Wie wir gestern, 15. Juni, exklusiv berichteten, wird
die Schulsoftware Educase eingestellt. Ebenso gibt deren Entwicklerfirma Base-Net Education ihre Aktivitäten per Ende Juli 2022 auf, betroffen sind 10 Mitarbeitende. Grund für das Ende sei, dass der Kanton Luzern das "Einführungsprojekt mit Educase einseitig beendet" habe. Die negativen Medienmitteilungen seien "derart einschneidend" gewesen, "dass wir es als unmöglich betrachten, im relativ kleinen und gut vernetzten Bildungsmarkt weiterhin erfolgreich zu sein", heisst es in einer internen E-Mail von Base-Net Education.
Graubünden: Für Educase-Beschaffung waren die Schulen zuständig
Noch im Einsatz ist Educase etwa am Bildungszentrum Surselva in Ilanz, der Academia Engiadina in Samedan sowie an der Kantonsschule Trogen und am Bildungszentrum Herisau im Kanton Appenzell Ausserrhoden. Im Kanton Graubünden sind ein Grossteil der Mittel- und Berufsfachschulen keine kantonal geführten Schulen. "Die Zuständigkeit für die strategische und operative Führung der genannten Schulen obliegt der Schule bzw. der entsprechenden Schulträgerschaft. Darunter fallen auch die Beschaffung und Umsetzung von Schulverwaltungssoftware", teilt uns das Erziehungs-, Kultur- und Umweltschutzdepartement Graubünden mit.
In Appenzell Ausserrhoden war für die Beschaffung von Educase hingegen das kantonale Departement Bildung und Kultur zuständig. Der Zuschlag an Base-Net Education erfolgte im Juli 2015, für einen ursprünglichen Preis von 538'000 Franken, wie der Ausschreibungsplattform Simap zu entnehmen ist.
Wie im Kanton Luzern kam es aber beim Projekt zu Verzögerungen und Problemen.
Appenzell Ausserrhoden: Harsche Kritik der GPK
Zweimal, für die Jahre 2020 und 2021, beschäftigte sich die Geschäftsprüfungskommission (GPK) in ihrem Jahresbericht mit dem Projekt. Das Urteil der GPK fiel zuletzt harsch aus. Die Gesamtsituation von Educase präsentiere sich nach wie vor als "unbefriedigend". Die Performance sei ungenügend, Termine seien wiederholt nicht eingehalten und Mängel nicht behoben worden. Die GPK empfahl: Die Verantwortlichen
sollten ein Ausstiegsszenario prüfen.Mit dem Ende von Educase wurde eine solche Prüfung jetzt vorweggenommen. Departementssekretärin Daniela Ittensohn erklärt auf Anfrage von 'inside-it.ch': "Das Departement Bildung und Kultur wie auch die AR Informatik AG wurden über die definitive Einstellung der Leistungen für den Betrieb Educase per Ende Juli 2022 informiert. Aufgrund dieser äusserst unerfreulichen Tatsache sind wir gezwungen, mit einem ausserordentlichen und hohen Aufwand die Schulverwaltung aufrecht zu erhalten." Der Regierungsrat habe deshalb auf Antrag des Departements einen Projektauftrag zur Beschaffung einer Schulverwaltungssoftware Sek II genehmigt.
"Erwartungen wurden nicht erfüllt"
Das Projekt Educase wurde in Appenzell Ausserrhoden im Sommer 2020 formell abgeschlossen. Man befinde sich "demnach im Betrieb", so Ittensohn. Aber: "Unsere Erwartungen an eine funktionsfähige Schulverwaltungsadministration konnte und kann das Produkt Educase für den Schulbetrieb der kantonalen Schulen nicht erfüllen." Auch die Versuche der Problembehebung durch das Departement, die Schulen und AR Informatik hätten keine nachhaltige Verbesserung gebracht.
"Die für einen produktiven Betrieb nötige Anwendungseffizienz, Zuverlässigkeit, Fehlerfreiheit und Stabilität ist auch nach Abschluss des Projektes nicht gegeben", heisst es beim Bildungsdepartement. "Das Vertrauen in die Firma Base-Net Education ist seit längerem stark beeinträchtigt."