Bundesgericht schmettert KIS-Beschwerden ab

7. November 2025 um 10:54
image
Foto: Schweizerisches Bundesgericht

Das CHUV kann seine Ausschreibung für ein neues Klinikinformationssystem wieder aufnehmen. Zwei Beschwerden wurden in letzter Instanz abgewiesen.

Das Bundesgericht hat zwei Beschwerden des Genfer Unternehmens Kheops Technologies gegen die KIS-Ausschreibung des Centre Hospitalier Universitaire Vaudois (CHUV) und der Fédération des Hôpitaux Vaudois Informatique (FHVi) abgewiesen. Das höchste Schweizer Gericht bestätigte damit die Auswahlbedingungen für die Beschaffung eines gemeinsamen Klinikinformationssystems (KIS).
"Die zahlreichen Interventionen vor Gericht haben den Prozess erheblich verlangsamt und wurden alle in der Sache zurückgewiesen", kommentierte das CHUV das Urteil in einer Pressemitteilung. Die Ausschreibung tritt damit in ihre Endphase ein.

200-Millionen-Projekt

Das CHUV und elf regionale Institutionen wollen in den nächsten Jahren ein einheitliches KIS beschaffen. Die Ausschreibung war im September 2024 erfolgt, aber seither durch die Beschwerden blockiert. Die Kosten für die Einführung des neuen Systems werden auf 200 Millionen Franken geschätzt. Dieses soll alle Fachbereiche der Krankenhäuser abdecken: Erwachsenen- und Kinderonkologie, Notaufnahme, Intensivpflege, Genetik, OP-Management, Transport und Ressourcen.
Die Ausschreibung hatte bereits kurz nach ihrer Veröffentlichung Kritik hervorgerufen. Kheops Technologies beschuldigte das CHUV, Kriterien festgelegt zu haben, die den US-Anbieter Epic bevorzugten. Gleichzeitig äusserten regionale Spitäler die Meinung, dass diese Investition in keinem Verhältnis zu ihren Bedürfnissen stehe.
Nachdem das Waadtländer Kantonsgericht im Januar 2025 die Beschwerden abgewiesen hatte, zog Kheops den Fall bis vor das Bundesgericht, was im Februar zu einer erneuten Unterbrechung der Beschaffung führte. Mit dem Bundesgerichtsurteil vom 17. September, das nun bekannt gegeben wurde, ist der Rechtsstreit endgültig abgeschlossen.

Auch in Zürich läuft KIS-Beschwerde

Das Gericht befand die erste Klage für unzulässig, da keine rechtliche grundsätzliche Frage erhoben wurde. Die zweite wurde als unbegründet abgelehnt. Kheops muss auch alle Prozesskosten in der Höhe von 40’000 Franken tragen.
Pierrick Gonnet, General Manager von Kheops, zeigte sich gegenüber 'Le Temps' (Paywall) enttäuscht über das Urteil. "Wir sind dennoch stolz darauf, dieses Thema in die Öffentlichkeit gebracht zu haben", sagte Gonnet. Falls der Auftrag an Epic gehen sollte, hoffe er, "dass die Fragen der digitalen Souveränität und des Datenschutzes von unseren politischen Vertretern aufgegriffen werden".
Während die KIS-Beschaffung in der Romandie jetzt weitergeht, hat sich das Universitätsspital Zürich (USZ) kürzlich für die Lösung von Epic entschieden. Veranschlagte Kosten beim USZ für das Projekt: 95 Millionen Franken. Aktuell ist aber auch hier eine Beschwerde der Zürcher Firma Cistec gegen den Zuschlag hängig.
Dieser Artikel ist zuerst auf Medinside.ch erschienen und wurde mit weiteren Informationen ergänzt.


Loading

Mehr zum Thema

image

Meta zahlt Milliarden-Busse wegen Suchtpotenzial

Der Facebook-Mutterkonzern hat sich aussergerichtlich mit mehreren US-Bundesstaaten geeinigt. Wegen des Suchtpotenzials von Facebook zahlt Meta eine Milliarden-Busse.

publiziert am 26.8.2026
image

Waadtländer Epic-Entscheid soll das Volk treffen

Das Waadtländer Kantonsparlament debattierte übers neue Klinikinformations-System für das CHUV und weitere Spitäler. Klar wurde nur, dass das Epic-Projekt umstritten bleibt.

publiziert am 26.8.2026
imageAbo

Armee verlängert LMS-Betrieb erneut

Für den Übergang bis zur geplanten neuen Lernplattform erhält Swissteach 3,78 Millionen Franken.

publiziert am 26.8.2026
imageAbo

Aargauer Gefängnisse bekommen Juris-Nachfolge

Glaux erhält den Zuschlag für die Verwaltungssoftware im Justizvollzug. Vorgesehen ist ein Preis von fünf Millionen Franken.

publiziert am 25.8.2026