Der Fahrplan hin zur E-ID und darüber hinaus

16. März 2026 um 14:24
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Illustration: Getty / Unsplash+

40'000 Bundesangestellte sollen ab Juli die Online-Ausstellung testen. Doch was steht an, wenn die E-ID tatsächlich am 1. Dezember kommt?

"Wir hören immer wieder: Die E-ID kommt! Sie kommt. Sie kommt", sagte Rolf Rauschenbach. Der Programmverantwortliche E-ID des Bundes gab an einem Event zum Thema digitale Identitäten von Ergon Airlock Einblicke in den Fahrplan bis zum vorgesehenen E-ID-Start am 1. Dezember 2026. Dabei gelte es jedoch zu berücksichtigen, dass noch Stimmrechtsbeschwerden zur Abstimmung vom letzten September vor dem Bundesgericht hängig sind. Wird einer stattgegeben, steht eine weitere, dritte Abstimmung an.
"Wir müssen aber sowieso vorwärts machen", sagte Rauschenbach, "und davon ausgehen, dass wir am 1. Dezember starten." Neben der Klärung der Stimmrechtsbeschwerden gelte es, bis dann sicherzustellen, dass die Sicherheitsanforderungen erfüllt und die Barrierefreiheit gewährleistet ist.

Kritik aufgenommen

Ausgehend von den Kritiken im Vorfeld der Abstimmung wie auch denjenigen der Eidgenössischen Finanzkontrolle habe man Änderungen vorgenommen. So werde beispielsweise bei der Interaktion von Ausstellerinnen und Verifikatoren mit der Swiyu-Wallet das ursprüngliche Prinzip "maximale Offenheit" durch eine hohe Vertrauenswürdigkeit ersetzt: Ein Ausschluss sei in allen Fällen möglich.
Nur Ausstellerinnen mit einer Unternehmensidentifikation (UID), die im Basis- und Vertrauensregister eingetragen sind, könnten mit Swiyu interagieren. Verifikatoren müssten auch zusätzlich deklarieren, welche Daten zu welchem Zweck verlangt werden. In ausserordentlichen Fällen soll die Wallet eine Datenabfrage auch automatisch blockieren, zum Beispiel bei der Abfrage von AHV-Nummern ohne Rechtsgrundlage.

40'000 Bundesangestellte sind Testpersonen

Wie Rauschenbach weiter erklärte, wird die E-ID vor einer Einführung "in grossem, aber begrenzten Umfang" bundesintern getestet. Circa 40'000 Bundesangestellte würden ab Juli bis zur geplanten offiziellen Inbetriebnahme mit Test-IDs die Online-Ausstellung durchlaufen.
Startet die E-ID dann tatsächlich am 1. Dezember und tritt das E-ID-Gesetz in Kraft, erfolge die Bereitstellung der Vertrauensinfrastruktur gestaffelt. Die "Swiyu Version 1.0" enthalte dann unter anderem die sichere und barrierefreie Wallet sowie Check, den Online-E-ID-Antrag via Wallet und zusätzliche Massnahmen zum Schutz der Privatsphäre und Erhöhung der Sicherheit. Erst als spätere Abdeckungen sind Vor-Ort-Identitäten vorgesehen, die Online-Prüfung von Nachweisen, eine "100% Open Source Swiyu Wallet" und die Möglichkeit der E-ID in Dritt-Wallets.
Rauschenbach rief am Event insbesondere auch Unternehmen dazu auf, sich auf die Einführung vorzubereiten und mögliche Use Cases schon jetzt zu testen. Auf der Public-Beta-Website der E-ID würden Testanwendungen zur Verfügung stehen.

Adaption ist das grösste Problem

Auch Michael Doujak, Lead Digital Identity bei Ergon, betonte in seinem Vortrag: "Die Technologie ist nicht das Problem. Die Infrastruktur entsteht. Die Stabilität kommt, die Kultur, die Standards. Das wichtigste Problem ist, dass man die Menschen dazu bringt, das Angebot zu nutzen." Die Userinnen und User würden die Adaption einer E-ID treiben. Für diese würden Punkte wie Sicherheit und Vertrauen, Zeitersparnis, weniger Medienbrüche sowie Selbst-Souveränität im Zentrum stehen.
Sein Kollege Patrick Humbel, Consultant Digital Transformation bei Ergon, erklärte, Erkenntnisse aus der EU würden zeigen: "Für einen hohen Alltagsnutzen der elektronischen Identität sind Behörden und Banken zentral." So würden etwa Dänemark, Finnland und Norwegen bereits eine Adaptionsrate von 96 bis 99% aufweisen.
Davon ausgehend habe Ergon auch eine Adaption der E-ID in der Schweizer Bevölkerung geschätzt. In der "konservativen" Berechnung geht das Unternehmen bis 2029 von rund 40% aus, in der "optimistischen" von 60% der Bevölkerung, welche eine elektronische Identität nutzen. Dabei sei wichtig, dass sowohl der Privatsektor wie auch der öffentliche Sektor zusammen Use Cases umsetzen würden. "Und somit im Alltag die E-ID für die Schweizer Bevölkerung anbieten", sagte Humbel.


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