Vor 25 Jahren: Computer besiegt Schachweltmeister

13. Mai 2022 um 07:30
  • kolumne
  • it-geschichte
  • ibm
  • international
image
Foto: Felix Mittermeier / Unsplash

Der Sieg von Deep Blue über Garri Kasparow bewegte die Welt und machte die technische Überlegenheit von Computern für viele Menschen plötzlich sichtbar.

Am 11. Mai 1997 gewann der von IBM entwickelte Schachcomputer Deep Blue zum ersten Mal eine Schachpartie unter Turnierbedingungen gegen den amtierenden Weltmeister Garri Kasparow aus Russland. Während sich der Weltmeister im Vorjahr noch mit 4 zu 2 gegen das 5-Millionen-Dollar-Projekt von Big Blue durchsetzen konnte, verlor er die Partie 1997 mit 2,5 zu 3,5.
Bereits im ersten Duell 1996 konnte Deep Blue ein vielbeachtetes erstes Match gewinnen. Wegen der Niederlage in der Gesamtpartie haben die IBM-Ingenieure aber anschliessend ihre Maschine mit deutlich stärkerer Hardware aufgerüstet und sie erneut gegen Kasparow antreten lassen. Mit der Berechnung von bis zu 200 Millionen Stellungen pro Sekunde war der Computer dem Schachweltmeister im zweiten Durchgang klar überlegen und gewann entsprechend.
image
Schachgrossmeister Garri Kasparow. Foto: S.M.S.I. Inc / Lizenz: CC BY-SA 3.0
Nachdem Kasparow das erste Match noch gewinnen konnte, kam es in der zweiten Partie zu einem bemerkenswerten Finale. Deep Blue überraschte den Weltmeister mit einem Zug so sehr, dass dieser nicht mehr weiterwusste und in einer Remis-Stellung aufgab. Spätere Analysen zeigten zudem, dass sich Kasparow sogar hätte in eine bessere Stellung bringen können. In der 6. und letzten Partie am 11. Mai 1997 brach Kasparow dann völlig ein und musste eine der kürzesten Niederlagen seiner Karriere hinnehmen.

Kein Rematch

Nach der verlorenen Partie meinte der Russe, in manchen Zügen der Maschine hohe menschliche Intelligenz und Kreativität beobachtet zu haben. "Wie ein Gott" habe der Computer in seinen besten Momenten gespielt, sollte er später einmal zu Protokoll geben. Zudem unterstellte er IBM, dass Deep Blue während dem Spiel von Menschen unterstützt worden sei. Kasparow verlangte eine Revanche, die ihm der Softwarehersteller aber verweigerte.
Der Supercomputer wurde in seine Einzelteile zerlegt und in Museen ausgestellt. Teile davon sind heute unter anderem in der Smithsonian Institution in Washington sowie im Computer History Museum im Silicon Valley zu sehen. Über 20 Jahre nach dem Wettkampf revidierte auch Kasparow seine Vermutungen und zeigte sich überzeugt davon, dass er in der Partie von einem Computer besiegt wurde.

Loading

Mehr zum Thema

image

Parldigi direkt: Die Bratwürste nicht vergessen

Digitalisieren lässt sich fast alles, aber nicht alles wird dadurch besser. Beim Unterschriftensammeln ist E-Collecting Pflicht, denn es vermiest den Fälschern das Geschäft. E-Voting bleibt die heikle Kür. Unbedingt fördern sollten wir echte Begegnungen und Austausch.

publiziert am 1.7.2026
image

Code & Paragraphen: Wäre KI der gerechtere Richter?

Kolumnist Sven Kohlmeier plädiert für menschliche Entscheidungen in Strafverfahren. Bei zivilrechtlichen Fällen sieht er für KI hingegen durchaus ein Potenzial.

publiziert am 26.6.2026
image

Schlicht und einfach: Das Ende des Wilden Westens

Die Softwareentwicklung bekommt mit regulatorischen Vorgaben neue Leitplanken gesteckt. Sheriffs übernehmen die Kontrolle im Wilden Westen, meint Kolumnist Markus Schlichting.

publiziert am 19.6.2026
image

Von Hensch zu Mensch: 60 IT-Stellen weg. Na und?

Die Post schweigt zum Stellenabbau in der IT. Kolumnist Jean-Marc Hensch ist verwundert über die seltsame Stille eines Unternehmens, das uns alle kennt.

publiziert am 12.6.2026