Die Schweizerische Post hat zusammen mit dem Meinungs- und Marktforschungsinstitut Yougov eine repräsentative Umfrage zu E-Voting durchgeführt. Zwischen dem 20. Mai und dem 2. Juni 2025 wurden rund 2000 Personen in der Deutsch- und Westschweiz sowie im Tessin befragt.
Demnach befürwortet mit 78% eine klare Mehrheit der Befragten die Einführung von E-Voting in der Schweiz als Ergänzung zum Abstimmen an der Urne oder per Briefpost. 14% lehnen diese ab.
Positiver Nutzen, aber auch Bedenken
77% nennen den verbesserten Zugang für Auslandschweizerinnen und -schweizer als wichtigsten Nutzen. Jeweils 73% geben als positive Folgen von E-Voting einen einfacheren Stimm- und Wahlprozess sowie eine erhöhte Stimmbeteiligung an. Zwei Drittel der Befragten erkennen zudem Vorteile für sehbehinderte oder blinde Menschen.
Als Bedenken nennen 55% ein Risiko von Manipulation bei Abstimmungen durch E-Voting. 43% der Befragten befürchten zudem eine Gefährdung des Wahl- und Stimmgeheimnisses. Sie befürchten beispielsweise, dass jemand sehen kann, was sie abgestimmt haben.
Post geniesst Vertrauen
Gefragt wurde auch nach dem Vertrauen in die Post als technische Lösungsanbieterin. Hier sind 64% der Befragten der Meinung, dass der Konzern eine sichere E-Voting-Lösung anbieten kann. 20% verneinen dies, 16% haben keine Meinung dazu.
"Um dieses Vertrauen weiter zu stärken, lässt die Post ihr Abstimmungssystem laufend prüfen", heisst es in einer Mitteilung der Post. Seit längerem werden
in einem Bug-Bounty-Programm mit ethischen Hackerinnen und Hackern Public Intrusion Tests (PIT) durchgeführt. Seit dem Start wurden über 220'000 Franken an Prämien für bestätigte Befunde ausbezahlt.
Neueste Systemversion ab sofort im Test
Gleichzeitig mit der Bekanntgabe der Umfrageergebnisse eröffnet die Post die nächste
PIT-Runde. Ab heute Montag, 28. Juli, bis zum 24. August wird die E-Voting-Umgebung wieder für gezielte Angriffe bereitgestellt. Getestet wird laut Mitteilung die neueste Systemversion, die ab 2026 bei Abstimmungen und Wahlen zum Einsatz kommt.
Erstmals können ethische Hackerinnen und Hacker auch die Funktionalität der offenen Textfelder auf die Probe stellen. "Diese sogenannten Write-ins sind bei Wahlen einsetzbar, bei denen die Stimmberechtigten ihre Wunschkandidaten selbst eintragen können, wenn diese nicht auf den offiziellen Listen stehen", so die Post.
Bis jetzt beteiligen sich die Kantone Basel-Stadt, St. Gallen, Thurgau und Graubünden an E-Voting-Versuchen. St. Gallen gab kürzlich bekannt, dass ab September 2025 Stimmberechtigte aus praktisch allen Gemeinden des Kantons den elektronischen Stimmkanal
nutzen können. Mit Bern fasst ein weiterer Kanton E-Voting wieder ins Auge. Das Kantonsparlament hat Anfang Juni
einen Vorstoss verabschiedet, der die Teilnahme an Pilotversuchen fordert.