Die Einführung der Schweizer E-ID verzögert sich. Ursprünglich war eine
Einführung für Ende 2026 vorgesehen, aktuell ist die Rede vom ersten Halbjahr 2027. Doch bei den involvierten Bundesstellen laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Dabei war auch ein Auftrag an den Cloud-Anbieter AWS vorgesehen, wie die 'Republik' berichtet.
Das Bundesamt für Justiz (EJPD) und das Bundesamt für Informatik und Telekommunikation (BIT) wollten im Frühling eine wichtige Aufgabe rund um die staatliche E-ID an AWS vergeben. Konkret sei es um zusätzliche Kapazitäten für den Betrieb der Vertrauensinfrastruktur gegangen, schreibt die
'Republik' (Paywall).
Veto von Bundesrat Jans
Der IT-Konzern sei für diese Aufgabe vor allem wegen eines Kriteriums in Betracht gekommen: seiner Verfügbarkeit. Bei einem möglichen Ausfall von Rechenzentren des Bundes hätte man auf die entsprechenden Cloud-Ressourcen von AWS zurückgreifen können. Das Bundesamt für Justiz bestätigte diese ursprünglichen Pläne gegenüber dem Online-Magazin: "Im Rahmen der Projektarbeiten wurden aus technischer Sicht sämtliche Optionen geprüft – unabhängig davon, welche Optionen favorisiert oder überhaupt in Erwägung gezogen wurden."
Doch EJPD-Vorsteher Beat Jans stoppte gemäss den 'Republik'-Recherchen im Februar 2026 das Vorhaben mit einem Veto. Ein Zuschlag an AWS komme nicht infrage. Eine Vergabe an einen Konzern, der dem "US Cloud Act" untersteht, würde den Plänen des Bundesrats für mehr digitale Souveränität der Schweiz diametral entgegenstehen, hätten Insider aus dem Umfeld des Bundesrats bestätigt.
Kopfschütteln bei E-ID-Befürwortenden
Bei angefragten Politikerinnen und Politikern habe "allein die Prüfung einer Vergabe an Amazon durch den Bund für Kopfschütteln gesorgt", so das Magazin. Nationalrätin Isabelle Chappuis (Mitte/VD), die sich im Parlament
stark für digitale Souveränität engagiert, sagte: "Beim staatlichen Einkauf digitaler Dienste geht es um Sicherheit. Es kommt vor allem darauf an, die Kontinuität der staatlichen Aufgaben zu sichern." Die technische Verfügbarkeit allein sei aber noch keine Garantie für Kontinuität. "Die entscheidende Frage ist, ob unser Staat seine Aufgaben weiterführen kann, wenn der Zugang gekappt wird, wenn der Anbieter die Regeln einseitig ändert oder wenn ein ausländischer Rechtszwang greift", erklärte Chappuis.
Nationalrat Gerhard Andrey (Grüne/FR),
einer der Wegbereiter der neuen E-ID im Bundesparlament, zeigte sich froh, dass der Bund von der Option AWS abgekommen sei. "Es wäre politisch kaum erklärbar gewesen, ausgerechnet die Vertrauensinfrastruktur der E-ID einem US-Konzern zu überlassen. Das Ja zur E-ID kam ja nur zustande, weil Unabhängigkeit von Big Tech versprochen worden war", sagte Andrey.