Atos und das Prinzip Hoffnung

28. Juli 2022, 07:29
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Die Firmenzentrale von Atos in Bezons. Foto: Atos / ©Romi/REA

Der französische IT-Dienstleister will die Finanzierung seines Sanierungsplans gesichert haben. Der Konzern rechnet mit einer Umsatzverbesserung.

Atos wies bei der Bekanntgabe der Halbjahreszahlen 2022 darauf hin, dass besonders das 2. Quartal dieses Jahres eine stark verbesserte Geschäftsdynamik gezeigt habe. Die Auftragseingänge von bestehenden und neuen Kunden seien deutlich gewachsen, und es sei zu mehreren hochkarätigen Vertragsabschlüssen gekommen, heisst es in einer Mitteilung. Allerdings seien zusätzlich zu den üblichen saisonalen Schwankungen "die operative Marge und der freie Cashflow im ersten Halbjahr durch Inflation und Gegenwind aus der Lieferkette beeinträchtigt" worden.
Konkret war der Umsatz in den letzten 6 Monaten mit rund 5,5 Milliarden Euro um 0,6% leicht rückläufig. Dabei verzeichnete das traditionelle RZ- und Workflow-Business einen Rückgang von 2,6%, während der Bereich Evidian mit Cybersecurity und Big Data um 2% zulegte. Akquisitionen und Wechselkurseffekte, "hauptsächlich auf die Aufwertung des amerikanischen Dollars und des britischen Pfunds gegenüber dem Euro", hätten im Berichtszeitraum mit fast 5% zum Umsatz beigetragen. Die operative Marge ist mit 59 Millionen Euro oder 1,1 % des Umsatzes tief ausgefallen.
Es verwundert daher nicht, dass das arg gebeutelte Unternehmen angibt, dass in der zweiten Jahreshälfte eine deutliche Verbesserung bei den Kennzahlen erwartet werde. Da ausserdem die Anfang Jahr eingeleiteten Optimierungsmassnahmen greifen würden, sei man "sehr zuversichtlich", die Ziele fürs Gesamtjahr erreichen zu können.
Ausserdem, wird weiter mitgeteilt, sei die "Fremdfinanzierung erfolgreich gesichert und unser Transformationsplan nun für die Übergangszeit bis zu der anvisierten Aufspaltung in zwei börsennotierte Unternehmen vollständig finanziert". Ausserdem wurde unsere Liquidität deutlich gestärkt.”
Die Nachrichtenagentur 'Reuters' nennt die ersten 6 Monate dieses Jahres "besonders turbulent" für Atos. Damit wird auf die Gewinnwarnungen und den abrupten Chefwechsel angespielt, mit denen der Konzern zuletzt konfrontiert war. Erst vor kurzem hat ein neues Management-Team um Nourdine Bihmane das Ruder übernommen.
Zur schwachen Marge heisst es im Bericht weiter, dass Atos wie die Konkurrenten mit einer hohen Mitarbeiterfluktuation und Lohninflation zu kämpfen habe, die die Margen belasten. Hinzu kämen die Folgen der relativ langsamen Cloud-Umstellung.
Allerdings schreibt Atos auch, dass die Finanzierung der geplanten Zweiteilung des Konzerns stehe. Und das, obwohl die Kreditwürdigkeit von Atos vor einem Monat noch zurückgestuft worden war. Die erforderlichen 1,5 Milliarden Euro, die Investitionen und Umstrukturierungskosten für beide getrennten Einheiten umfassen, seien gesichert und die definitiven Verträge mit den Banken sollen "in den nächsten Tagen" unterzeichnet werden. Der Umbau soll unter anderem durch den Verkauf von nicht zum Kerngeschäft gehörenden Vermögenswerten von 700 Millionen Euro finanziert werden.

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