Der Kanton Wallis geht bei Künstlicher Intelligenz einen eigenen Weg. Ab sofort steht den Mitarbeitenden der Kantonsverwaltung eine von der Kantonalen Dienststelle für Informatik (KDI) selbst entwickelte KI-Plattform namens AVA zur Verfügung. AVA steht für "Assistant Valaisan Augmenté". Damit will der Kanton die Kontrolle über sensible Daten behalten und Kosten sparen. Nach eigenen Angaben gehört das Wallis damit zu den Vorreitern in der Schweiz.
Die Plattform soll die Mitarbeitenden beim Verfassen und Zusammenfassen von Texten, bei Recherchen und Übersetzungen unterstützen. Sie funktioniert ähnlich wie ChatGPT und ist über Computer und Mobiltelefon zugänglich.
Anders als bei kommerziellen Angeboten bleiben die Daten laut Finanzdirektorin Franziska Biner vollständig unter kantonaler Kontrolle. "Keine Daten gelangen zu ausländischen Anbietern", versicherte sie vor den Medien. Auch die Gespräche der Mitarbeitenden würden nicht zum Training der KI-Modelle genutzt werden.
"Ein grosser Teil der Verwaltungsarbeit betrifft vertrauliche und schutzbedürftige Daten, deren Verwendung mit den frei zugänglichen kommerziellen Diensten problematisch oder sogar untersagt ist. Ohne ein internes Angebot riskiert die Verwaltung einen unkontrollierten Einsatz dieser Instrumente", wird Biner vom 'Walliser Boten' zitiert.
Viele Angestellte der Kantonsverwaltung würden bereits KI-Tools nutzen, und das stelle ein Sicherheitsproblem dar. Mit einem eigenen KI-Tool müsse man keine Angst haben, dass vertrauliche Daten ins Ausland wandern.
Auch deutlich tiefere Betriebskosten
Die Betriebskosten betragen laut Kanton nur rund zwei Franken pro Monat und täglich aktivem Nutzer. Das seien mindestens 20 Franken weniger als bei einer kommerziellen Lösung, erklärte Florian Bersier, Leiter der kantonalen KI-Fachstelle.
Die Entwicklung begann im April. Während einer mehrmonatigen Pilotphase testeten mehr als 2000 Mitarbeitende die Plattform.
Technisch setzt der Kanton auf spezialisierte KI-Modelle, etwa für Personalfragen, rechtliche Angelegenheiten oder parlamentarische Geschäfte.
Das System treffe keine Entscheidungen und ersetze weder menschliches Fachwissen noch Arbeitsplätze, betonte Biner. Die Einführung begleiten Schulungen und Richtlinien für einen verantwortungsvollen Einsatz.
Zusammenarbeit über Kantonsgrenzen hinaus
Langfristig will das Wallis die Plattform auch Gemeinden und weiteren öffentlichen Einrichtungen zugänglich machen. Zudem strebt der Kanton eine Zusammenarbeit mit anderen Kantonen an.
Eine eigenständige KI könne auf Dauer kaum von einem einzelnen Kanton allein betrieben werden, sagte Bersier. Dafür brauche es ein gemeinsames Schweizer Ökosystem.