Bill Gates beim Launch der XP-Tablet-Edition im November 2002. Foto: Windows On Windows / X.com
War der Konzern zu früh oder die Umsetzung zu schlecht? Jedenfalls wird die Gerätekategorie erst 10 Jahre später salonfähig – dank Konkurrent Apple.
"Der Tablet-PC ist das nächste grosse Ding!" Das sagte der damalige Chefentwickler von Microsoft, Bill Gates, kurz nach seiner Stabübergabe an den neuen CEO Steve Ballmer, am 12. November 2000 bei der Vorstellung des ersten funktionsfähigen Prototyps des hauseigenen Tablet-Computers. Er behielt damit halbwegs recht, nur nicht ganz so, wie er sich das vorstellte.
Vor Microsofts Tablet gabs schon andere
Apples Newton
Das Unternehmen hat mit dem Gerät, das im Folgejahr auf den Markt kam, zwar den Begriff "Tablet" erfunden, nicht aber die Gerätekategorie selbst. Schon in den 70er-Jahren zeigte Xerox das "Dynabook", welches aber irgendwo auf der Skala zwischen Konzept und Prototyp einzuordnen war. Anfang der 90er-Jahre kam Apples Newton auf den Markt, welcher über einen Stift bedient werden konnte. Praktisch gleichzeitig tauchten weitere, vergleichbare Geräte von Compaq und Toshiba auf.
Microsofts erster Tablet-Versuch hingegen scheiterte krachend. Hauptgrund dafür war, dass Microsoft versuchte, sein Windows-Betriebssystem "Tablet-tauglich" zu machen. Nur klappte die Bedienung wahlweise per Finger oder Stift in den Kapillaren der Menüverzweigungen von Windows nicht wirklich. Da half auch die Tablet-Erweiterung von Windows XP nicht, welche 2002 veröffentlicht wurde. Erschwerend kam hinzu, dass Microsoft das Design der Hardware Herstellerfirmen wie Acer oder Fujitsu überliess.
Microsofts Tablet-Marktanteil liegt heute bei rund 3%
Steve Jobs bei der iPad-Präsentatoin im Jahr 2010. Foto: Screenshot Apple Keynote
Seinen Nischenplatz verliess der Tablet-PC erst im Jahr 2010, als Steve Jobs das erste iPad vorstellte, das im Unterschied zu Microsoft aus eigener Hardware und einem eigenen, auf die Bedienung mit den Fingern ausgelegten, Betriebssystem daherkam. Der Erfolg des Konkurrenten liess auch Microsoft umdenken: Der Konzern baute fortan seine Tablets mit dem Namen "Surface" selbst.
Ob sich die Investitionen für Microsoft gelohnt haben, kann nur der Konzern selbst beantworten. Fakt ist, dass Surface-Geräte nie einen relevanten Marktanteil erreicht haben, sondern sich je nach Quelle um die 3% bewegten. Demgegenüber weist Apple laut aktuellen Canalys-Zahlen im dritten Quartal 2023 mit 12,5 Millionen verkauften Geräten einen Marktanteil von 38,3% aus.