Jetzt gibt es auch erste Opfer in der Schweiz. Im Kanton Bern waren die Kühlanlage einer Metzgerei betroffen und auch der Detailhändler Volg meldete Probleme bei der Kühlung in drei Läden.
"Durch einen gezielten Cyberangriff wurde die elektronische Steuerung unserer Kühl- und Tiefkühlanlagen manipuliert", schrieb die Metzgerei Lüthi's Fleischwaren auf ihrer Website. Zuerst
berichtete 'SRF online' darüber.
Einem Korrespondenten sagte der Inhaber, die Temperatur im Tiefkühler sei auf 50 bis 70 Grad gestiegen. Das Fleisch sei wie gekocht gewesen, die Preisschilder geschmolzen. Man habe den Raum nur mit Mundschutz betreten können.
Um mögliche Risiken für die Lebensmittelsicherheit auszuschliessen, trennten die Ladeninhaber die Kühlanlagen vom Netz und schlossen das Geschäft vorübergehend. Nun würden sämtliche Prozesse und Anlagen geprüft, hiess es auf der Website.
Am 20. November will die Metzgerei wieder öffnen. Voraussetzung sei, dass die Anlagen dann wieder zuverlässig kühlten.
Berner Polizei ermittelt
Die Kantonspolizei Bern sei am Montag "kurz über den Sachverhalt informiert worden", sagte ein Sprecher auf Anfrage der Nachrichtenagentur 'Keystone-SDA'. "Bislang ist aber noch keine Anzeige eingegangen." Die Polizei habe die Ermittlungen aufgenommen und werde nun die betroffene Firma kontaktieren.
Der Angriff auf die Metzgerei war der erste öffentlich gewordene Cyberangriff dieser Art in der Schweiz, der zweite folgte aber sogleich.
Kühlung von drei Volg-Läden gestört
Auch der Detailhändler Volg meldete nämlich Probleme mit der Kühlung. In drei Volg-Verkaufsstellen seien einzelne Parameter in den Kühlanlagen verstellt worden, teilte Volg auf Anfrage mit. Die Fenaco-Tochter bestätigte damit einen entsprechenden Bericht von 'SRF'.
Die notwendigen Massnahmen seien ergriffen wurden, so die Volg-Sprecherin weiter. Die Situation sei unter Kontrolle. Zu konkreten technischen Sicherheitsmassnahmen, zur Zusammenarbeit mit externen Dienstleistern und zu internen Abläufen würden "aus Sicherheitsgründen" keine Angaben gemacht. Die Schadenshöhe wurde ebenfalls nicht beziffert.
Krisentreffen in der EU
In den letzten Wochen griffen Cyberkriminelle Kühlanlagen in europäischen Supermärkten an. Betroffen waren unter anderem Läden in Frankreich, Belgien, Schweden, Irland, Estland und den Niederlanden. Die EU-Kommission berief inzwischen zwei Krisentreffen ein. Dabei ging es vor allem darum, Informationen auszutauschen und das weitere Vorgehen abzustimmen, wie ein Sprecher der Kommission in Brüssel sagte.
Der EU-Agrarkommissar Christophe Hansen sprach von einem gezielten Versuch, die Lebensmittelversorgung zu stören und das Vertrauen der Konsumierenden zu untergraben. Die Versorgungssicherheit sei derzeit aber nicht gefährdet. Wer hinter den Attacken steckt, ist bislang unklar.