Die Stadt Winterthur will die Abwärme des Rechenzentrums von Vantage in Neuhegi anzapfen, die derzeit ungenutzt in die Umgebung verpufft. Dies sieht der Masterplan für Wärmenetze vor, den der Stadtrat am 29. Oktober publizierte. Der Ankündigung vorausgegangen
war bereits eine Prüfung der möglichen Nutzung.
Um die Abwärme des Rechenzentrums nutzen zu können, muss diese allerdings noch von 24 Grad Celsius auf 70 Grad erwärmt werden. Dies soll mit Wärmepumpen passieren, wie der Stadtrat mitteilte. Um die Wärme in die Wohnungen zu bringen, ist zudem ein Ausbau des Wärmenetzes nötig.
Die Pläne enthalten gemäss Stadtrat aber noch viele Ungewissheiten. Unter anderem beruht die Abwärme-Menge auf Schätzungen. Es könne zudem von Vantage nicht garantiert werden, dass die Wärme immer in dieser Menge produziert wird. Wann die RZ-Abwärme erstmals Wohnungen heizt, ist deshalb offen.
Vantage expandiert in der Region
Datencenter sind gigantische Strom-Fresser. Die Rechenzentren, die in der Schweiz bereits gebaut wurden, verbrauchen zusammen etwa 2,1 Milliarden Kilowattstunden. Das neue Rechenzentrum in Winterthur-Neuhegi beispielsweise benötigt alleine halb so viel Strom wie die ganze Stadt mit ihren über 120'000 Einwohnerinnen und Einwohnern zusammen.
Der amerikanische RZ-Betreiber Vantage expandiert in der Schweiz. Nicht nur soll der bestehende Campus in Winterthur ausgebaut werden, auch
in Glattfelden wird gebaut und ein dritter Standort in Volketswil ist geplant. Anders als in Winterthur ist an den anderen Standorten schon vorgesehen, die Abwärme zu nutzen und in ein Fernwärmenetz einzuspeisen.
Auch Thema im Kantonsrat
Die Abwärme von Rechenzentren war auch bereits Thema im Zürcher Kantonsrat. Eine Parlamentsmehrheit überwies vor zwei Jahren einen Vorstoss, der forderte, dass Rechenzentren dazu verpflichtet werden sollen, ihre Abwärme für Wärmeverbünde zur Verfügung zu stellen.
Der Regierungsrat lehnte eine solche Verpflichtung jedoch ab. Es sei wichtiger, bei den Rechenzentren die Effizienz zu steigern.