt. Die erfolgreiche Implementierung erfordert das Zusammenspiel von Ausbildung, Datenschutz, Kommunikation, rechtlichen Aspekten und Informatik.
Meine persönliche Haltung orientiert sich an einer anforderungsorientierten Service-Gestaltung. Das bedeutet für mich, nicht die Technologie an sich steht im Vordergrund, sondern konkrete Anwendungsfälle und Nutzenpotenziale für unsere Dienststellen. Wir sind zum Beispiel über die allgemeine Bereitstellung von GPT hinaus und konzentrieren uns nun auf gezielte Projekte, die Effizienzsteigerungen ermöglichen, Abläufe optimieren und den Mitarbeitenden konkrete Arbeitserleichterungen verschaffen sollen. So wollen wir KI nachhaltig in unsere Verwaltung integrieren, ohne die Kontrolle oder den rechtlichen Rahmen zu vernachlässigen.

Welche Vorbilder haben Sie bei Ihrer Arbeit?

Meine Vorbilder sind vor allem Kolleginnen und Kollegen aus meiner eigenen Berufslaufbahn. Keine grossen, bekannten internationalen Namen von Tech-Giganten, sondern einfach starke Persönlichkeiten, mit denen ich direkt zusammenarbeiten durfte. Sie zeichneten sich durch grosses taktisches Geschick und strategischen Weitblick aus, was mein eigenes Handeln nachhaltig geprägt hat.

Zur Person

Sven Ihl leitet seit knapp drei Jahren die Informatikdienste der Stadt St. Gallen. Zuvor hatte er bereits zwei Jahre die Rolle als stellvertretender Dienststellenleiter inne. Er trat 2016 als Abteilungsleiter Infrastruktur und Applikationen sowie Mitglied der Geschäftsleitung in die Organisation ein. Davor war er während mehr als sieben Jahren bei Raiffeisen Schweiz beschäftigt.
Darüber hinaus habe ich das Glück gehabt, mit Führungskräften zusammengearbeitet zu haben, die personen- und sachorientiert mit Fingerspitzengefühl agiert haben. Diese Fähigkeit, Menschen zu verbinden, Entscheidungen transparent zu gestalten und Teams zu motivieren, hat mich schon immer stark beeinflusst.
Solche Vorbilder sind für mich wesentlich, weil sie mir praktisch aufgezeigt haben, wie partnerschaftliche Führung und strategisches Handeln gemeinsam zum Erfolg navigieren. Ich bin froh, dass ich von diesen Persönlichkeiten lernen durfte.

Welchen Stellenwert hat der Lohn für Sie und Ihre Mitarbeitenden? Was zählt ausserdem?

Für mich persönlich geht es über das reine Gehalt hinaus. Entscheidend ist der direkte Einfluss, den ich auf die Weiterentwicklung und Gestaltung der städtischen Informatik ausüben kann. Die Möglichkeit, Prozesse zu verbessern, Innovationen voranzutreiben und gemeinsam im engagierten Team komplexe Aufgaben zu meistern, macht den Reiz meiner Arbeit aus. Gerade bei den Informatikdiensten kommen diese Aspekte zusammen und schaffen eine intrinsische Motivation, die weit über meinen Zahltag hinausgeht.
Für jede und jeden von uns spielt der Lohn eine unterschiedliche Rolle. Er ist wichtig, aber es gibt weitaus mehrere Faktoren. Bei diesen denke ich zum Beispiel an Arbeitsinhalt und -bedingungen, Sicherheit, Entwicklungsmöglichkeiten, den bereits erwähnten Gestaltungsspielraum, das Team und die alltägliche persönliche Wertschätzung. Weiter sind natürlich die individuelle persönliche Lebenssituation, unterschiedliche Karriereziele, das Alter, die Familie oder anderweitige Verpflichtungen mit entscheidend.

Wie muss man sich als Behörde positionieren, um höheren Löhnen bei Grossunternehmen etwas entgegenzusetzen?

Aus meiner Erfahrung in über zehn Jahren bei der Stadtverwaltung lässt sich sagen, die Positionierung gegenüber Grossunternehmen gelingt nicht allein über den Lohn. Ein prägendes Beispiel war für mich die Corona-Pandemie. In dieser Zeit standen Sicherheit, Stabilität und Sinnhaftigkeit der Arbeit weit mehr im Vordergrund als der Zahltag. Gerade dadurch konnten wir qualifizierte Fachkräfte gewinnen, die sonst in der Privatwirtschaft tätig gewesen wären.

Ist das heute noch so?

