Jetzt bringt auch Apple mehr KI auf seine Geräte

9. Juni 2026 um 09:08
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Tim Cook kündigt Apple-Neuerungen an. Screenshot: Youtube

Der Konzern stellt "Siri AI" vor. Im Gegensatz zur EU dürfte die KI-Assistentin in der Schweiz auch auf iPhones eingeführt werden.

Apple macht einen neuen Anlauf bei Künstlicher Intelligenz. Die neue "Siri AI" wurde auf der hauseigenen Entwicklerkonferenz "Worldwide Developers Conference" (WWDC) vorgestellt. Die Software soll sich von anderen KI-Angeboten dadurch abheben, dass sie besonders tief ins Leben der Nutzer eingebettet ist.
Als ein Beispiel einer Frage, die man der neuen Siri stellen könne, nennt Apple etwa: "Wie hiess der Podcast, den mir meine Schwester neulich empfohlen hat?" Um dies zu beantworten, muss die Software unter anderem die E-Mail oder Textnachricht kennen, in der der Name des Podcasts gefallen sein könnte, richtig die Unterhaltung verstehen – und zunächst einmal wissen, wer in den Kontakten die Schwester ist. Ein weiterer Vorteil vieler Angebote aus einer Hand: Danach kann man Siri auch gleich bitten, den Podcast abzuspielen.

Apple schürt Erwartungen

"Wenn das alles funktioniert, ist es die KI, die die Leute wollen", sagt Branchenexperte Avi Greengart von der Analysefirma Techsponential. Die Vorsicht ist nicht unbegründet: Ursprünglich kündigte Apple eine Siri mit ähnlichen Fähigkeiten bereits auf der WWDC vor zwei Jahren an.
Doch im Jahr darauf musste der Konzern einräumen, dass die Software nicht verlässlich genug sei. Danach wurde die technische Basis umgebaut – unter anderem mit Verwendung von KI-Modellen des Rivalen Google. Apple betont aber, dass der Internet-Riese dabei keinen Zugang zu Nutzerdaten bekomme.
Analyst Francisco Jeronimo von der Marktforschungsfirma IDC sieht in der neuen KI-Siri eine strategische Weichenstellung für Apple: Sie könne der neue Weg werden, über den Nutzer und Nutzerinnen mit iPhones und künftigen Gerätekategorien des Konzerns interagieren. Zugleich müsse Apple nun aber auch die Erwartungen der Nutzenden erfüllen: Kunden werden Siri danach bewerten, ob sie sie verstehe, und die Personalisierung sich nützlich und nicht aufdringlich anfühle.

Eine eigene App für Siri

Erstmals bekommt Siri, die vor rund 15 Jahren als Sprachassistentin auf iPhones kam, eine eigenständige App. Apple-Manager Mike Rockwell zeigte in einer aufgezeichneten Demonstration, wie die neue Siri den Termin des nächsten Konzerts einer Musikerin in der Nähe sowie Informationen zum Ticket-Verkauf heraussuchen, eine Erinnerung erzeugen und danach auf Wunsch einen ihrer neuen Songs abspielen kann.
Zunächst wird die neue KI-Siri nur auf Englisch angeboten. Weitere Sprachen sollen "schnell" folgen, sagte Software-Chef Craig Federighi. Zunächst gibt es eine Testversion der neuen Software für Entwickler. Allgemein eingeführt werden die neuen Programme und Funktionen traditionell ab Herbst.
Auch in der Schweiz wird Siri AI laut 'Blick' eingeführt, eine offizielle Bestätigung durch Apple steht noch aus. Hingegen erhalten iPhone-User in der EU vorerst keinen Zugang. Grund ist der Digital Markets Acts (DMA). Apple wirft der EU-Kommission vor, mit Forderungen nach einer vollständigen Öffnung seiner iPhones und iPads für KI-Assistenten anderer Anbieter die Privatsphäre der europäischen Nutzer zu gefährden. Auf Mac-Computern und der Computer-Brille Vision Pro werden auch europäische Nutzer und Nutzerinnen darauf zugreifen können. Denn die EU hat den Konzern in diesen Segmenten nicht als "Gatekeeper" mit viel Marktmacht eingestuft.

EU hat Apple-Bedenken zurückgewiesen

Apple habe der Kommission die Risiken eines "wirklich uneingeschränkten" Zugangs von Assistenten anderer Anbieter zum gesamten Betriebssystem und allen Informationen erklärt, sagte Marketingchef Greg Jozwiak. "Aber sie haben unsere Bedenken komplett zurückgewiesen."
Apple habe auch bereits im vergangenen Jahr einen konkreten Vorschlag für eine technische Lösung vorgelegt, mit der aus Sicht des Konzerns die Zugangsanforderungen erfüllt und zugleich der Datenschutz gewahrt geblieben wäre. Die Kommission habe ihn jedoch abgelehnt, ohne sich damit auseinanderzusetzen.
Ein Sprecher der Brüsseler Behörde widersprach deutlich: Anstatt nach einer Lösung zur Einhaltung der Vorschriften zu suchen, habe Apple die Europäische Kommission einfach gebeten, das Unternehmen für mindestens 18 Monate von seinen Verpflichtungen zu befreien. "Das ist keine Option, denn es würde bedeuten, dass kein anderer KI-Assistent als Siri – der übrigens von Google betrieben wird – die gleiche Chance hätte, von iPhone-Nutzern ausgewählt zu werden", sagte der EU-Kommissionssprecher. "EU-Recht ist nicht verhandelbar", füge er hinzu.
Das EU-Digitalgesetz DMA schreibt unter anderem vor, dass als Gatekeeper eingestufte Unternehmen Konkurrenten den gleichen Zugang zu ihren Plattformen bieten müssen wie ihren eigenen Diensten. Apple argumentiert, die neue KI-Siri sei so datenschutzfreundlich umgesetzt, dass der Konzern selbst dabei keinen Zugriff auf die Informationen der Nutzer bekomme.
Der Apple-Vorschlag für andere Anbieter sieht demnach vor, dass nach einem ähnlichen Muster deren KI-Modelle zwar Anfragen der Nutzer erfüllen könnten, aber keine Daten behielten. Dieser Plan sei weiterhin auf dem Tisch.

Abschiedsrunde für Konzernchef Cook

Es ist die letzte WWDC für Tim Cook als Konzernchef. Im September soll der bisher für Geräte zuständige Top-Manager John Ternus die Führung übernehmen.

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