Weiteres Eingeständnis von Google bei Store-Gebühren

11. November 2022, 13:40
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Erste Anbieter wie Spotify können die Abo-Kosten direkt in ihren Android-Apps in Rechnung stellen. Dadurch sinken die Abgaben an Google.

App-Entwickler müssen Apple und Google einiges an Gebühren abliefern, wenn sie beispielsweise In-App-Käufe anbieten. Diese Gebühren sind den Entwicklern schon lange ein Dorn im Auge. Mit verschiedenen Massnahmen hie und da versuchen die Tech-Giganten zu beschwichtigen.
Neu kündigt Google die Ausweitung eines Pilotprogramms an, das es App-Anbietern erlaubt, Kosten für Abos ihren Kunden direkt in Rechnung zu stellen. Damit reduzieren sich die Gebühren, die Anbieter an Google abtreten müssen. Der Schritt sei ein bedeutendes Zugeständnis und ein deutlicher Unterschied zu Apple, bemerkt 'CNBC'.
Normalerweise nehmen Google Play und Apples App Store zwischen 15 und 30% der digitalen Verkäufe innerhalb von Apps über ihre Abrechnungsplattformen ein. Indem Unternehmen die Kreditkarten der Nutzer direkt in einer App abrechnen können, können Dienste wie Spotify diese Gebühren reduzieren.
Google macht dies nicht ganz freiwillig. Neben dem Druck der Anbieter spielte auch ein Gerichtsentscheid in Südkorea eine Rolle. In den Niederlanden hatten sich zudem Dating-App-Entwickler in der Gebührenfrage gegen Apple behauptet.
Google erklärte in einem Support-Dokument, dass Apps, die direkt mit den Nutzern abrechnen, weiterhin einen Prozentsatz ihrer App-Verkäufe an Google abliefern müssen. Und Spotify werde weiterhin Abonnementzahlungen über die Google Play-Abrechnung akzeptieren. "Wenn sich ein Verbraucher für ein alternatives Abrechnungssystem entscheidet, wird die Servicegebühr, die der Entwickler zahlt, auf 4% reduziert", heisst es in einem Support-Dokument von Google.
Bei dem Schritt handelt es sich um eine Ausweitung eines Pilotprojekts und gilt noch nicht für sämtliche App-Anbieter und Märkte. "Die Pilotteilnehmer können ihren Nutzern in ausgewählten Ländern ein zusätzliches Abrechnungssystem neben dem Abrechnungssystem von Google Play anbieten", schreibt Google. Zu den Regionen gehören neben Europa neu auch die USA. Konkret genannt werden von Google die Anbieter Bumble und Spotify.
Spotify hatte sich schon länger vehement gegen die Gebühren und Regeln der App-Stores gewehrt und sie als wettbewerbswidrig bezeichnet. Der grösste Teil des Zorns richtete sich dabei gegen Apple. Denn das Android-Betriebssystem erlaubt "Sideloading", also die Installation von Apps aus anderen Quellen als Google Play. Apple argumentiert, dies aus Security-Gründen nicht zuzulassen.
Das Zugeständnis von Google ist wohl auch ein Zeichen dafür, dass Spotify sich mit Google geeinigt hat. Die Debatte mit Apple in diesem Punkt ist noch nicht beendet. Spotify begrüsste die Entscheidung von Google in einem Blogbeitrag. Der Streaming-Dienst habe diese Woche damit begonnen, Premium-Abonnements in mehreren Ländern weltweit direkt abzurechnen. "Google hat einen mutigen Schritt unternommen, um gleiche Wettbewerbsbedingungen zu schaffen, aber das ist erst der Anfang", so das Unternehmen.
App-Anbieter hatten allerdings gehofft, dass die Änderungen drastischer ausfallen. Die Entwickler wollen die Möglichkeit haben, ihren Kunden direkt Rechnungen zu stellen, ohne einen Anteil an einen mobilen App-Store zu zahlen.
Wettbewerbsbehörden werden die Entwicklung wohl genau folgen. Ausserdem könnte die Erweiterung des Pilotprojekts bei Google den Druck auf Apple erhöhen.

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