Ja, auch aktuell bietet die öffentliche Hand attraktive Vorteile. Viele private Unternehmen stehen vor grossen geopolitischen oder wirtschaftlichen Herausforderungen, während wir als Stadtverwaltung Stabilität, attraktive Arbeitsinhalte und Gestaltungsspielräume bieten können. Erst kürzlich habe ich eine neue Abteilungsleitung rekrutiert. Es war beeindruckend, von welch namhaften Unternehmen die Bewerbenden stammten, sogar aus dem Raum Zürich.
Bei der Lohneinreihung ist für mich eine professionelle, marktorientierte Personalstrategie entscheidend. Dank unserer erfahrenen Personaldienste kennen wir den lokalen Arbeitsmarkt genau. Gemeinsam mit den Erkenntnissen aus der SwissICT-Studie entwickeln wir uns branchenkonform weiter und können mit lokalen Grossunternehmen auf Augenhöhe auftreten. Dies belegen mehrere Kolleginnen und Kollegen, die selbst aus Grossunternehmen kommen. Das gleiche gilt aufgrund meiner vorherigen Tätigkeit bei einer ortsansässigen Grossbank auch für mich.

Sie erwähnen die jährliche Salärstudie. Wie nutzen Sie die Zahlen in der Praxis?

Die Salärstudie nutze ich konsequent und nehme selbst seit Jahren daran teil. Sie ist für mich ein zentrales Instrument, um marktgerechte Lohnentwicklungen zu gestalten und neue Mitarbeitende korrekt einzuordnen.
Darüber hinaus hilft mir die Studie, mögliche Diskrepanzen aufzudecken, die durch Weiterbildung, zusätzliche Qualifikationen, Beförderungen oder Alter entstehen können. Sie liefert fundierte Daten, mit denen ich diese Unterschiede objektiv belegen und so gut gerüstet in Lohnverhandlungen gehen kann. Auf diese Weise sorgt die Studie für Transparenz, Nachvollziehbarkeit und eine faire, marktkonforme Entlohnung.

Danke für das Stichwort. Welchen Stellenwert hat Transparenz bei den Salären?

Transparenz spielt bei den Salären für uns eine zentrale Rolle. Ich kommuniziere offen, dass unsere Lohneinreihung an der SwissICT-Studie orientiert ist. Das gibt unseren Mitarbeitenden die Sicherheit, dass wir ihre Entlohnung fair und nachvollziehbar gestalten. Die Einreihung berücksichtigt zudem die Branche, Geografie, Berufsbild, Qualifikation sowie das Alter.
Diese Transparenz schafft das Vertrauen, dass die Lohnentwicklung branchenüblich erfolgt und die individuellen Leistungen angemessen gewürdigt werden. Sie ist damit ein wichtiger Pfeiler für Motivation, Zufriedenheit und langfristige Bindung unserer Mitarbeitenden.

Welchen Wert hat die Teilnahme an der Studie für die Stadt St. Gallen?

Die Teilnahme ist für mich persönlich und für die Stadt St. Gallen von grossem Wert. Es geht nicht nur um den eigenen Nutzen. Durch unsere Teilnahme tragen wir aktiv dazu bei, dass die Studie unsere Branche und Region angemessen abbildet. Sollten sich weniger regionale Unternehmen beteiligen, müssten wir auf andere Benchmarks ausweichen, die unsere Informatikbranche nur unzureichend widerspiegeln. Die Studie bleibt daher für mich die renommierte und etablierte Referenz im Schweizer IT-Umfeld.
Interessenbindung: Inside IT ist Medienpartner der SwissICT Salärstudie.

ICT-Salärstudie 2026 – Datenerhebung gestartet

Die seit über 40 Jahren publizierte Salärstudie von SwissICT gilt als etablierter Referenzrahmen für Löhne und Anstellungsbedingungen in der Schweizer ICT-Branche. Mit über 39'000 Salärangaben bildet sie mengenmässig ein Sechstel der im IT-Sektor Tätigen ab und ist deshalb besonders geschätzt und verlässlich.
Für die Ausgabe 2026 läuft derzeit die Datenerhebung:
https://www.swissict.ch/salaere-der-ict-voranmeldung/
Die Studie unterstützt Unternehmen dabei, ihre Löhne fundiert einzuordnen, schafft Transparenz in der Kommunikation mit Mitarbeitenden und liefert eine belastbare Basis für strategische Personal- und Vergütungsentscheidungen. Gleichzeitig trägt jede Teilnahme dazu bei, die Aussagekraft der Daten weiter zu stärken und die Vielfalt der Schweizer ICT-Landschaft abzubilden. Teilnehmende Unternehmen erhalten zudem einen Gutschein, der beim Erwerb der Studie angerechnet wird.

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