Switch erhöht die Preise für unsichere Websites

7. Februar 2022, 12:54
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Ohne DNSSEC wird der Betrieb einer Website künftig teurer. Foto: Thomas Jensen / Unsplash

Bereits zum zweiten Mal innert Jahresfrist steigen die Preise bei der Registerbetreiberin. Von der neusten Erhöhungsrunde sind allerdings nicht alle betroffen.

Seit Switch 2016 seine Doppelfunktion als Registerbetreiberin und Händlerin von Internetadressen aufgeben musste, sind die Preise für .ch-Domains auf dem freien Markt stetig gesunken. Wer seither einen Webserver mietet, macht dies direkt bei dem Unternehmen, das diesen betreibt. Der Webhoster und Cloud Provider Infomaniak aus Genf schreibt nun in einer E-Mail an seine Kundinnen und Kunden, dass er "aufgrund mehrerer Tariferhöhungen durch die Registrierungsstelle Switch" die Preise für seine Dienstleistungen erhöhen werden müsse.
Gegenüber den 'Tamedia'-Zeitungen bestätigte Roland Eugster, Sprecher der Stiftung, dass innert Jahresfrist zweimal die Preise angepasst wurden. Anfang 2021 sei der jährliche Preis pro Domain um 55 Rappen erhöht worden, um "zusätzliche Aufwände zum Schutz der Privatsphäre sowie im Kampf gegen die Cyberkriminalität" abdecken zu können. Seither seien die Besitzer einer Website nicht mehr in der öffentlichen Datenbank, sondern nur noch über einen Antrag bei Switch einsehbar.

Preiserhöhung für weitere Sicherheit

Die aktuelle Steigerung des Preises um einen Franken stehe im Zusammenhang mit der Implementierung von Domain Name System Security Extensions (DNSSEC). Bereits Ende 2020 wurde bekannt, dass die Schweiz – anders als andere europäische Länder – nicht auf eine gesetzliche Pflicht, sondern auf ein System mit finanziellen Anreizen setzen will. Die Technik soll garantieren, dass sichere Verbindungen nicht gekapert werden können: Wer im Webbrowser etwa die Adresse seiner Bank eingibt, soll sicher sein können, dass auch wirklich deren Inhalte angezeigt werden.
Den Aufpreis bezahlen müssen jene Hoster, die die Technologie hinter der DNSSEC bis dato noch nicht implementiert haben. Mit dem Extrafranken würde ein Anreiz für die Registrare geschaffen, die Sicherheitstechnik möglichst rasch zu implementieren, sagte Eugster. Von den Mehreinnahmen soll zudem auch ein Teil an die Webhoster zurückfliessen, die dem neuen Sicherheitsstandard genügen.
Die Verbesserung der Cybersicherheit in der Schweiz könne nicht nur mit Schulungen und Sensibilisierungskampagnen erhöht werden. Aus diesem Grund würde der finanzielle Anreiz durchaus Sinn machen, so der Sprecher von Switch. Zudem vermeldet er, dass, seit die Lenkungsabgabe im letzten Frühling vorgestellt wurde, der Anteil der abgesicherten Adressen von sehr tiefen 6 auf 35% gestiegen sei. In fünf Jahren sollen dann über die Hälfte aller Schweizer Websites sicherer sein.

Kritik am Vorgehen

Einzelne Webhoster übten laut dem 'Tages-Anzeiger' starke Kritik an der Preiserhöhung. Der Genfer Anbieter Infomaniak beschwerte sich, dass für Neukunden auf jeden Fall der höhere Preis verrechnet werde, obwohl das Unternehmen die Sicherheitstechnologie schon lange standardmässig aktiviert habe. Zudem sei auch noch unklar, wie genau der Verteilschlüssel für die zusätzlich eingenommenen Gelder aussehen werde, so Thomas Jacobsen, Sprecher des Unternehmens. Switch-Sprecher Eugster entgegnete darauf, dass zuerst gemessen werden müsse, ob eine Adresse auch wirklich abgesichert sei. Eine Internetadresse könne grundsätzlich irgendwo reserviert werden, dabei aber bei einem anderen Hoster betrieben werden.
Weitere Hoster befürchten, dass die Umstellung auf die neue Sicherheitstechnik nicht einfach umzusetzen und mit Pannen und Ausfällen zu rechnen ist. Sollte der automatische Schlüsselaustausch zwischen zwei Servern nicht funktionieren, wären Websites nicht mehr erreichbar und E-Mails könnten nicht zugestellt werden. Gegenüber der Zeitung erklärte der Webhoster Cyon aus Basel, es werde mit Hochdruck daran gearbeitet, die neue Technik zu implementieren. Der finanzielle Anreiz hätte das Unternehmen angespornt, mit der Implementierung des Standards vorwärtszumachen.

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