Broadcom will bei VMware auf Abo-Modell setzen

8. Juni 2022 um 15:00
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Foto: Christopher Hsia / Lizenz: CC BY-SA 2.0

Nach der Übernahme von VMware will Chiphersteller Broadcom deren Lizenzen nur noch über einen Subscription-Service verkaufen. Die Preise dürften dadurch steigen.

Letzte Woche berichtete 'The Register', dass Broadcom nach der 61-Milliarden-Dollar-Übernahme von VMware einen "schnellen Übergang von unbefristeten Lizenzen zu Abonnements" vollziehen will. Tom Krause, Präsident der Broadcom Software Group, wurde in einem Gespräch gefragt, wie der Halbleitergigant seine Prognose einhalten will, dass VMware innerhalb von 3 Jahren nach Abschluss der Transaktion ein EBITDA von etwa 8,5 Milliarden US-Dollar erreicht. Seine Antwort: "Abonnements". Die Umstellung soll offenbar im Laufe der nächsten Jahre erfolgen, schreibt das Techmagazin.
Krause habe auch wiederholt gesagt, dass Broadcom beabsichtige, in das Produktportfolio von VMware zu investieren und sich über den Erwerb der neuen Vertriebsorganisation und -kanäle freut. Sowohl Krause als auch Broadcom-CEO Hock Tan erklärten, dass Broadcom die mehr als 300'000 Kunden von VMware auch weiterhin betreuen will. "Wir werden dafür sorgen, dass sie gut unterstützt werden", sagte Tan. "Das ist eine Geschäftsbasis, die wir ausbauen werden." Die Vertriebspartner erhalten diese Aufgabe zugewiesen. "Wir wollen uns nicht vom Channel abwenden", sagte Tan. "Wir wollen ihn einbeziehen."

Was sagen die Partner?

Inside-it.ch hat beim VMware-Vertriebspartner Bechtle nachgefragt, wie sich die Änderungen auf das Geschäft auswirken könnten. Das IT-Systemhaus antwortete uns, dass VMware mit dem abonnementbasierten Lizenzierungsmodell den gleichen Weg einschlage wie bereits andere grosse Software-Hersteller. Für die Kunden bedeute der Wandel auch eine Chance, Lizenzbestände aufzubrechen und diese an die Menge der tatsächlichen Nutzenden anzupassen, so Marcel Baur, Business Development Manager für Dell und VMware bei Bechtle Schweiz.
Auf die mögliche Entwicklung der zukünftigen Preise angesprochen, meinte Baur: "Preisanpassungen kennen in der Regel nur einen Weg, den nach oben." Wenn man sich gemäss ihm die noch junge Historie der Subscription-Lizenzen diverser Software-Hersteller ansehe, "führt die Umstellung nicht zu günstigeren Preisen". Dennoch sehe man darin für die Kunden eine Chance, Produkte zu implementieren, die im Kauf deutlich teurer wären. Dank des Abo-Modells könnten die Lösungen laufzeitbeschränkt getestet und ausprobiert werden. "Gefällt ein Produkt, wird es weiterbezahlt, gefällt es nicht, kann das freigewordene Budget anderweitig eingesetzt werden."
Auch eine Abwendung vom Channel kann man bei Bechtle nicht sehen: Das VMware-Business sei aufgrund der Vielzahl von Lösungen sehr beratungsintensiv. Daher nimmt Baur die neuesten Entwicklungen auch nicht als eine Abwendung vom Channel wahr. Aus seiner Sicht wird sich der Channel in Zukunft allerdings vermehrt auf die grossen und beratungsstarken Partner konzentrieren. Ebenfalls sagte er, dass eine intensive Beratung notwendig sei, um die bestehenden Kostenmodelle miteinander zu vergleichen.
Andere angefragte VMware-Partner wie Swisscom oder UMB wollten oder konnten sich nicht zum Sachverhalt äussern.

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