Vorrats­daten­speicherung: Deutschland fügt sich dem EuGH-Urteil

31. März 2023 um 11:49
image
Quelle: Unsplash+

Der Europäische Gerichtshof urteilte, dass das deutsche Gesetz zur Vorrats­daten­speicherung nicht angewendet werden darf. Nun bestätigt dies auch das Bundes­verfassungs­gericht.

Eine Publikation des deutschen Bundesverfassungsgerichts sorgt für viel Aufmerksamkeit: Es erklärt, drei Beschwerden nicht zur Entscheidung anzunehmen. Dabei geht es um Verfassungsbeschwerden gegen Vorschriften des Telekommunikationsgesetzes (TKG) und der Strafprozessordnung (StPO) sowie die anlasslose Speicherung von Verkehrs- und Standortdaten auf Vorrat.
Das Gericht aber sieht sich nicht zuständig. Denn der Europäische Gerichtshof hat im Herbst 2022 entschieden, dass eine allgemeine und unterschiedslose Vorratsdatenspeicherung dem EU-Recht widerspricht. Sie dürfe daher auch in den EU-Ländern nicht angewandt werden.
Somit herrsche jetzt in Deutschland endlich Klarheit, schreibt die Bürgerrechtsorganisation Digitalcourage. Das Gericht habe bestätigt, dass das deutsche Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung keine Rechtswirkung mehr hat und nicht mehr angewendet werden kann, schreibt die Organisation. "Es gibt keine Spielräume im deutschen Recht dafür, trotzdem eine anlasslose Vorratsdatenspeicherung umzusetzen", so Konstantin Macher von Digitalcourage.
Bürgerrechtler gehen in Deutschland seit vielen Jahren gegen Vorratsdatenspeicherung vor. "Wir fordern die Politik auf, endlich das Ende der Vorratsdatenspeicherung zu akzeptieren", so Macher weiter. Mit Digitalcourage hat sich auch der Provider Mailbox.org in dieser Angelegenheit engagiert. Dessen CEO erklärt: "Die deutsche Politik hat über Jahre immer und immer wieder neu versucht, die Vorratsdatenspeicherung durch die Hintertür einzuführen. Es ist gesellschaftlich notwendig, dass dieses Thema ein für alle Mal beendet ist."

Loading

Mehr zum Thema

image

Millionen für neues IT-Meldesystem des BAG

Der Bundesrat hat 45,3 Millionen Franken für eine neue digitale Plattform zur Überwachung und Bekämpfung übertragbarer Krankheiten freigegeben. Das System soll 2034 fertig sein.

publiziert am 12.6.2026
imageAbo

Solothurn erneuert IT-System für Gefängnisse

Cancom liefert eine neue Lösung für die Verwaltung der Gesundheitsdaten in den kantonalen Gefängnissen. Das bisherige System von CGM wird abgelöst.

publiziert am 12.6.2026
imageAbo

GPK kritisiert externen Personalbedarf von IT-Basel-Stadt

Die Kommission des Basler Parlaments empfiehlt, die externen Dienstleistungen zu überprüfen. Die Abhängigkeit im operativen Betrieb sei hoch.

publiziert am 11.6.2026
image

Ständerat stimmt Pflicht für E-Rezepte zu

Die Massnahme soll die Medikationssicherheit erhöhen, den Datenaustausch im Gesundheitswesen verbessern und die Digitalisierung der Prozesse vorantreiben.

publiziert am 11.6.2026