Knapp ein halbes Jahr nach dem letzten Nachkredit für Citysoftnet musste der Berner Stadtrat bereits wieder über den nächsten befinden. Im März 2025 ging es um
den fünften Nachkredit für die Fallführungssoftware. Mit 43 zu 25 Stimmen genehmigte das Stadtparlament diesen in der Höhe von 2 Millionen Franken.
Im April beantragte der Berner Gemeinderat dann
den sechsten Nachkredit. Weitere 1,5 Millionen Franken würden benötigt. Die Umstellung auf Citysoftnet im Amt für Erwachsenen- und Kindesschutz (EKS) habe "in Kombination mit anderen Herausforderungen zu Mehraufwand und einer Überlastung des Personals" geführt, so die Begründung der Stadtregierung. Um einen Normalbetrieb zu erreichen, brauche es erneut zusätzliche finanzielle Mittel.
In seiner Sitzung vom 21. August stimmte das Parlament dem Antrag mit 48 zu 17 Stimmen bei 6 Enthaltungen zu. Obwohl der Entscheid deutlicher als im März ausfiel, machten zahlreiche Ratsmitglieder ihrem Unmut Luft. "Wir erwarten endlich eine seriöse Budgetierung", zitiert die Nachrichtenagentur 'Keystone-SDA' Corina Liebi (GLP/EVP). Sie bezeichnete das Vorgehen des Gemeinderats als naiv. Neben ihrer Fraktion lehnten auch SVP und die Mitte die Vorlage ab.
Das gemeinsame Projekt Citysoftnet von Bern, Basel und Zürich gerät immer wieder
in die Schlagzeilen. Als erste Stadt wurde die Software 2023 in Bern eingeführt. Seither kommt es regelmässig zu Problemen. Voll funktionsfähig soll das System erst 2026 sein. Inzwischen haben sich die Gesamtkosten in Bern auf 10 Millionen Franken summiert. Auch die Berner GPK hatte harsche Kritik am Projekt geäussert. Die Fehler und Versäumnisse beim Projekt
seien "nicht akzeptabel".In Bern kommt dazu, dass die Stadt gemäss aktuellem Stand bis spätestens 2031 auf das "Neue Fallführungssystem im Kanton Bern" (NFFS) wechseln muss. Dann müsste Citysoftnet wieder ausser Betrieb genommen werden.