AWS ist profitabel, Google Cloud defizitär

10. März 2022 um 13:15
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Foto: Engin Akyurt/Unsplash

Im Vierjahresvergleich hat AWS 13 Milliarden Gewinn erwirtschaftet, während die Google Cloud fast 18 Milliarden Verlust ausgewiesen hat. Warum eigentlich?

Obwohl die Cloud-Sparte als Hoffnungsträger von Google gilt und neben dem Werbegeschäft zum wichtigen Geldbringer werden soll, ergeben die Zahlen ein ganz anders Bild. Der Vergleich mit Branchenpionier Amazon Web Services (AWS) zeigt, dass Google Cloud grosse Mühe hat, Boden gegenüber dem Konkurrenten gutzumachen. Das ist einem Bericht auf 'The Information' (Paywall) zu entnehmen, der danach fragt, warum AWS Geld verdient, während das mit der Google Cloud nicht gelingt.
Konkret werden die Zahlen der 4 Jahre von Mitte 2014 bis Mitte 2018 verglichen. In dieser Zeitspanne habe AWS etwa 13 Milliarden Dollar an Gewinnen erwirtschaftet, während sich das Cloud-Geschäft von Google mit mehr als 17 Milliarden Dollar Verlust präsentiert habe. Bemerkenswert sei dabei, dass AWS immer Gewinne und Google Cloud immer Verluste ausweisen musste: "Auch im vergangenen Jahr hat Google Cloud trotz eines Umsatzes von 19 Milliarden Dollar, also einer Grössenordnung, die in der Regel Gewinne bringt, mehr als 3 Milliarden Dollar verloren", konstatiert der Bericht.
Die Daten unterstreichen, so der Bericht weiter, dass Google Cloud trotz der jüngsten finanziellen Verbesserungen mit einer Reihe von Kosten und Herausforderungen zu kämpfen hat, die bei AWS nicht bestehen. Und das würde verdeutlichen, warum es für Google Cloud schwer sein werde, in Zukunft zu den Gewinnmargen von AWS aufschliessen zu können.

Kaum Wechsel bei margenstarken Services

Mit Berufung auf nicht genannte ehemalige Mitarbeiter und Personen, die mit Google Cloud Geschäfte machen, heisst es: Die Probleme umfassten wenig margenstarke Dienste und reichten bis hin zu relativ hohen Gemeinkosten und einer eher nachlässigen Entwicklungskultur. Unter anderem könne AWS jedenfalls mehr margenträchtige Services wie Cloud-Datenbanken und Analysesoftware verkaufen als Google Cloud. Solche Dienste seien für alle Cloud-Anbieter strategisch wichtig, denn wenn die Kunden sie erst einmal angenommen haben, sei es für sie schwierig, zu ähnlichen Services von Konkurrenten zu wechseln. Und während AWS mehrere Datenbank- und Analyseservices anbiete, die jährlich Hunderte von Millionen Dollar Umsatz generierten, konzentrierten sich die Einnahmen von Google Cloud auf eine Handvoll solcher Produkte. So stamme ein Grossteil des Umsatzes im Bereich Datenanalyse beispielsweise von einem Produkt namens BigQuery, das bis Anfang Dezember 1,5 Milliarden Dollar des Umsatzes von 2021 gebracht habe, so der Bericht weiter.
Aber Google strebe ein Umdenken an, wie nicht nur der Zukauf von Mandiant zeigt. Auch ein internes Treffen vom Google-Cloud-CEO Thomas Kurian im letzten Monat mit den Mitarbeitenden weist in diese Richtung. Laut dem Bericht von 'The Information' habe er dabei mitgeteilt, er gehe davon aus, dass die Cloud-Einheit noch in diesem Jahr profitabel sein werde. Demnach will Kurian zusätzlich zur Wiedereinführung der Gehaltsobergrenze für Vertriebsmitarbeiter im letzten Jahr auch die Provision beim Verkauf von Produkten Dritter über den Online-Marktplatz von Google Cloud kürzen. Es wird erwartet, dass diese Änderungen die Gewinnspanne von Google Cloud verbessern werden, heisst es auf 'The Information'.

Wachstumsprobleme

Als ein offensichtlicher Faktor für das Hinterherhinken wird der erst 2014 erfolgte Einstieg in den Markt genannt, also 8 Jahre nach der Markteinführung von AWS. Google habe erst von da an ernsthaft das Cloud-Geschäft adressiert und stark in Rechenzentren und Mitarbeiter investieren müssen nur um mit AWS und Microsoft Azure, der Nummer 2 im Cloud-Business, Schritt zu halten. Die mangelnde Rentabilität von Google Cloud sei mit Sicherheit den Investitionen in das Wachstum der Plattform selbst geschuldet, wird ein Cloud-Spezialist zitiert. Jedenfalls habe AWS, als sein Umsatz noch uf ähnlichem Niveau war, nicht den gleichen Wettbewerbsdruck zu spüren bekommen, um vorne mitzuspielen.
Schliesslich wird noch auf ein Wachstumsproblem bei Google Cloud hingewiesen. Zwar habe der CFO der Google-Mutter Alphabet zuletzt noch gegenüber Analysten mit dem jährlichen Umsatzwachstum der Cloud-Einheit von 47% geprahlt. Doch wenn man dieses Ergebnis mit dem vergangenen und aktuellen Wachstum von AWS vergleicht, sieht es weit weniger beeindruckend aus. Ab Mitte 2015, als AWS auf Jahresbasis den gleichen Umsatz generierte wie Google Cloud Ende 2018, wuchs AWS in den folgenden drei Jahren schneller als Google. Und auch im vergangenen Jahr sei AWS auf einem Wachstumstrip gewesen und der Umsatz sei um 37% gestiegen, also "nur 10 Prozentpunkte langsamer als der von Google Cloud, obwohl das Unternehmen gemessen am Umsatz dreimal so gross ist wie Google Cloud", wie 'The Information' schreibt.

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