Statt auf SAP setzt Lidl auf eine Individuallösung

3. Mai 2024 um 12:05
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Foto: K Mitch Hodge / Unsplash

Nach dem Millionenflop des SAP-Projekts "Elwis" führt der Detailhändler ein neues Warenwirtschaftssystem ein.

500 Millionen Euro hatte Lidl bereits ausgegeben, als 2018 das Projekt "Elwis" gestoppt wurde. In Zusammenarbeit mit SAP sollte das hauseigene Warenwirtschaftssystem "Wawi" ersetzt werden. Mit Elwis seien "die ursprünglich definierten strategischen Ziele nicht mit vertretbarem Aufwand" erreichbar, hiess es damals vom Detailhändler zum Projektabbruch. Stattdessen wollte man Wawi weiterentwickeln.
Eines der grössten Probleme sei der Wunsch nach Individualisierung gewesen, für den das standardisierte SAP-System nicht geeignet war, berichtet die 'Lebensmittel Zeitung' (Paywall). Vier bereits auf das neue System umgestellte Länder habe man wieder "zurückgeholt", zuletzt 2023 Lidl USA.

Kosten im hohen dreistelligen Millionenbereich

Doch jetzt setzt das zur Schwarz Gruppe gehörende Unternehmen ein neues Warenwirtschaftssystem auf. Laut der Zeitung ist es "das grösste Technologieprojekt in der Geschichte der Gruppe". Für das Cloud-basierte System "Wawi Nexus" sei ein hoher dreistelligen Millionenbetrag vorgesehen. 100 Applikationen für über 120 Prozesse entlang der kompletten Lieferkette soll es abdecken und für eine bessere Verknüpfung der Filialen mit dem Online-Geschäft sorgen.
Das neue System soll in zwei Jahren fertig sein, der Vorgänger dann bis 2030 abgebaut werden. Auf den Einsatz von Standardsoftware werde dabei verzichtet. An der neuen Individuallösung arbeiten die IT-Abteilungen von Lidl, die von der Schwarz Gruppe im letzten Jahr gegründete IT-Service-Tochter Digits und das deutsche Tech-Unternehmen Freiheit.

Die eigene Cloud reicht (noch) nicht

Auf Anfrage der Zeitung erklärte die Schwarz Gruppe: "Wir entwickeln und konzipieren das System auf Basis unserer eigenen Cloud Stackit und nutzen damit eine state-of-the-art Cloud-Architektur mit Verwendung modernster Cloud-nativer Technologien." Weitere Einzelheiten wurden nicht bekanntgegeben.
Stackit wird seit 2022 als Cloud- und Colocation-Services auch Kunden ausserhalb des Konzerns angeboten. Zum Projektstart von Wawi Nexus habe man allerdings ausschliesslich Microsoft Azure genutzt, so die 'LZ'. Gemäss Insidern sei Stackit noch nicht so weit, um die nötigen Prozesse vollständig abzubilden.
Anfänglich werde das Unternehmen deshalb wohl nur einzelne Elemente des Warenwirtschaftssystems auf Stackit speichern und weiterhin Drittanbieter nutzen. Schwarz bezahle dafür aktuell einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag an externe Cloud-Dienstleister.

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