Studie: Jugendliche werden nachlässiger beim Datenschutz

24. November 2022, 08:01
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Foto: Creative Christians / Unsplash

Die Sorge, dass persönliche Informationen im Netz landen, hat bei Jugendlichen abgenommen. Aber erstens haben junge Menschen grössere Probleme im Netz und zweitens sind Erwachsene nicht besser.

Nur knapp zwei Drittel der Jugendlichen (60%) schützen ihre Privatsphäre im Netz, sodass beispielsweise in sozialen Netzwerken gewisse Fotos oder Videos nur für bestimmte Kontakte sichtbar sind. Zu diesem Schluss kommt die heute publizierte James-Studie von Swisscom und der ZHAW, die seit Jahren den Medienumgang der Jugendlichen in der Schweiz untersucht.

Jugendliche haben andere Probleme in Netz als der Datenschutz

Verglichen mit der Erhebung von vor 10 Jahren habe dieser Wert um 24% abgenommen, schreiben die Studienautoren. Auch die Sorgen darüber, dass andere online persönliche Informationen sehen könnten, habe seit 2012 von 38% auf 28% abgenommen, heisst es weiter. "Gleichzeitig verhält sich die Mehrheit der Jugendlichen auf sozialen Netzwerken aber eher zurückhaltend und gibt öffentlich wenig von sich preis", heisst es weiter.
Letzteres ist ein wichtiger Punkt, der insbesondere mit der Verschiebung weg von Facebook hin zu Snapchat und Tiktok zu tun hat. Anders als das Meta-Netzwerk setzt gerade Snapchat auf das "Recht auf Vergessen" und löscht verschickte Nachrichten nach 24 Stunden automatisch, weshalb es anders als vor 10 Jahren nicht mehr zwingend nötig ist, sich im gleichen Masse um Privatsphäreeinstellungen zu kümmern.

Erwachsene haben auch einen nachlässigen Umgang mit ihren Daten

"Das Thema Datenschutz und Privatsphäre im Netz hat sich verändert und wird zunehmend komplexer", lässt sich dementsprechend Lilian Suter, ZHAW-Forscherin und Mitautorin der Studie, zitieren. Handlungsbedarf besteht insbesondere beim Jugendschutz, weil der Studie zufolge fast die Hälfte der Jugendlichen mindestens einmal online sexuell belästigt worden ist. Auch Beleidigungen hätten zugenommen, heisst es.
Tatsache ist darüber hinaus, dass es unangebracht wäre, die Jugendlichen für den laschen Umgang mit Datenschutz und Privatsphäre zu kritisieren. Erwachsene sind angesichts von Meldungen wie "Das beliebteste Passwort ist 'password' und nicht mehr '123456'" nicht wirklich viel sensibler im Umgang mit ihren schützenswerten Daten.

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