Xplain-Hack könnte Grossprojekt der Waadtländer Polizei bremsen

16. Oktober 2023 um 13:18
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Foto: Police Cantonale Vaudoise

Im Kanton Waadt soll ein neues Informationssystem für die Polizei eingeführt werden. Die Lösung stammt von Xplain. Laut einem Bericht tauchen jetzt Bedenken auf.

Ende 2018 vergab der Kanton Waadt einen Auftrag für "eine neue Lösung als Ersatz für die alten Informationsanwendungen der Waadtländer Polizeien" an Xplain. Für das Projekt "Odyssée" sprach der Kanton damals laut der Beschaffungsplattform Simap einen Zuschlag von 9,2 Millionen Franken an die Interlakner Firma. Nach dem Cyberangriff auf Xplain drohen dem Grossprojekt jetzt Verzögerungen, wie 'RTS' berichtet.
Mit Odyssée sollen die Kantonspolizei Waadt wie auch die dortigen Gemeindepolizeien bis 2025 ein neues Informationssystem auf der Grundlage der Lösung von Xplain erhalten. Laut 'RTS' wurden von Gemeinden und Kanton bisher insgesamt 21 Millionen Franken dafür gesprochen. Seit einem Jahr sei das Projekt in eine "aktivere Phase" eingetreten. Doch die Zusammenarbeit mit Xplain stehe auf der Kippe.

Arbeitsdokumente und sensible Daten gestohlen?

Nach Informationen von 'RTS' wurden bei dem Angriff durch die Ransomware-Bande Play einige Arbeitsdokumente zu dem Projekt gestohlen. Eines davon enthalte Passwörter für den Zugriff auf einen Server mit vertraulichen Inhalten. Man habe herausgefunden, dass einer der Verantwortlichen für das Projekt Odyssée bei Xplain Zugang zu hochsensiblen Daten hatte, die mehreren Kantonspolizeien gehörten, darunter auch solche von der Kantonspolizei Waadt. "Angeblich vertraulich gehaltene operative Informationen, die über das Fedpol zu Xplain gelangt waren und heute im Darknet zu finden sind", schreibt 'RTS'.
Jean-Christophe Sauterel, Leiter Kommunikation bei der Kantonspolizei Waadt, zeigt sich gegenüber dem Westschweizer Sender nicht beunruhigt: "Es gibt Vertragsdokumente, die mit dem Projektteam zu tun haben, die durchgesickert sind, aber keine operationellen Daten. Wir befinden uns auf der Ebene der Projektentwicklung, in die wir keine solchen Daten eingegeben haben."

Kanton Waadt führt eigene Analyse durch

Aktuell habe sich das Projekt Odyssée einige Monate verzögert, bis sich Xplain von dem Cyberangriff erholt hätte. Seit dem Vorfall "arbeiten unsere Teams immer mit dem Berner Unternehmen zusammen, um die Entwicklung der Situation genau zu verfolgen und die Sicherheitsmassnahmen zu Beginn des Projekts zu berücksichtigen", so Sauterel.
Man warte auch auf die Ergebnisse der Ermittlungen, die auf Bundesebene im Zusammenhang mit dem Xplain-Hack durchgeführt werden. Der Kanton Waadt führe aber auch eine eigene Analyse durch. "Diese befasst sich mit den Folgen des Angriffs und der Frage, wie der Kanton mit diesem Projekt und den vertraglichen Beziehungen mit den verschiedenen Partnern einschliesslich Xplain weiter verfahren soll. Alle Optionen sind offen", erklärt der Kantonspolizei-Sprecher.
Von 'RTS' kontaktierte Mitglieder des Kantonsparlaments äussern hingegen Bedenken zum Fortgang des Projektes. Michael Wyssa (FDP) fragt sich, ob Xplain nicht Konkurs gehen werde. "Wird die Firma den Folgen dieses Angriffs standhalten? Da das Projekt Odyssée bereits angelaufen ist, gibt es finanzielle Risiken und auch Verzögerungsrisiken." Cédric Roten (SP) sorgt sich um die digitale Souveränität des Kantons: "Wir haben jetzt die Möglichkeit, bei den Partnern rechtlich zu prüfen, wie sie mit den Daten umgehen. Wir müssen jetzt eingehender über die technische Kontrolle nachdenken: Wie der Anbieter die Daten technisch auf seinen Servern verarbeitet, wie er sie synchronisiert und wo sie gespeichert werden."

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